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Bauer aus Muri wird gebüsst, weil er Schafe ohne Wasser und Unterstand hielt

Ein 56-jähriger Bauer wurde vom Bezirksgericht wegen Vernachlässigung seiner Tiere zu einer Geldstrafe und Busse verurteilt. Sie gehe nicht davon aus, der Angeklagte sei ein Tierquäler, so die Gerichtspräsidentin.
Walter Christen

«Wenn ein Schaf trächtig ist, sieht man das schlecht. Ein Schaf ist ein aufwendiges Tier. Schafe frieren auch im Winter nicht.» So beschrieb Köbi (Name geändert) vor Bezirksgericht Muri die Tiere, die seinen Lebensinhalt und Haupterwerb darstellen. Gegen ihn wurde wegen Tierquälerei ermittelt.

Zur Last gelegt wurde dem Bauern nicht ausreichende Versorgung von Schafen vor und während der Geburt, Vernachlässigung von Schafen durch Unterlassen der vorgeschriebenen Tränkung sowie dauernde Weidehaltung von Schafen bei extremem Wetter ohne Witterungsschutz und trockenem Liegeplatz für alle Schafe beziehungsweise mit mangelhaftem Unterstand.

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten brummte dem 56-Jährigen eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 50 Franken auf, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, eine Busse von 300 Franken und eine Strafbefehlsgebühr von 1100 Franken. Dagegen erhob der Beschuldigte Einsprache und musste sich deshalb vor Gericht verantworten.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall ein Mitarbeiter des kantonalen Veterinärdienstes, der Mitte Dezember 2017 am Lindenberg die Schafweide von Köbi kontrollierte. Zu jenem Zeitpunkt lag die Landschaft unter einer 15 Zentimeter dicken Schneeschicht. Der Kontrolleur stellte fest, dass es für die Schafherde, die aus rund 100 Tieren bestand, erstens keinen Unterstand gab und zweitens kein Wasser. Dabei sei vorgeschrieben, Schafen einen trockenen Unterstand zur Verfügung zu stellen und ihnen zweimal täglich Zugang zu frischem Wasser zu verschaffen.

Doch damit nicht genug: Köbi hatte es unterlassen, ein Schaf vor und während der Geburt seines Jungen ausreichend zu versorgen, indem er das Muttertier nicht zwei Wochen vor dem Ablammen in den Stall brachte, lautete die Anklage.

In der Nacht waren die Schafe ausgebüxt

«Das mit dem Mutterschaf trifft zwar zu, doch es handelte sich um eines jener Schafe, bei denen man praktisch bis zur Geburt des Lamms nicht sieht, dass es trächtig ist. Wie hätte ich es da rechtzeitig einstallen sollen? Aber von dem Zusammenhang hatte der Kontrolleur ja gar keine Ahnung», rechtfertigte sich Köbi vor Gericht und doppelte nach: «Was er auch nicht wissen konnte: Durch die Last des in der Nacht frisch gefallenen Schnees war der Weidedraht heruntergedrückt, sodass die Schafe von ihrer Weide ausbüxen konnten. Sie gingen um ein Wäldchen herum nach oben, Schafe gehen immer aufwärts, nie abwärts. Und genau aus diesem Grund hat der Kontrolleur dort, wo er sie dann angetroffen hat, weder Unterstand noch Wasser vorgefunden.»

Die Frage von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner, ob vom neuen Standort der Schafe die ursprüngliche Weide einsehbar war, verneinte Köbi: «Das Gelände dort oben ist stark terrassiert. Und es liegt noch das Wäldchen dazwischen.» Der wegen Tierquälerei angeklagte Köbi kritisierte das Vorgehen des Kontrolleurs: «Er hätte mich kontaktieren sollen. Dann hätte es diese Missverständnisse nicht gegeben. Ich habe sowieso Mühe damit, wie man mit uns Bauern bezüglich des Tierschutzes umspringt. Man muss reden miteinander und nichts hintenherum machen. So habe ich zum Beispiel erst durch den Strafbefehl erfahren, dass überhaupt eine Kontrolle stattgefunden hat. Das kann es einfach nicht sein.»

«Und eines muss noch klar festgehalten werden», betonte Köbi, «Wasser und einen Unterstand gab es für die Schafe auf der Weide, auf die ich sie gebracht hatte. Zudem war ich jeweils am Morgen und am Abend dort, habe nach ihnen geschaut und sie versorgt.» Im Anklagepunkt der nicht ausreichenden Versorgung des Mutterschafs sprach die Gerichtspräsidentin den Beschuldigten frei.

Ein Freispruch und ein Schuldspruch

Hingegen verurteilte sie ihn bezüglich des fehlenden Witterungsschutzes und der fehlenden Tränke zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 60 Franken, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu einer Busse von total 300 Franken und der Übernahme von zwei Dritteln der Verfahrenskosten. «Konnten die Schafe an jenem Tag im Dezember 2017 zum Wasser und zum Unterstand gelangen ist die Frage, die sich stellt», meinte Simone Baumgartner. Die Kontrolle durch den kantonalen Veterinärdienst habe ergeben, dass dies nicht der Fall war. Sie gehe nicht davon aus, der Angeklagte sei ein Tierquäler, sagte die Gerichtspräsidentin; Köbis Verschulden sei gering. «Aber es gibt halt Vorschriften, deren Nichtbefolgung strafrechtliche Konsequenzen hat.»

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