Leserbrief

Schildbürgerstreich oder Racheakt?

«Die Stadt hätte die Initiative vorab auf Gültigkeit prüfen müssen», Ausgabe vom 16. November

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Im Juni dieses Jahres nahmen die Zuger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Volksinitiative «Ja zu Gewerbe und Läden in der Altstadt» an. Und zwar mit 58 Prozent, was laut Politologen ein überaus deutliches Resultat für eine Initiative ist. Und nun soll dieser Volkswille aus formalen Gründen missachtet werden! Für die Begründung muss ein Bebauungsplan aus dem Jahr 2008 herhalten. Auch wenn das Volk damals Ja sagte, erinnert das Ganze an einen Schildbürgerstreich. Denn in zehn Jahren kann sich viel ändern. Zum Beispiel 15000 mehr Fahrzeuge im Kanton Zug und unzählige Parkplätze weniger. Wenn der Regierungsrat der Meinung ist, nach 10 Jahren dürften keine Neubeurteilungen vorgenommen werden, dann haben auch Scheidungsrichter, Ärzte oder Lehrer ein Problem. Und soll ich alle Kunden nach Hause schicken, die vor 10 Jahren noch keine Brille brauchten?

Wie der Name der nun für ungültig erklärten Volksinitiative bereits sagt, geht es 2018 um den Erhalt der Altstadt. Denn wie selbst Gegner zähneknirschend zugeben müssen, wird die geplante «Begegnungszone» wohl kaum benutzt werden. Ob rachsüchtige Gegner der angenommenen Volksinitiative diesen Schildbürgerstreich verantworten, ist reine Vermutung. Sicher ist aber, dass ich niemandem eine Brille verweigere, der vor 10 Jahren noch keine brauchte.

Thorsten Schneider, Optik vom Fischmärt, Zug