Schiffskoch ankert an Land: Beat Zürcher eröffnet Restaurant Neuhof Kulinaria in Baar

Nach 36 Jahren auf dem Zugersee eröffnet Koch Beat Zürcher sein neues Restaurant Neuhof Kulinaria in Baar.

Tijana Nikolic
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Beat Zürcher empfängt seit kurzem Gäste in seinem Restaurant.

Beat Zürcher empfängt seit kurzem Gäste in seinem Restaurant.

Bild: Matthias Jurt (Baar, 6. Februar 2020)

Gut gelaunt sitzt Beat Zürcher bei einem Espresso in seinem neuen Restaurant Neuhof Kulinaria in Baar. Es ist hell und gemütlich, von draussen scheint die Sonne rein: «Ich freue mich auf den Sommer. Dann werden wir draussen unsere Gartenwirtschaft eröffnen», so der 62-Jährige. Vor dem Lokal sollen im Sommer 80 Sitzplätze aufgestellt werden. Quasi eine Oase im Industriegebiet. Im Lokal drinnen sollen 120 Gäste einen Platz finden. Seit diesem Jahr ist Beat Zürcher, langjähriger Schiffsgastronom, auf dem Festland tätig. Sein Restaurant, mit regionaler Schweizer Küche, befindet sich seit dem 13. Januar offiziell an der Oberneuhofstrasse 8 in Baar. Sein Vorgänger musste nach einer Schulteroperation aufhören. «Er sah unser Ausschreibungsgesuch und meldete sich gleich», so Zürcher. Das Lokal wurde mit neuem Boden, neuen Möbeln und modernerer Elektronik aufgefrischt.

«Die genaue Bedarfsanalyse unserer Gäste läuft noch», verrät er. Das Znüni für die umliegenden Handwerkergeschäfte ist bereits ein Renner: «Das ist kein gewöhnliches Frühstück. Da gehört Deftiges wie gebratener Fleischkäse mit Spiegeleiern und Würsten dazu.» Nebst Mittag- und Abendessen à la carte bietet das «Kulinaria» am Donnerstag und Freitag von 16 bis 18 Uhr ein Afterwork mit Drinks an. «Samstag ist Ruhetag und sonntags gibt es Brunchs», erklärt der in Oberägeri wohnhafte Zürcher. Seine Klientel sei vom Handwerker über Treuhänder bis zum Lernenden in jeder Altersspanne. Die Abende seien noch ruhig. Er habe aber bewusst auf viel Werbung verzichtet, weil er und seine Crew sich zuerst in der normalen Gastronomie zurechtfinden wollen. «Wir sind alle mit Herz und Blut Schiffsgastronomen.»

Während 36 Jahren stand Beat Zürcher am «Kochherd» der Zugersee-Schiffe. Laut Zürcher habe die Zuger Schifffahrtsgesellschaft den Vertrag mit der Zürcher Kulinaria AG 2019 auslaufen lassen und engagierte neu die Cateringfirma Meee AG aus Rapperswil-Jona (die Zuger Zeitung berichtete). «Den Grund dafür kenne ich bis heute nicht», sagt Zürcher, der seine Kochlehre im «Raben» in Cham gemacht hat. Am liebsten hätte er alle rund 40 Kollegen seiner Schiffscrew ins «Kulinaria» mitgenommen, gereicht hat es nur für acht. «Da waren Kollegen dabei, mit denen ich 34 Jahre zusammen arbeitete, quasi ein halbes Leben. Das schweisst zusammen.» Kontakt habe er noch mit der ganzen alten Crew: «Die Köche haben bereits neue Arbeitsplätze, die Aushilfen sind noch auf der Suche.»

Kulinarische Reisen mit passender Musik geplant

Seine schönsten Erinnerungen dieser 36 Jahre seien drei. «Ich war in den Baugruppen der drei Schiffe und konnte mitbestimmen, wie die Küchen darin ausgestattet wurden», erinnert er sich. Trotz Wehmut möchte Zürcher mit dem «Neuhof Kulinaria» durchstarten und hat einige Ideen: «Wir möchten kulinarische Reisen mit passender Musik anbieten.» Durch die Zeit auf dem Schiff kenne er viele Gastköche aus Thailand, Südamerika oder Indien, die er in sein neues Restaurant einladen will. Auch Bankette und Caterings sind geplant. Das «Kulinaria» verfüge über einen Festsaal mit Platz für 100 Gäste. «Material für Caterings haben wir ohne Ende. Schliesslich habe ich drei Schiffsküchen der Schiffe auf dem See ausgeräumt», erzählt er schmunzelnd.

Die grösste Hürde für die Zukunft werde wohl die tägliche Routine sowie gleichviel Arbeit, auf zwölf Monate durchgehend verteilt, darstellen. «Die Schiffsgastronomie hat kein richtiges Konzept. Da macht man einfach alles, von Znüni, Brunch, Mittagessen à la carte, Zvieri, Abendessen à la carte, mehrgängige Menus oder ein grosses Bankett für eine Hochzeit an einem Tag. Man funktioniert einfach. Im Sommer arbeiteten wir sieben Tage die Woche, im Winter dafür viel weniger», sagt Zürcher. Er liebte es, wenn in der Hochsaison die «Post abging». Es gab keinen einzigen Tag, an dem er keine Lust auf die Arbeit hatte. Mit der Eröffnung des «Neuhof Kulinaria» haben sich seine Ruhestandspläne geändert: «Zu Schiffszeiten war mein Plan, mit 65 aufzuhören», verrät Zürcher. Jetzt möchte er noch einige Jahre dranhängen und sein langjähriges Fachwissen in sein neues Restaurant stecken. Nur von Schiffen bräuchte er momentan ein wenig Abstand.