Leserbrief

Schande Europas – Ernstfall für die Schweiz

Zur Situation im Zusammenhang mit den Flüchtlingen auf Lesbos

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Der Brand des überfüllten Lagers auf Lesbos führt als dramatische Situation vor aller Augen, wie unerträglich die längst unhaltbare Lage geworden ist. Die aktuelle Not auf Lesbos hat die Schweizer Öffentlichkeit noch nicht alarmiert.

Die Schweiz wolle 20 (!) unbegleitete Kinder und Jugendliche aufnehmen. Ein Flugzeug des Bundes brachte laut Pressemeldungen 1 Tonne (!) Hilfsgüter und zwei Spezialisten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe nach Griechenland. Dabei geht es um 12000 obdachlose Flüchtlinge in einem zerstörten Lager. Sind das Reaktionen im Ernstfall?

Wir diskutieren und entscheiden über die Beschaffung von Kampfjets mit Milliardenkosten, ohne dass man Einsatzszenarien kennt. Wer eine Flugwaffe unterhalten will, verpflichtet sich, sich für den Ernstfall bereitzuhalten. Der Ernstfall ist der Frieden und das Überleben, zu dem eine Tonne Material und zwei Personen kaum wirkungsvoll beitragen.

Wir müssen unsere Wertordnung in der Bewältigung des Elends inmitten Europas wie an dessen Rändern verteidigen. Die Schweiz kann nicht auf die EU warten. Sie muss jetzt Griechenland direkte Unterstützung anbieten und kann dabei zivil und militärisch nur gewinnen. Die Armee kann in realistischen Herausforderungen im gegenwärtigen Ernstfall lernen. Schweizer Städte wollen Flüchtlinge aufnehmen. Es braucht jetzt politischen Willen zum humanitären Engagement in der gegenwärtigen Katastrophe.

Hans Ruedi Kilchsperger, Walchwil