Sanierung des Pfarreiheims Baar: Deshalb hat der Kirchenrat die Reissleine gezogen

Der Kirchenschreiber erläutert, warum ein Kredit von mehr als 12 Millionen Franken hätte beantragt werden müssen.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Sondierungen ergaben, dass der Boden um das Pfarreiheim St.Martin in Baar sehr feucht ist.

Sondierungen ergaben, dass der Boden um das Pfarreiheim St.Martin in Baar sehr feucht ist.

Bild: Maria Schmid (4. März 2020)

Der Kirchenrat der Katholischen Kirchgemeinde Baar bedauert, dass dieser Entscheid gefällt werden musste: Gestern gab er bekannt, dass die Planung zur Sanierung des Pfarreiheims St. Martin abgebrochen wird. Nach verschiedenen Abklärungen und Sondierungen von Bausubstanz und Boden stellte sich heraus, dass eine Sanierung mit 10,4 Millionen Franken plus minus 20 Prozent Kostenungenauigkeit wesentlich teurer ausfallen würde, als erwartet. Demnach wäre für die Realisierung ein Kredit von 12,5 Millionen notwendig – und der würde von der Versammlung wohl kaum bewilligt, wie die Katholische Kirchgemeinde in einer Mitteilung schreibt.

Fast 600 000 Franken sind bereits investiert worden

«Es ist schade, dass dieser Entscheid gefällt werden musste. Auch, weil wir bereits viel Energie, Zeit und Geld investiert haben», gibt Kirchenschreiber Stefan Doppmann Auskunft. Für die Planung wurden bereits 585 000 Franken aufgewendet, die nun abgeschrieben werden müssen. Was zwar kein Loch in die Kasse der Kirchgemeinde reissen würde, aber: «Natürlich hätten wir diesen Betrag lieber anders eingesetzt.»

Die Planung zur Erweiterung und Sanierung wurde vor zweieinhalb Jahren aufgenommen. «Wir waren zuversichtlich und gingen während der Planungsphase davon aus, dass die Bausubstanz in einem guten Zustand sei», erklärt Stefan Doppmann. Auch eine Machbarkeitsstudie von 2008 untermauerte dies. Doch wie bei vielen Erneuerungsprojekten schwang eine Unwägbarkeit mit. Denn die vor kurzem durchgeführten Sondierungen und Baugrunduntersuchungen zeigten ein anderes Bild. «Leider zu unseren Ungunsten», bedauert Doppmann. So hätte beispielsweise die Kanalisation unter dem Gebäude vollständig erneuert werden müssen.

Der Boden rund um das Gebäude stellte sich zudem als sehr feucht heraus. Hinzu kamen Vorschriften und Massnahmen zur Erdbebensicherheit und Ähnlichem, welche die Kosten in die Höhe trieben. Sodass nach den Abklärungen feststand: Sie würden definitiv zu hoch ausfallen. Stellt sich die Frage, ob diese Sondierungen nicht vor dem Architekturwettbewerb hätten durchgeführt werden müssen. «Vielleicht. Faktisch ist es aber so, dass wir damit vor der eigentlichen Projektphase Geld in die Hand hätten nehmen müssen, ohne zu wissen, wohin das führt», antwortet Doppmann. Er räumt aber ein, dass man durch «eine gründliche, vorgängige Sondierung» Zeit gespart hätte.

Das Pfarreiheim kann weiterhin genutzt werden

Jetzt gilt es laut den Verantwortlichen, Zeit zu gewinnen. Denn wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Eine Sanierung kommt nicht in Frage. Auch ein Neubau in denselben Gebäudemassen ist ausgeschlossen. Denn Abklärungen für einen solchen traf die Kirchgemeinde bereits letztes Jahr. Aufgrund rechtlicher und planerischer Herausforderungen wurde diese Idee verworfen. Was nun? «Der Kirchenrat wird in den nächsten Wochen eine Auslegeordnung machen und darüber beraten», so der Kirchenschreiber. Einige Ideen habe man in petto, aber spruchreif sei nichts. Bis eine Lösung vorliegt, wird das Pfarreiheim weiterhin genutzt. «Das Dach fällt uns nicht über dem Kopf zusammen», versichert Stefan Doppmann.

Einige Massnahmen, wie die Ersetzung der Heizung, drängen sich aber auf. Doppmann sagt:

«Wir sind ernüchtert, aber manchmal muss man den Mut haben, ein unrealistisches Projekt zu stoppen und eine umsetzbare Alternative zu finden», sagt er abschliessend.
Mehr zum Thema