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SAGEN: Wo es im Kanton Zug am meisten spukte

An Allerheiligen und Halloween spielen Schauergeschichten eine grosse Rolle. Wir erzählen, wo die Geister im Kanton Zug am meisten ihr Unwesen trieben und was die Sagen zu bedeuten haben.
Gabriela Jordan
Maria Greco in der Burgruine in Hünenberg. Oben rechts: das Kloster auf dem Gubel in Menzingen, unten: ein Wandgemälde an der Kapelle St. Anna in Baar. (Bilder: Stefan Kaiser (28. Oktober) und Werner Schelbert (27. Oktober))

Maria Greco in der Burgruine in Hünenberg. Oben rechts: das Kloster auf dem Gubel in Menzingen, unten: ein Wandgemälde an der Kapelle St. Anna in Baar. (Bilder: Stefan Kaiser (28. Oktober) und Werner Schelbert (27. Oktober))

Schenkt man einigen Zuger Sagen Glauben, dann spuken die Geister im Kanton noch immer herum. Dies ist bekanntlich vor allem Anfang November der Fall, wenn an Allerheiligen der Toten gedacht wird – oder wenn am Vorabend seit einigen Jahren vermehrt Halloween gefeiert wird. Eine wahre Fundgrube für passende Schauergeschichten aus dem Kanton ist das Buch «Zuger Sage» von Maria Greco und Brigitt Andermatt. «Früher hat man sich Spukgeschichten erzählt, um lange Winterabende zu überbrücken», sagt Greco. «Auch heute ruft das Erzählen von Sagen Faszination, Spannung und manchmal sogar Angst hervor.»

Besonders reich an Erzählungen sind die Gebiete Baar, Menzingen und Zug. In einer zu Allerheiligen passenden Geschichte geht es um «Die dankbaren Toten», die einem frommen «Rittersmaa» bei der Sankt-Anna-Kapelle in Baar geholfen haben. Bei seinen Ausritten nimmt dieser immer wieder den Weg über den Kirchenhof und sagt den armen Verstorbenen ein Gebet auf. Eines Tages merkt er, dass ihm drei dunkle Gesellen folgen, die wohl nichts Gutes im Schilde führen. Er versucht deshalb, sich in der Kirche verstecken, doch die Tür ist abgeschlossen. Gnau i däm Momänt sind sini Verfolger durs Tor bi de Chilemuur ine z stürme cho – da händ sich uf einisch d Grabplate aagfange verschiebe. Us de Gräber sind d Totegripp use gstige und händ die drü Halungge i d Flucht gschlage.

«Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten», verrät Greco. Bei dieser gehe es um das typische «Memento Mori», das den Menschen ihre eigene Vergänglichkeit bewusst machen soll. «Früher konnten sich Menschen so vieles noch nicht erklären, und ihre Wahrnehmung für Ungewöhnliches war viel feiner als heute.» Ereignisse wie Naturphänomene, die heute wissenschaftlich erklärt werden können, galten damals als göttliches oder teuflisches Zeichen – und so entstanden die Geschichten.

Von Kantönligeist und Lokalpatriotismus

In gleicher Weise wird es sich mit der Sage «Die Tote vom Gubel» in Menzingen zugetragen haben: Während de Reformationschrieg händ d Zürcher welle Richtig Einsiedle zieh. Am Gubel obe sinds aber vonere chliine Horde Zuger gschlage worde. Nach em üsserscht bluetige Kampf am Hang vom Gubel segid die Tote uf em Schlachtfäld begrabe worde. Will alles hebi müesse schnäll ga, het me die Reformierte und die Katholische zäme beärdiget. Drufabe segid Jahr für Jahr wissi, bleichi Tote bei us de Ärde fürecho. Das segid d Zuger gsii, wo bi de Zürcher kei Rueh gfunde händ.

«In dieser Sage wurde der Lokalpatriotismus humorvoll ausgerüstet und der ‹Kantönligeist› wundervoll runter gebrochen», erzählt Greco. Der eigentlichen Tragik der Geschichte sei mit leichtem Spott – dass es Zuger nicht mal im Tod neben Zürchern aushalten – die Schwere genommen worden. Zu den wieder erwachten Knochen meint Greco: «Ob da wirklich höhere Mächte im Spiel waren, wissen wir heute nicht.»

Doch nicht nur von Toten, auch von Hexen und Gespenstern erzählte man sich in Zug. Bei einer Geschichte aus Rotkreuz geht es etwa um «S Häxli von Risch», das den Rischer Strumpfweber Josef Franz Meier verzauberte. Sie servierte ihm bei sich zu Hause einen «Eiertätsch», woraufhin der Strumpfweber immer wieder ein Reissen nach ihr verspürte. Und ich han zu däm Meitli müesse, obwohl sich i mier inne alles gsträubt het. Sobald er begriffen hatte, dass er verhext war, suchte er den berühmten Wunderdoktor Kandi Mattmann in Luzern auf. Dieser gab ihm ein weisses Pülverchen, das ihn von seinen Leiden erlöste – und ihn eine Schlange erbrechen liess. Als er eines Tages das Mädchen wieder sah, war es abgemagert und totenbleich. Kurz darauf starb es.

Sagen basieren oft auf echten Tragödien

«Bei Hexengeschichten steckt meistens eine wahre Begebenheit dahinter.» Greco spricht eine weitere Sage an, die auf einer echten Tragödie basiert: Die Zuger Hexe Lisi Bossi, die mit vollem Namen Elisabeth Bossard hiess, wurde 1737 wegen Hexerei lebendig verbrannt. Laut Greco geisterte dieser Vorfall schon wenige Jahre später als Sage herum, wobei die Leute das Historische komplett ausblendeten. «Diese und andere Hexenverbrennungen sind ein dunkles Kapitel in der Zuger Geschichte.» Als «D Brandstifteri» hat Lisi Bossi, so will es die Geschichte, das Kloster in Engelberg angezündet. Sie gab nämlich den Feuerraketen, mit denen die Klosterschüler spielten, mit ihren dunklen Künsten die falsche Richtung. Lissi Bossi wurde zudem nachgesagt, dass sie wie ein Vogel fliegen konnte. Sie flog jeweils kurz ins Elsass oder nach Basel, um für ihre Suppen Schnittlauch und Zwiebeln zu holen.

Früher spukte es laut mehrerer Sagen ausserdem besonders in der Baarer Wildenburg, in Hünenberg sowie auf der Baarburg. Aber auch aus Walchwil gibt es eine grausige Geschichte über «D Pfaffechällnery», von der man angeblich noch heute in Luzern und Schwyz hört. Eine «Pfaffechällnery» war früher die Haushälterin des Pfarrers. Im Zugerland geisterte eine solche für viele Jahre herum. Sie soll heikel und spiegelsüchtig gewesen sein, sodass sie sogar die Taufstunde ihres Patenkindes verpasste. Das Kind starb kurz darauf ungetauft, und auch die «Pfaffechällnery» fand bald ihren Tod. Vo det ewäg isch sie mit eme gruusige Gjammer und Ghüül als armi Seel i de tunkle Nächt umegwandlet. Im Rossweidli uf em Zugerbärg het mer sie no vill ghört chlööne und chlage.

«All diese Erzählungen zeigen, dass wir einen solch reichen Schatz an Kulturgut haben», sagt Greco. Sie finde es deshalb schade, dass sich die Gesellschaft nicht mehr daran bediene, sondern neuartige Phänomene wie Halloween feiere. Denn viele Sagen würden vom Tod handeln, der heute zusehends tabuisiert werde. «Wir haben genug eigene Rituale, Bräuche und Legenden die leider immer mehr in Vergessenheit geraten.» Die Geschichte der «Tanzenden Chatze» in den Zuger Altstadtgassen ist sicher eine davon: Auf der Geissweid unter dem Kapuzinerkloster trafen sich in dunkeln Nächten immer wieder vier Katzen, die in Wahrheit verwandelte Hexen waren. Die Nachbarn wollten sie wegen ihres lärmigen Treibens mit allen Mitteln verjagen. Inere Nacht het en muetige Burscht es Gwehr gnoo und uf die tanzende Chatze gschosse. Ei Schuss het en Chatz a de lingge Hinderpfote troffe. Sit dere Nacht het d Frau vomene Rotsherr mit em lingge Bei ghunke. Mer seit, dass sie mit dene Häxechatze uf de Gäissweid tanzed het.

Hinweis

Quelle: «Zuger Sage» von Maria Greco (Autorin) und Brigitt Andermatt (Illustrationen), Verlag Victor Hotz (2009).

Gabriela Jordan

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