Schlägerei am Zugersee: Bundesgericht bestätigt höhere Strafe

Ein Kosovare wird wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Erpressung zu fast vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – und doppelt so lange des Landes verwiesen.

Manuel Bühlmann
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Zur Schlägerei kam es in der Nacht auf einen Sonntag Mitte April 2018. Zwei Kollegen waren auf dem Heimweg, als sie an der Seepromenade in Zug an einer Gruppe von Männern vorbeikamen. Auf die verbale Auseinandersetzung folgten Schläge und Tritte. Einer der beiden Kollegen erlitt neben einem Nasenbeinbruch eine Schädel- und Rippenprellung sowie eine kurzzeitige Amnesie.

Aus der Gruppe mussten sich drei Männer wegen ihrer Beteiligung an der Schlägerei vor Gericht verantworten. Unter ihnen jener Beschuldigte, der sich in der Hoffnung auf ein milderes Urteil ans Bundesgericht gewandt hat. Er war im März 2019 vom Zuger Strafgericht unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Raufhandel und fortgesetzter Erpressung zu drei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dazu wurde der Kosovare für acht Jahre des Landes verwiesen. Das Zuger Obergericht bestätigte diesen Entscheid später, erhöhte aber die Dauer der Strafe um sieben Monate. Vor der obersten Instanz fordert der Beschuldigte, er sei nur wegen einfacher Körperverletzung und mehrfacher Erpressung zu verurteilen und folglich müsse die Vorinstanz nochmals neu über Strafmass und Landesverweis entscheiden.

Tritte gegen den Kopf gebilligt

Aus dem jüngst veröffentlichten Urteil des Bundesgerichts geht hervor, wie die Auseinandersetzung an der Zuger Seepromenade eskalierte. Nachdem der eine der beiden Kollegen, die sich auf dem Heimweg befanden, zu Boden gebracht und mit Fusstritten gegen Kopf und Oberkörper angegriffen worden war, zückte sein Begleiter ein Messer. Die Waffe konnte ihm entrissen werden, worauf er vom Beschuldigten und einem weiteren Mann aus der Gruppe attackiert wurde. Letzterer trat dabei zweimal mit dem Fuss gegen den Schläfenbereich seines Opfers. Das Obergericht stellte später fest, der Mittäter habe sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt, die Folgen seiner Tritte seien ihm völlig gleichgültig gewesen.

Gleichzeitig trat auch der Beschuldigte auf den am Boden liegenden Mann ein. Die Vorinstanz hatte daher geurteilt, er habe mit seinem Verhalten die Tritte des Mittäters gebilligt. Die beiden Bundesrichter und die Bundesrichterin teilen diese Einschätzung und halten fest, der Beschwerdeführer habe mit diesem zusammengewirkt, «weshalb ihm dessen Tatbeiträge anzurechnen sind». Daran ändert auch sein Einwand nichts, wonach er selbst nicht gegen den Kopf des Opfers getreten habe. Das Bundesgericht kommt zum Schluss, der Beschuldigte habe wesentlichen Einfluss auf das Tatgeschehen gehabt und bestätigt den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Erpressung.

Grossen Teil des Lohnes herausverlangt

Auch gegen den Schuldspruch wegen fortgesetzter Erpressung – eine qualifizierte und daher härter bestrafte Variante – wehrt sich der Mann vor Bundesgericht. Er habe keine Gewalt angewendet und von seinem Opfer insgesamt nicht mehr als 1700 Franken erhalten. Das Zuger Obergericht habe diese Argumente zu Recht zurückgewiesen, befand die oberste Instanz. Die Vorinstanz hatte festgehalten, entscheidend sei nicht nur die Höhe der erpressten Geldsummen und die Zahl der Einzelhandlungen, sondern auch die Bedeutung des Betrags für Opfer und Täter. Der Beschuldigte hatte zusammen mit einem Komplizen während rund zwei Monaten den grössten Teil des Lohnes von einem Mann herausverlangt, den dieser in einer Institution für Menschen mit Behinderung verdient hatte. Hinzu komme, dass der Erpresser seinem Opfer alters- und kräftemässig sowie kognitiv überlegen gewesen sei, hatte das Obergericht geurteilt. Die Beschwerde bleibt auch in diesem Punkt ohne Erfolg; das Bundesgericht bestätigt die knapp vier Jahre Freiheitsstrafe sowie die acht Jahre Landesverweis.

Hinweis: Urteil 6B_529/2020

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