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SBB-PROJEKT: Ein Tunnel und andere hochtrabende Pläne

Von einem Zimmerberg-Basistunnel zwischen Baar Litti und Zürich ist schon 1998 geträumt worden. Ein alter Flyer von Alptransit zum Eisenbahn-Projekt zeigt immerhin in einer Hinsicht Fakten.
Marco Morosoli
Der Verlauf des Zimmerberg-Basistunnel ist auf dem Alptransit-Flyer von 1998 schon mal vorgezeichnet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6.Februar 2018))

Der Verlauf des Zimmerberg-Basistunnel ist auf dem Alptransit-Flyer von 1998 schon mal vorgezeichnet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6.Februar 2018))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Beim Blick zurück auf noch physisch vorhandene Papiere zu stossen, kann bisweilen sehr erheiternd sein. Ein vierseitiger Flyer von Alptransit aus dem Jahr 1998, welche für den Bau des Gotthard-Basistunnels verantwortlich war, passt perfekt in diese Kategorie. Darin ist zu lesen, dass der Zimmerbergtunnel Bestandteil der europäischen Transitachse Frankfurt-Zürich sei und dadurch «das zentrale Bindeglied zwischen den Räumen Zürich und Ostschweiz einerseits und dem Raum Innerschwyz andererseits». Dieser Durchstich durch den Zimmerberg (von Zürich nach Baar Litti) habe den Vorteil, dass dadurch die Kapazität auf dem Streckenast Zug-Luzern/Lugano für den «Güter- und den Personenverkehr markant» erhöht werden könne. Zur Erinnerung: Der Güterverkehr auf dem SBB-Streckenast Zürich-Zug ist heute praktisch bedeutungslos.

Im Gegensatz zu den jetzt vom Bundesamt für Verkehr favorisierten Projekt im Rahmen des Ausbauschrittes 2035 scheinen die Planer damals viel optimistischer geplant zu haben. Sie wollten nicht nur einen doppelspurigen Tunnel von Zürich bis Baar Litti mit einer Länge von rund 20 Kilometern bauen, sondern es war auch vorgesehen, die Bestandes-Strecke mit den beiden eingleisigen Tunneln zwischen Baar Litti und Horgen Oberdorf zweigleisig auszubauen. Das hätte bei einer Realisierung der Alptransit-Pläne dazu geführt, dass zwischen Zug und Baar Litti vier Gleise zur Verfügung gestanden wären. So ungefähr müsste ein Pendlerparadies aussehen.

Thalwil würde vom Zimmerbergtunnel ignoriert

Der Prospekt von Alptransit verspricht auch ein flottes Tempo: 200 bis 250 Stundenkilometer im Zimmerberg-Basistunnel. Anschlüsse in Thalwil werden im Papier vom Oktober 1998 schlicht ignoriert. Dies deshalb, weil die Züge ja in Thalwil vorbeirauschen. So wäre es auch, wenn der Zimmerbergtunnel II zwischen Thalwil und Baar Litti im Rahmen des Ausbauschrittes 2035 ausgeführt würde. Reisende, die nach Chur wollen, müssen dann immer den Umweg über Zürich machen.

Die Fahrzeit zwischen Zürich und Zug durch den langen Tunnel werden sich, so ist im Dokument weiter zu lesen, von 27 auf 17 Minuten reduzieren. Luzern wird von Zürich aus durch die lange Variante des Zimmerberg-Tunnels in 49 Minuten erreicht. Richtig Zeit gewinnt, wer von Zürich nach Mailand fährt. Die italienische Metropole ist von Zürich aus in nur gerade 2 Stunden und 40 Minuten zu erreichen. Voraussetzung sind hier natürlich der Zimmerberg-Basistunnel, der Gotthard-Basistunnel und der Ceneri-Basistunnel. Derzeit braucht ein Eurocity für diese Strecke glatt eine Stunde mehr, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Zimmerbergtunnel erst zwischen Zürich und Thalwil existiert und der Monte Ceneri-Basistunnel erst Ende 2020 in Betrieb gehen wird.

Beim zweiten Aufwisch sollte es nun klappen

Paradox ist in der Nachbetrachtung, dass heute bereits das Anschlussbauwerk Nidelbad in Thalwil besteht. Die Tunnelbohrmaschine hätte so praktisch nach Baar Litti weiterbohren können. Doch nach der Fertigstellung des Zimmerberg-Tunnels zwischen Zürich und Thalwil im Jahre 2003 wurde auf finanziellen Gründen auf einen Weiterbau verzichtet. Der Weiterbau des Zimmerberg-Basistunnels ist nun für den Ausbauschritt 2035 vorgesehen. Jedermann hatte bis zum vergangenen 15. Januar die Möglichkeit sich zum Ausbauschritt 2035 zu äussern. Jetzt werden die Pläne weiter konkretisiert.

Gemäss Terminplan sollen sich die eidgenössischen Räte sich im kommenden Jahr mit der Eisenbahnvorlage auseinandersetzten. Ein Baubeginn ist aber noch in weitere Ferne. Denn noch ist unklar, wie viel Geld für diesen Ausbauschritt zur Verfügung stehen wird. Es ist offiziell von 11,5 Milliarden Franken die Rede. Einige Exponenten wollen gar 13 Milliarden für die Bahnprojekte lockermachen. Diese Zahl ist gegenüber derjenigen, welche der Ständerat respektive der Nationalrat am 20. März 1998 durchgewinkt haben, um rund zwei Drittel kleiner. Damals, so steht es im Alptransit-Flyer, war die Rede von 30 Milliarden Franken für die Bahn 2000, die Neue Eisenbahnalpentransversale (NEAT), den Anschluss der Ost- und der Westschweiz ans europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz. Vorgezeichnet war damals auch, aus welchen Finanztöpfen diese Geldmittel stammen würden. Alleine die Einnahmen aus der Schwerverkehrsabgabe hätte für mehr als die Hälfte der Investitionen in die Bahninfrastruktur aufkommen sollen (17 Milliarden Franken). Dies auch aus dem Gedanken heraus, mehr Güter auf der Nord-Süd-Achse auf der Schiene zu transportieren.

Interessant ist auch ein Bild auf einem anderen Teil des Alptransit-Flyers, in dem dargestellt wird, wie in Baar Litti die Bestandesstrecke via Sihlbrugg und den Zimmerberg-Basistunnel von gleicher Stelle direkt nach Zürich gestaltet werden sollte – bei der derzeitigen Planung ist hingegen unklar, wo genau und wie die Gleise des Zimmerbergtunnels mit der bestehenden Strecke verknüpft werden. Damals war hingegen klar: Die vier Gleise – zwei aus dem Albistunnel und zwei aus dem Zimmerberg wären dann, so die Planer, in der Nähe des Baarer Bofeldes in die zweispurige Strecke nach Baar und weiter in Richtung Zug vereinigt worden. Dass diese Situation unbefriedigend ist, zeigt sich heute schon an anderer Stelle. In Thalwil mündet der zweigleisige Zimmerbergtunnel in die dortige, ebenfalls zweispurig ausgelegte, Seelinie Zürich - Kilchberg - Thalwil. Diese Verengung ist denn auch immer wieder dafür verantwortlich, dass es zu Verspätungen kommt.

Zudem befassen sich die Planer bei Alptransit mit der Aussage, auch die heutige Strecke Zug Zürich auf zwei Spuren auszubauen, wohl unbewusst mit einer Idee, welche das Komitee Zimmerberg-Light seit Jahren als billigere Variante ins Feld führt. Das Bundesamt für Verkehr will aber, wie die SBB, nichts davon wissen.

Wie der Zimmerberg-Basistunnel II (Thalwil Nidelbad – Baar Litti) dereinst mit der heute bestehenden Strecke verknüpft werden wird, ist noch unklar. Fakt ist, dass solche Unter- respektive Überwerfungen sehr teuer sind.

Das Preisschild für die Fortsetzung des Zimmerberg-Basistunnels ins Zugerland ist mit den Zufahrten im Ausbauschritt 2035 mit rund 2,2 Milliarden Franken angegeben. Die Bauarbeiten dürften vor allem in Baar Litti herausfordernd werden.

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