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Schlafdorf passé? Ein Verein will durch einen neuen Treffpunkt das Zentrum von Baar beleben

Eine Gruppe plant einen Treffpunkt in den Räumlichkeiten der ehemaligen Fürst Confiserie im Baarer Grosshaus. Hinter der Finanzierung steht allerdings ein Fragezeichen.

Raphael Biermayr
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In Baar verkehrt der Elefant nicht im Porzellanladen, sondern in der (ehemaligen) Konditorei. So zumindest stellt sich das der nach dem Dickhäuter benannte Verein vor. Sein Ziel ist es, in der einstigen Fürst Confiserie im sogenannten Grosshaus einen gleichnamigen Treffpunkt zu eröffnen. Dies soll im Spätsommer 2021 geschehen. Am vergangenen Samstag richtete der Verein eine Enthüllungsaktion aus, um das Vorhaben bekannt zu machen.

Das Grosshaus an der Dorfstrasse 1 (ehemals Fürst Confiserie).

Das Grosshaus an der Dorfstrasse 1 (ehemals Fürst Confiserie).

Bild: Roger Zbinden (Baar, 05. Dezember 2020)

Der ehrenamtlich tätigen Gruppe von fünf Baarer Paaren schwebt gemäss den Projektunterlagen ein «gemütliches, unkompliziertes» Lokal mit Sofanischen, Kinderecke und Bar vor, in dem Alt und Jung willkommen sind. Es soll fünfmal wöchentlich geöffnet haben und kulturelle und kulinarische Anlässe bieten. Auch der heutzutage vielgepriesenen Nachhaltigkeit will man gerecht werden. Neben wenig Abfall, einer regionalen Küche und einem weitestmöglichen Verzicht auf Plastik setzt man auf «fair und umweltfreundlich produzierte» sowie selbst hergestellte oder renovierte Möbel, schreibt Patrizia Willi vom Verein Elefant auf Nachfrage. Überdies würden die Verantwortlichen die Geräte mittels Stroms «aus nachhaltiger Gewinnung» betreiben.

Am Samstag wurde enthüllt, was für ein Geschäft ins Grosshaus an der Dorfstrasse 1 (ehemals Fürst Confiserie) kommt.

Am Samstag wurde enthüllt, was für ein Geschäft ins Grosshaus an der Dorfstrasse 1 (ehemals Fürst Confiserie) kommt.

Bild: Roger Zbinden (Baar, 05. Dezember 2020)

Apropos Gewinn: Der Profit stehe nicht im Vordergrund, sondern der simple Wunsch, «dass etwas läuft». Das klingt nach dem Einstimmen in den Chor derer, die die eigentliche Stadt Baar ausserhalb der Fasnachtszeit für ein Schlafdorf halten. Patrizia Willi sagt:

«In den letzten Jahren hat sich zwar schon einiges getan. Doch die Eltern meiner in Baar aufgewachsenen Mitinitiantinnen und Mitinitianten erzählen immer wieder, dass früher in Baar viel mehr gelaufen sei.»

Die leerstehenden Räumlichkeiten im Grosshaus böten eine ideale Möglichkeit, «den Dorfkern etwas zu beleben».

Pandemie als zusätzlichen Ansporn genommen

Das sei ganz im Interesse der Eigentümer. Nach Angaben Patrizia Willis hätten diese dazu aufgerufen, Konzepte für die künftige Nutzung einzureichen. Jenes des Vereins Elefant hätte sie schliesslich überzeugt. Die Ausarbeitung des Konzepts im vergangenen Frühling fiel mitten in den Lockdown. Nach anfänglichen Zweifeln, ob sie das Projekt unter diesen Voraussetzungen weiterverfolgen sollen, sagten sich die Initianten: Jetzt erst recht! «Gerade diese Coronazeit zeigt auf, wie wichtig das Zusammensein für die Menschen ist», führt Patrizia Willi aus. Diesem Bedürfnis wolle der Verein Elefant mit seinem Treffpunkt nachkommen.

So edel die Absichten sowie die bereits geleistete Fronarbeit auch sind: Der geplante Um- und Ausbau lässt sich nicht mit Ideen bezahlen. Der Verein rechnet mit Auslagen in der Höhe von 250 000 Franken. Er versucht, diesen Betrag durch Spenden zusammenzubringen. Überdies setzt er auf helfende Hände bei den Arbeiten und auf Mitwirkung der Gäste. Denn die Ausgestaltung des rund 70 Quadratmeter umfassenden Raums soll sich laufend entwickeln.

Der Umbau wird kostspielig.

Der Umbau wird kostspielig.

Bild: Roger Zbinden (Baar, 05. Dezember 2020)

Was wird aus den Plänen, sollte das Geld nicht zusammenkommen? Patrizia Willi stellt in Aussicht, dass es so oder so einen Treffpunkt geben wird:

«Falls die Spendengelder nicht oder nur knapp ausreichen, gibt es verschiedene Einsparmassnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden könnten. Wir sind aber optimistisch, dass wir genug Geld zusammenbringen, um im Spätsommer zu eröffnen.»

Die Vereinsmitglieder seien überzeugt, «dass es den Baarerinnen und Baarern sowie den Leuten in der Umgebung einen Beitrag Wert ist, im Grosshaus etwas Neues entstehen zu lassen».

Ein traditionsreiches Gebäude

Das architektonisch auffällige Haus an der traditionsschwangeren Adresse Dorfstrasse 1 steht bislang weniger für Zukunft denn für Nostalgie. 1931 wurde es trotz starker Gegenwehr aus der niedergiebeligen Nachbarschaft erbaut. Von Anfang an war eine Konditorei darin zu finden, ab 1935 unter dem Namen Fürst. 2016 übernahm die Zuger Gross-Confiserie Speck den Laden und gab ihn drei Jahre später zu Gunsten eines anderen Standorts auf. Seither harren die Räumlichkeiten ihrer Bestimmung.

Mehr Informationen zum Treffpunkt finden Sie hier.