Schauspieler Walo Lüönd gestorben

Einer der markantesten Köpfe im Schweizer Filmgeschäft ist tot: Der in Zug geborene Schauspieler Walo Lüönd ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Seine bekanntesten Rollen waren der «Dällebach Kari» und der griesgrämige Einbürgerungsbeamte in «Die Schweizermacher».

Drucken
Teilen
Walo Lüönd anlässlich 2008 in Zürich. (Bild: Archiv Keystone)

Walo Lüönd anlässlich 2008 in Zürich. (Bild: Archiv Keystone)

Der Wahltessiner starb bereits am Sonntag, 17. Juni, im Spital von Locarno im Kreise seiner Familie. Sein Tod sei unerwartet gekommen, erklärten seine Angehörigen am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Beerdigung fand bereits diesen Dienstag im engsten Familienkreis im Kanton Aargau statt. Seine letzten Jahre hatte Lüönd zusammen mit seiner Ehefrau Eva-Marie Bendig in einer Alterssiedlung in Losone und in einem Rustico im Maggiatal verbracht.

Walo Lüönd als Dällebach Kari.
17 Bilder
Walo Lüönd als Beamter im Schweizer Film «die Schweizermacher». (Bild: Keystone)
Walo Lüönd und Emil Steinberger (Mitte) als Beamte im Schweizer Film «die Schweizermacher». (Bild: Keystone)
Walo Lüönd im Theaterstueck «Jeanmaire - ein Stück Schweiz» im November 1992 in Bern. (Bild: Keystone)
Walo Lünd bei der Stern-Enthüllung in der Neustadtpassage in Zug im April 2000. (Bild: Archiv Neue ZZ)
Walo Lünd bei der Stern-Enthüllung in der Neustadtpassage in Zug im April 2000. (Bild: Archiv Neue ZZ)
Walo Lüönd als Freiherr von Attinghausen probt auf der Rütliwiese für die Freilichtaufführung «200 Jahre Wilhelm Tell von Friedrich Schiller» im Juli 2004. (Bild: Keystone)
Walo Lüönd im Gespräch mit der Neuen LZ im Hotel Bellevue in Seelisberg im Juli 2004. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walo Lüönd im Gespräch mit der Neuen LZ im Hotel Bellevue in Seelisberg im Juli 2004. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walo Lünd mit Jennifer Ann Gerber, links,  und Cécile Bähler im Hotel Seeburg im März 2006. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walo Lüöd als Armer Nachbar während der Hauptprobe des Freilicht-Festspieles «Jedermann» im.Juli 2005 in Schwyz. (Bild: Keystone)
Walo Lünd  im Hotel Seeburg im März 2006. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walo Lüönd im Februar 2008 im Kino Seehof in Zug zur Retrospektive seines filmischen Schaffens. (Bild: Archiv Neue ZZ)
Walo Lüönd im Februar 2008 im Kino Seehof in Zug zur Retrospektive seines filmischen Schaffens. (Bild: Archiv Neue ZZ)
Walo Lüönd im Februar 2008 im Kino Seehof in Zug zur Retrospektive seines filmischen Schaffens. (Bild: Archiv Neue ZZ)
Walter Roderer (links) und Walo Lüönd an der Verleihung der TV-Oscars im September 2008 in der Zürcher Maag-Eventhalle. (Bild: Archiv Neue LZ)
Walo Lüönd mit Lys Assia am Prix Walo im April 2009 in Interlarlaken. (Bild: Archiv Neue LZ)

Walo Lüönd als Dällebach Kari.

Am 13. April feierte der Schauspieler seinen 85. Geburtstag. Es gehe ihm dem Alter entsprechend gut, sagte er an diesem Tag in einem «Blick»-Interview. Einzig das Gehen bereite ihm etwas Mühe. Aber er wolle nicht klagen, denn er habe ein tolles und erfülltes Leben gehabt.

Für die Schauspielkarriere das falsche Aussehen

Seine Schauspielkarriere wurde Lüönd quasi in die Wiege gelegt, zumal schon sein Vater, ein Konditor, im lokalen Laientheater eine bekannte Grösse war. Walo Lüönd organisierte schon als kleines Kind Zirkus-Freiluftaufführungen im Hinterhof. Auf Wunsch des Vaters schloss der gebürtige Zuger aber trotzdem eine Lehre ab - als Herrenschneider. Genäht hat Lüönd später aber nur noch Hosen für seine Söhne. Statt als Schneider zu arbeiten, besuchte er lieber eine Schauspielausbildung.

An der Schauspielschule wurde Lüönd bei der Abschlussprüfung zwar Talent attestiert. «Doch mit Ihrem Aussehen würden wir Ihnen raten, einen anderen Beruf zu ergreifen», hiess es. An Angeboten - hauptsächlich im Komödien- und Charakterfach - mangelte es dem Innerschweizer aber dennoch nie.

1949 hatte er seine ersten Auftritte am Schauspielhaus, am Centraltheater und im Cabaret Fédéral in Zürich. 1952/53 stand er in Basel auf der Bühne des Stadttheaters. Bei einem Engagement in Essen D lernte er schliesslich seine Frau kennen, mit der er 55 Jahre verheiratet sein sollte.

Emil: «Er wird im Kulturinventar der Schweiz fehlen»

Seine Glanzrollen hatte Lüönd vor allem als Berner Stadtoriginal «Dällebach Kari» (1970) und als überkorrekter Einbürgerungsbeamte in «Die Schweizermacher» (1978). Emil Steinberger, der in diesem Klassiker an der Seite von Lüönd spielte, erinnert sich gerne an die Dreharbeiten zurück. Mit Lüönd zu drehen, sei ein Erlebnis gewesen, sagte Steinberger auf Anfrage der sda. Sie hätten viel gelacht und Lüönd sei ein grossartiger Schauspieler gewesen, sowohl vor der Kamera als auch auf der Bühne. Nur schon die Stimme sei einzigartig gewesen: «Vom ersten Wort an sofort erkennbar.» Lüönd werde im Kulturinventar der Schweiz fehlen.

Ivo Kummer, Chef der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK), würdigte Lüönd als einen der «markantesten Köpfe des Schweizer Filmschaffens überhaupt». Im Vergleich etwa zu Bruno Ganz sei Lüönd bisweilen unterschätzt und lediglich in der Kategorie Volksschauspieler beachtet worden, sagte Kummer.

Im Jahr 1973 wurde Lüönd mit dem Zürcher Filmpreis ausgezeichnet. Dreissig Jahre später erhielt er den Ehren-Prix-Walo für sein Lebenswerk. Seinen letzten Auftritt vor der Kamera hatte Lüönd im Jahr 2010 in «Der grosse Kater» an der Seite von Bruno Ganz. Regisseur Wolfgang Panzer besetzte ihn in der Rolle des Schneiders.

sda