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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: 1867: Die Suche nach der richtigen Staatsbaute

Der Regierungsrat will für den Kanton ein eigenes Gebäude bauen. Es gibt zwei Varianten zur Auswahl. Es gewinnt die Seite, die den grossen Wurf im Kopf hat. Ennet der Schweizer Grenze toben heftige Konflikte.
Marco Morosoli
Die «Neue Zuger Zeitung» vom 31. August 1867.

Die «Neue Zuger Zeitung» vom 31. August 1867.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der Kanton Zug ist 1867 arm dran. Er verfügt über kein Gebäude, das er sein Eigen nennen kann. Im Rathaus der Stadt Zug muss er den knappen Platz mit den Hausherren teilen. Die beiden Parteien kommen mehr schlecht als recht aneinander vorbei. Diesem unhaltbaren Zustand soll nun abgeholfen werden. In der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 31. August 1867 wird dem Bericht des Regierungsrates zum «zugerischen Kantonsgebäude» viel Platz auf der ersten Seite eingeräumt.

Kern der Diskussion ist, ob ein kantonales Kanzleigebäude oder aber ein Staatsgebäude mit Platz für einen Grossratssaal errichtet werden soll. Die «kleine» Lösung wird mit 100000 Franken Baukosten veranschlagt, die «grosse» kostet 150000 Franken. Die Zeitung zitiert dabei aus dem Bericht: «Die Ausführung einer bloss kleinen Baute, für Kanzlei und Archiv, würde wohl momentan das dringende Bedürfnis zu befriedigen vermögen, aber den Anforderungen der nähern oder entfernten Zukunft keineswegs zu entsprechen im Stande sein.» Den Mangel an Räumlichkeiten für die kantonalen Stellen schildert die «Neue Zuger-Zeitung» anhand eines Beispieles. Das Militärsekretariat sei wegen Platzmangels von der übrigen Verwaltung getrennt. Sei das schon nicht ideal, komme noch dazu, dass die Militärsekretäre ihr Domizil in ihren Wohnungen installiert haben. Auch das Archiv befinde sich in privaten Räumen. Diese Handhabung werde schon alleine zum Problem, wenn es zu einem Stellenwechsel käme. Da könne es passieren, dass «nicht immer geeignete Privat-Lokalitäten gefunden werden» könnten.

Ein Grossratssaal auch für «gesellige Anlässe»

Auch der in der teureren Variante eingeplante Grossratssaal wird laut der Zeitung als Plus geschildert. Der Kanton bekäme so eine «Baute auf Gewinnung eines den Anforderungen der Jetztzeit und der Würde der obersten Landesbehörden mehr entsprechendes Verhandlungslokal». Es könnte dadurch ein «gefühltes Bedürfnis» befriedigt werden. Deshalb sprechen sich der Regierungsrat und die vorberatenden Behörden für eine eigentliche «Staatsbaute» aus. Der virtuelle Grundstein für das Zuger Regierungsgebäude ist damit gelegt.

Während sich der Kanton Zug Sorgen um seine Repräsentation macht, ist die Welt ausserhalb der Schweizer Grenzen zum wiederholten Male in Aufruhr. Und der Chronist der «Neuen Zuger-Zeitung» nimmt kein Blatt vor den Mund. Italien habe eine Vereinigung erreicht, aber «eine Vereinigung der Noth, des entsetzlichsten Elendes, der Schande». Zudem werde das Land von einer Choleraepidemie heimgesucht. Sie wüte in Albano, wo Fremde und reiche Römer ihren Sommer verbringen. Die Geissel sei dort «plötzlich und grausam» erschienen. Der Bischof von Albano, Kardinal Lodovico Altieri, sei sofort an seinen Sitz zurückgeeilt, um zu helfen. Kurze Zeit später ist er selber von der Cholera dahingerafft worden.

Wenn es Amerikaner nach Süden drängt

In einigen Gebieten von Mexiko ist 1867 Gold entdeckt worden. Die Folgen beschreibt die «Neue Zuger-Zeitung» so: «Bereits dringen Schwärme von abenteuernden, unverwüstlichen und schonungslosen Yankees in diese mexikanischen Staaten ein, die überdies von den indianischen Reiterstämmen der Apachen und Comanchen fast ausgemordet sind.» Die Folgen davon glaubt die Zeitung schon zu kennen: «In wenigen Jahren sind die Yankees Meister, pflanzen das Sternenbanner auf und dringen weiter südwärts.» Es drohe eine «Überschwemmung», wenn dereinst die Eisenbahn vom Atlantischen zum Stillen Ozean führen wird. Die Amerikaner seien jetzt schon «die gewaltigste Macht auf Erden». Auch aus Spanien weiss die einmal in der Woche erscheinende Zeitung etwas zu berichten. Katalonien sei in Aufruhr, «und da und dort zeigen sich bewaffnete Banden». Die dortigen radikalen Blätter hätten dies schon vor Monaten prophezeit, «und da kommt ihnen der Telegraph zur Hilfe». Die Revolutionäre scheinen sich aber nicht einig zu sein. Einige wollen die «gegenwärtige Regierung stürzen» und eine eigene errichten, andere bevorzugen «einen Anschluss an Portugal».

Zoff gibt es auch zwischen Türken und Griechen auf der Insel Kreta, die damals zum Osmanischen Reich gehörte: «Die Türken, nahezu ein Drittel der Bevölkerung, kann man weder in das Meer werfen noch ihren Grundbesitz den Türken geben, und sie in irgend einem anderen Theil der Türkei ansiedeln; auch auslösen kann man sie nicht, denn dazu mangelt es den Griechen eben so sehr an Geld als an Willen.» Es bleibe, so der Chronist, nur die Wahl, die Insel zwischen den beiden Bevölkerungen zu teilen.

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