SC Cham: «Nico ist ein bescheidener Mensch»

Dem SC Cham gelingt mit der Verpflichtung von Nico Siegrist ein Transfercoup. Die Situation erinnert an den Sommer 2012.

Raphael Biermayr
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Nico Siegrist im Trikot des SC Kriens bejubelt sein Penaltytor. Nun spielt er für den SC Cham.

Nico Siegrist im Trikot des SC Kriens bejubelt sein Penaltytor. Nun spielt er für den SC Cham.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 8. Februar 2020)

Marcel Werder war etwas über zwei Jahre Sportchef im SC Cham, als er im Sommer 2012 seinen ersten grossen Transfercoup bekanntgeben konnte. Moreno Merenda unterschrieb einen Vertrag auf dem Eizmoos, nachdem er seine sehr ansehnliche Profikarriere gerade beendet hatte. In der vorangegangenen Spielzeit hatte Merenda für den FC Vaduz 17 Treffer erzielt und war damit zweitbester Torschütze der Challenge League.

Sommer 2020. Marcel Werder hat vor wenigen Tagen die Verpflichtung von Nico Siegrist – der Torschützenkönig der Challenge League 2018/19 – vom SC Kriens mitgeteilt.

Dieser Toptransfer ist eine Überraschung, zumal sie per sofort erfolgt ist. Siegrist wird ab dem kommenden Montag in Cham ins Training einsteigen. Gegenüber unserer Zeitung begründete der Offensivspieler diesen Schritt mit der Bereitschaft, der in Cham von ihm geforderten Rolle als Führungsspieler gerecht zu werden und so auch die Vorbereitung auf die kommende Saison mitzumachen. Der Gedanke, dass etwas anderes dahinterstecken könnte, ist nicht abwegig. Marcel Werder sagt: «Das ist eine Sache zwischen Nico und Kriens. Wir sind jedenfalls sehr froh, dass er bereits bei uns ist.»

Eine unspektakuläre Vorgeschichte

Die Vorgeschichte dieses Wechsels ist laut Werders Angaben reichlich unspektakulär. Nach losem Kontakt in den letzten Jahren habe der Chamer Sportchef im zurückliegenden Frühjahr «gehört, dass Nico offen für etwas Neues ist». Nach einigen Telefonaten und nur einem Treffen habe Siegrist am 8. Juni zugesagt. Auch was das Finanzielle anbelangt, sei man sich schnell einig gewesen. «Nico ist ein bescheidener Mensch. Was wir ausgehandelt haben, können wir als Verein gut verantworten», sagt Werder. «Für ihn ist es wichtiger, dass er sich im Team wohlfühlt.»

Veränderungen im Team des SC Cham

(bier) Der SC Cham hat neben Nico Siegrist bislang zwei Spieler verpflichtet: Joel Miranda (Mittelfeld, von Buochs) und Marin Wiskemann (Stürmer, Höngg). Ausserdem hat der Mittelfeldspieler Marco Rüedi, der dem FC Luzern gehört, für eine weitere Saison zugesagt. Und mit Leo Suta stösst ein Akteur aus der zweiten Mannschaft zum Team. Gemäss dem Chamer Sportchef Marcel Werder hält der Verein noch Ausschau nach einem Innenverteidiger sowie einem Aufbauer. Als Abgänge stehen bislang fest: Nikola Bozic (FC Wohlen), Cleric Njau (Zug 94), Ramon Cecchini, Admir Seferagic und Kemil Festic (alle noch ohne neuen Verein). Auch neben dem Platz gilt es, eine Lücke zu schliessen: Der Goalietrainer Marco Trangoni hat den Sportclub verlassen, um eine neue Herausforderung anzunehmen. Ihre Verträge verlängert haben – neben den Trainern – der Coach Pius Limacher und die Therapeutin Sonja Berner. Das erste Testspiel bestreiten die Chamer am 26. Juni zu Hause gegen den Erstligisten Wohlen (ab 19.30 Uhr). Die Promotion-League-Saison beginnt Mitte August.

Nicht unwichtig dürfte für Siegrist auch die Tatsache sein, dass der SC Cham als möglicherweise einziges Team der Promotion League nur dreimal wöchentlich trainiert. Denn der namhafteste Neuzugang arbeitet in einem 90-Prozent-Pensum als Sekundarlehrer in Hitzkirch. Siegrist kennt zudem den Chamer Trainer Roland Schwegler bereits als Mitspieler beim FC Luzern (2008 bis 2010). Was den eingangs erwähnten Vergleich mit Moreno Merenda anbelangt, kann Nico Siegrist von den Statistiken her nicht mithalten. Er bestritt viel weniger Super-League-Spiele und erzielte weit weniger Treffer in den höchsten zwei Spielklassen. Aber er ist gerade erst 29 Jahre alt geworden und damit drei Jahre jünger als Merenda bei dessen Wechsel auf das Eizmoos. Gut möglich also, dass der Sportclub Cham und sein Sportchef Marcel Werder noch sehr lange Freude an dieser Verpflichtung haben werden.