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Zug importiert Aushubmaterial: Die Schattenseite des Booms

Kräne gehören seit Jahren zum Ortsbild vieler Gemeinden. Die grosse Bautätigkeit stellt den Kanton vor ein Problem, denn der Platz für das nicht verwertbare Aushubmaterial wird knapp. Geschäftsinteressen verschärfen die Situation.
Raphael Biermayr
Der Wall entlang der Autobahn 4 zwischen Cham und Hünenberg besteht aus deponiertem Bau-Aushub-Material. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 08. August 2018))

Der Wall entlang der Autobahn 4 zwischen Cham und Hünenberg besteht aus deponiertem Bau-Aushub-Material. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 08. August 2018))

Wo gebaut wird, fällt Abfall an. Das ist keine neue Erkenntnis, aber im Kanton Zug ist das Ausmass zunehmend problematisch, geht es nach der Baudirektion. Denn oft ist das beim Bauen aus dem Boden gebaggerte Material qualitativ weder für die Auffüllung von Baugruben noch zur Kiesgewinnung geeignet und damit wertlos.

Was tun damit? Deponieren in der Regel. Manche der daraus entstandenen Wälle sind gut sichtbar. Zum Beispiel entlang der Autobahn 4 zwischen Cham und Hünenberg, schräg gegenüber dem Biomassekraftwerk. Doch die Lagermöglichkeiten nehmen ab. «Die Deponie-Kapazitäten der Kiesgruben müssten nach den uns vorliegenden Angaben und Berechnungen zwar noch eine Zeit lang ausreichen, genaue Prognosen sind jedoch schwierig», sagt Bernhard Brunner, Projektleiter Abfallbewirtschaftung/Deponien vom Amt für Umweltschutz der Baudirektion. Das Problem sei aber, dass diese Kapazitäten im Regelfall erst nach und nach frei würden.

Der Kanton Zug als Importgrösse

Dazu komme, dass das Geschäft mit der Aushubmaterialdeponie ein gutes sei, sagt Brunner, «bei den aktuellen Kiespreisen sogar besser als die Kiesgewinnung». Das spricht nur scheinbar für eine Entspannung des Lagerplatzproblems im Kanton. Denn die hiesigen Deponiebetreiber importieren riesige Mengen an Aushubmaterial aus der Nachbarschaft, womit der Platz für «einheimisches» Material eingeschränkt wird. Das lässt sich an Zahlen festmachen, wie aus einem Bericht hervorgeht, in dem die sogenannten Kies-, Rückbau und Aushubmaterialflüsse von neun Kantonen (Zug, Aargau, Bern, Luzern, St. Gallen, Schwyz, Solothurn, Thurgau, Zürich) ausgewiesen sind. Demzufolge nahm Zug im Jahr 2016 fast 321000 Kubikmeter Aushubmaterial anderer Stände ab, vor allem aus Zürich (193000 Kubikmeter). Die Ausfuhren beliefen sich im gleichen Zeitraum auf 120000 Kubikmeter, der grösste Abnehmer war der Kanton Luzern (67000).

Das mögen für Laien abstrakte Werte sein, auf die Kantonsgrösse gesehen sind sie jedoch vergleichsweise hoch. Allgemein fassbar ist folgende Angabe: Zug wies 2016 mit 5,4 Kubikmetern den mit Abstand höchsten Wert an angefallenem Aushubmaterial pro Einwohner auf. Nach Brunners Interpretation spricht das nicht nur dafür, dass mehr gebaut wird als in anderen Kantonen, sondern auch, dass die Bautätigkeit buchstäblich tief schürfender vonstattengeht. «Die Grundstückspreise sind sehr hoch, weshalb man verstärkt in die Tiefe baut; sei es für Garagen oder Untergeschosse», erklärt der Projektleiter.

Der Deal mit Dietwil

Weil kein Ende der regen Bautätigkeit in Sicht ist, rechnet der Kanton auch für die nächsten Jahre mit rauen Mengen an Aushubmaterial zum Entsorgen. Deshalb haben die Kantone Zug und Aargau kürzlich ein Gegengeschäft mit der neuen Deponie Babilon in Dietwil abgeschlossen, sagt Brunner: Die Freiämter nehmen demnächst Zuger Aushub an und dürfen im Gegenzug in der Zukunft ihr Material an die Deponie Stockeri in Risch liefern.

Auch der Guggihügel ist menschengemacht

Aushubmaterial wurde im Kanton Zug manchmal für Aufschüttungen verwandt. Ein prominentes Beispiel ist der Guggihügel, der infolge des Baus der SBB-Gotthardlinie 1894/95 entstand. In diesen heissen Tagen bewegen sich zudem besonders viele Personen auf dem ehemaligen sandigen Untergrund des Einkaufszentrums Metalli – dem Brüggli, das es seit den 1980er-Jahren gibt. Auch zwei Zugerseeinseln sind nicht natürlichen Ursprungs: die Lorzeninsel neben dem Brüggli (Aufschüttung in den 1970er-Jahren) sowie die Kiesinsel vor der Mündung der Alten Lorze im Choller (2011). Aufschüttungen im See seien heutzutage nur denkbar, wenn geeignetes Material zur Verfügung stehe und die Gewässerökologie verbessert werde, erklärt Bernhard Brunner vom Amt für Umweltschutz des Kantons Zug. (bier)

Jene ist allerdings noch immer im Planungsstadium, obwohl sie – als Teil des Richtplans 2004 – bereits im Januar 2006 vom Bundesrat genehmigt wurde. Der Grund: Einsprecher zogen in der Folge bis vors Bundesgericht und brachten die Umsetzung des Projekts zum Erliegen. Daraufhin entschlossen sich die potenziellen Deponiebetreiber, zunächst ein Gesuch für die Ausscheidung der sogenannten Zone für Abfallanlagen einzureichen. Dieses ist Ende 2017 öffentlich aufgelegen (Ausgabe vom 24. Januar 2018). Wie Bernhard Brunner sagt, sind auch dagegen Einsprachen eingegangen. Das Verfahren sei gegenwärtig hängig.

Hat der Kanton andere Möglichkeiten, gegen die drohende Deponie-Platznot vorzugehen – zum Beispiel mit einer Beschränkung der eingeführten Menge an Aushubmaterial aus anderen Kantonen? Auf diese Frage geht der Projektleiter öffentlich nicht ein.

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