Leserbrief

Sag mir, wo die Baarerinnen sind, wo sind sie geblieben?

Zur laufenden Ausstellung «Baar und ich – Künstlergespräche»

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Sag mir, wo die Baarerinnen sind, was ist geschehen? Die Frage ist eine Analogie zum legendären Song «Sag mir, wo die Blumen sind» und hat die Ausstellung «Baar und ich» der Gemeinde Baar zum Thema. Elf Biografien von spannenden Menschen aus Baar werden im Schwesternhaus vorgestellt. Davon sind zehn männlichen Geschlechtes. Eine einzige Frau durfte die Nummer elf werden. Das heisst, das Geschlechterverhältnis ist zehn zu eins in dieser Ausstellung.

Was bedeutet das für die Frauen, die heute in Baar leben? Können sie sich mit so einer Ausstellung identifizieren? Wohl kaum. Das zeigte der grosse Aufmarsch von Frauen beim Anlass vom 4.Oktober im Schwesternhaus. Da diskutierte Brigitte Moser, Kulturpreisträgerin von Baar, mit dem Ausstellungsmacher. Brigitte Moser präsentierte eine lange Liste von Baarerinnen, die durch ihr Wirken grossen Einfluss auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Baar hatten. Man denke da an bekannte Wirtinnen, an die Klosterfrauen, die über lange Jahre in Baar wirkten, an Künstlerinnen aller Sparten, an Politikerinnen und so weiter.

Bald nahmen verschiedenste Zuhörerinnen aktiv an der Diskussion teil. Der Hinweis des Ausstellungsmachers, dass man sich bei der Auswahl auf das Archiv und auf die Sammlung von Baar abgestützt habe, wurde als ungenügend gewertet. Auch wenn in der Vergangenheit mehrheitlich nur Erzeugnisse von Männern archiviert wurden, bedeutet das nicht, dass die Personen in der Ausstellung, die die Gegenwart repräsentieren, auch wieder nur männlichen Geschlechts sein müssen.

Der Raster für die Auswahl war zu einseitig auf männliche Sicht- und Lebensweisen eingestellt und hätte anders justiert werden müssen. Dann hätten auch Frauen Platz gehabt. So wäre die Ausstellung aktueller geworden. Sie hätte den gesellschaftlichen Wandel gezeigt. Diese Chance wurde nicht genutzt. Dies und vieles mehr wurden von den mehrheitlich weiblichen Anwesenden vehement diskutiert. Es herrschte eine engagierte Aufbruchstimmung im Saal. Der Grundtenor war: So kann es nicht weitergehen, eine Vertretung von zehn zu eins ist unannehmbar, die nächste Ausstellung muss anders werden. Zwei Politikerinnen waren zugegen, wo war die männliche Politprominenz?

Esther Löffel, Baar