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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Alles dreht sich um Giuseppe Garibaldi

Vor 150 Jahren hat es im November scheinbar nur ein Thema gegeben: Ein italienischer Nationalist wollte Rom erobern, hat aber seine Rechnung ohne Napoleon III. gemacht. In Zug geht es indes demokratischer zu.
Andrea Muff
Konkurrenz: Gotthard

Konkurrenz: Gotthard

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Giuseppe Garibaldi – er beherrscht im November die Schlagzeilen der «Neuen Zuger-Zeitung» von 1867. In fünf Ausgaben füllt die «Italienische Frage», kurz das Ringen Italiens um die Unabhängigkeit, die Spalten des Lokalblattes. Da für Garibaldi Rom als natürliche Hauptstadt Italiens angesehen wurde, blieb die Stadt am Tiber ein Ziel des Nationalisten. So auch vor 150 Jahren, als er erneut versuchte, Rom einzunehmen. Der Chronist des Wochenblattes nimmt am 2. November 1867 die Bewachung Garibaldis nicht ernst und nennt sie «italienische Gaukelei». Denn der Nationalist «flüchtet» von der Insel Caprera nach Florenz. Dort spricht er mit König Viktor Emanuel II. und später zu einer «zahlreichen Menge Volkes von einem Balkon aus». Garibaldi kündigt an, dass es «nach Rom! Nach Rom! Aufs Kapitol!» gehen soll. Er sagt: «Ich bitte euch, in euerem Unternehmen auszuharren, wir müssen der Welt beweisen, dass wir unserer Unabhängigkeit würdig sind, und dass unser Land nicht einzig dazu da ist, um dem fremden Gesindel zum Sommeraufenthalt zu dienen.» Der Chronist lässt es sich nicht nehmen, zu erzählen, wie Garibaldi in den Süden reist: «Weiter mit dem gefangenen Garibaldi! Er fährt nun mit Extrazug in den Kirchenstaat hinein.»

Da sich Garibaldi und seine Freischärler nun dem päpstlichen Sitz in Rom, dem Vatikan, nähern, ruft dies Napoleon III. als sogenannter Beschützer des Katholizismus auf den Plan. Die französische Flotte ist laut Chronist bereit, die Truppen bei Civitavecchia, eine Stadt an der Küste kurz vor Rom, ans Land zu setzen. So kam es auch: Die Franzosen schlossen sich den päpstlichen Truppen an: «Die päpstlichen Truppen rückten noch rechtzeitig genug aus, um den alten Eisenfresser und Prahlhans tüchtig zu klopfen», schreibt der Chronist am 9. November 1867. Südöstlich von Rom lieferten sich die beiden Kontrahenten ihre Kämpfe. Laut einer Depesche aus Florenz hat sich Garibaldi daraufhin an die «Grenzen des italienischen Königreichs» zurückgezogen, da er hohe Verluste und viele Verwundete zu beklagen hatte.

Garibaldi geht wieder nach Caprera

In der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 16. November 1867 sind die Ereignisse vom 9. November Thema: Garibaldi hatte sich in Monterotondo, nördlich von Rom, verschanzt. Dabei wird ein Bericht des französischen Generals Failly zitiert. Der Chronist fühlt sich bestätigt: «Es ist jetzt eine ausgemachte Sache, dass Franzosen am Kampfe teilgenommen, und dass, wenn nicht alles trügt, oben genannter General die Hauptanordnungen zum Kampfe getroffen hat.» Von Napoleon III. ist der Schreibende kein grosser Freund, was er an mehreren Stellen publikmacht. So rückt er etwa erst am 23. November 1867 heraus, dass Napoleon einen europäischen Kongress organisieren möchte, um dort die «römische Frage» zu klären. Da die Redaktion «nicht viel auf dem Ding gehalten» hat. Umso erstaunter ist der Chronist, dass es Napoleon mit seinem Kongress anscheinend immer ernster wird.

Was mit Garibaldi geschehen ist, erfährt der Leser erst auf der letzten Seite der Ausgabe vom 30. November 1867, und zwar unscheinbar in einem kleinen Abschnitt. «Garibaldi ist in den letzten Tagen erkrankt. Auf den Rat zweier Ärzte hat der Ministerrat beschlossen, denselben sofort nach Caprera abgehen zu lassen.»

Ein Liberaler als Nationalrat

In der Schweiz und im Kanton Zug geht es indes ruhiger zu und her. Am 2. November 1867 publiziert die «Neue Zuger-Zeitung» das Ergebnis der Nationalratswahl. Mit 881 Stimmen wählen die Zuger den liberalen Statthalter Merz. Diesen Umstand quittiert der Journalist mit einem «?» hinter «Kandidat der Liberalen». Es sind 1386 Stimmen eingegangen, davon 487 für den Stadtarzt Keiser. «Im Allgemeinen war die Beteiligung eine schwache», schreibt der Chronist dazu und meint weiter: «Diese Erscheinung ist bei eidgenössischen Wahlen eine gewohnte.» Danach untersucht er das Stimmverhalten der Zuger Gemeinden. Das Fazit für die Stadt Zug fällt dabei folgendermassen aus, da von den 159 Stimmenden nur 27 für den liberalen Kandidaten votierten: «Da muss es schlimm stehen mit dem Liberalismus. Aber auch die Gegner hätten sich an Aegeri ein Beispiel nehmen und durch zahlreichere, freudige Anteilnahme den tüchtigen und um die Gemeinde verdienten Gegenkandidaten ehren dürfen.» Das Volk von Unterägeri hat ausschliesslich den liberalen Kandidaten Merz gewählt, 401 Stimmen sind gezählt worden. «Eine schöne Zahl; aber dennoch ist auch hier der Liberalismus in bedenklicher Abnahme begriffen.» Denn zur Zeit von Statthalter Henggeller seien noch über 600 «liberale» Stimmen eingegangen. In Menzingen gab es indes keine Stimme für Statthalter Merz, und so stehe es auch dort schlimm um den Liberalismus. Aber: «Allen Respekt vor Menzingen, dessen Führer und Wähler unentwegt, mutig und treu zu ihren Grundfesten stehen!»

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