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Diese Sanierung in Zug hat einen hohen Preis

860'000 Franken bezahlt die p-4 AG den Bewohnern der Überbauung Kistenfabrik Zug; damit geht ein langjähriger Rechtsstreit zu Ende.
Christopher Gilb
Beim Streit mit dem Totalunternehmer ging es um die Baumängel an den Balkonen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. April 2018)

Beim Streit mit dem Totalunternehmer ging es um die Baumängel an den Balkonen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. April 2018)

«Wären wir Bewohner im Altersdurchschnitt etwas jünger, hätten wir sicher weitergekämpft, doch nun hatten wir genug», sagt ein Pensionär, der lieber anonym bleiben möchte. Fast zwei Jahrzehnte lang setzten sich er und weitere Stockwerkeigentümer der Häuser Eschenring 4 und 5 in Zug – zuletzt vor Gericht – für eine umfassende Sanierung ihrer Balkone ein. Nun haben sie sich mit dem Totalunternehmer p-4 AG geeinigt.

Es gibt drei Gutachten, die alle Baumängel bei den besagten Balkonen feststellen. Das letzte ist ein Gerichtsgutachten. Darin steht, dass die Kons­truktionsart der Balkone nicht mit den im Jahr 1999 anerkannten Regeln der Baukunst übereingestimmt habe. Sie seien teils nicht gebrauchstauglich.

Brocken von der Grösse eines Fussballs

Bei einem Ortsbesuch dieser Zeitung im April 2018 waren Risse in der Decke und auf dem Boden der Balkone zu sehen sowie an der Stahlkonstruktion grosse Rostflecken und Kalkablagerungen. Der erwähnte Pensionär berichtete davon, dass das Wasser vom Balkon nicht ablaufe, da dieser kein Gefälle habe. Und er zeigte aus seinen Unterlagen das Foto eines Steinbrockens von der Grösse eines Fussballs, der bei einem Nachbarn aus der Decke gebrochen war. Zusammengefasst: Er hatte einen Balkon, den er weder nutzen wollte, noch wirklich nutzen konnte. Damals hatte das Kantonsgericht gerade sein Urteil zum Fall gefällt. In den Jahren zuvor hatten die Gerichte erst einmal klären müssen, ob die p-4 AG überhaupt für den Mangel haftbar ist, was diese bestritten hatte.

Das Kantonsgericht verpflichtete die p-4 AG dann, pro Haus je einen Vorschuss in Höhe von 685 000 Franken für die mutmasslichen Kosten der Sanierung zu bezahlen. «Der Beklagte (Anm. d. Red.: die p-4 AG), hat sich über Jahre hinweg – vorprozessual als auch während des vorliegenden Prozesses – geweigert, eine sachgerechte Behebung des Werkmangels bei den Balkonen vorzunehmen», so das Fazit der Richter. Doch Aufatmen konnten die Bewohner nicht, denn die Totalunternehmung zog das Urteil ans Obergericht weiter. Gegenüber dieser Zeitung teilte deren Anwalt damals mit: Unter anderem sei namentlich stossend, dass sich das Kantonsgericht gegen die im Verfahren ausdrücklich und mehrfach erklärte Sanierungsbereitschaft der p-4 AG gestellt und ihr damit das Recht auf Nachbesserung genommen habe.

Obergericht setzte auf eine Einigung

Der Oberrichter empfahl den Parteien daraufhin eine Instruktionsverhandlung. Sie sollten also zusammensitzen und versuchen, sich zu einigen. Beide zeigten Bereitschaft dafür, feilschten aber bis zuletzt. Denn erst wollte der Totalunternehmer maximal 402000 Franken pro Haus bezahlen. Nach Ansicht der Bewohner hätte dieser Betrag jedoch nicht ausgereicht, die nötigen Sanierungen vorzunehmen. Die Parteien einigten sich dann auf einen Betrag von 430000 Franken pro Haus und zwar als Fixbetrag. Sind die Sanierungskosten also höher, muss der Totalunternehmer nichts nachbezahlen, sind sie tiefer, müssen die Bewohner nichts zurückbezahlen. Doch ob dieser Betrag für die Sanierung genügt, da ist sich der Pensionär nicht sicher. «Wenigstens müssen wir so vermutlich nicht allzu viel draufzahlen.» Doch erst einmal müssen die Bewohner eine Baufirma finden, die bereit ist, die Sanierungen durchzuführen. So hätten mehrere Firmen bereits abgesagt, wohl wegen der komplexen Vorgeschichte.

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