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Schlagzeilen von damals: Das Eidgenössische Schützenfest 1869 in Zug

Was heuer das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im kommenden Jahr darstellt, war vor 150 Jahren das Eidgenössische Schützenfest. Und schon damals ging es um viel Geld.
Charly Keiser

Die «Neue Zuger Zeitung» wird im Jahr 1869 als Organ einer Gesellschaft unter Leitung eines Komitees und mit besonderer Redaktion wöchentlich zwei Mal, Mittwoch und Samstag, erscheinen. Ihre Haltung ist, wie bisher, eine konservative und katholisch-kirchliche. Die Wochenchronik wird auch fernerhin in gleicher Weise fortgeführt werden. So beginnt zusammengefasst die letzte Nummer der «Neuen Zuger Zeitung» des Jahrs 1868. «Von Neujahr an wird der ‹Zugerbieter› nicht mehr erscheinen», heisst es weiter, bevor es zu den Abopreisen geht: Halbjährlich 2 Franken, jährlich 4 Franken bei Abholung bei der Buchdruckerei Elsener; oder 2 Franken und 60 Rappen beziehungsweise 5 Franken «durch die Post bezogen».

Die Türkei bestehe darauf, dass Griechenland alle von ihr gestellten Forderungen erfülle, beginnt eine «wichtige Nachricht» der Wochenchronik. «In Griechenland herrscht eine grosse Aufregung; die Truppen werden aufgeboten und freiwillige Corps errichtet», heisst es weiter. Offene Feindseligkeiten hätten noch nicht stattgefunden, würden indes ohne Vermittlung der Grossmächte vielleicht schon ausgebrochen sein.

Ruchlose Rede

«Das sind keine fröhlichen Weihnachts- und Neujahrsgrüsse, wird der geneigte Leser denken. Der Gruss lautet eben: ‹Friede den Menschen, die eines guten Willens sind›, und da fehlt’s eben!» Je mehr sich die Welt von dem entferne, der allein den Frieden bringen könne, um so mehr werde Krieg und Streit die Welt durchtoben. Und wenn man von der gefahrendrohenden Lage Europas, vom Kampf und Hass, der die Völker uns besonders ihre Leiter und Führer durchglühe, schliessen dürfe, so müsse man allerdings urteilen, die Menschen müssten sich weit von dem entfernt haben, der gesagt habe und sagen könne. «Meinen Frieden geb ich euch, meinen Frieden hinterlass ich euch.»

Die Gardinenpredigt wird gleich fortgesetzt. Sie zeigt, dass schon früher Journalisten in der Kritik standen und den Lesern des eigenen Blatts die eigene Meinung kundgetan wurde. Dabei geht es um «die ruchlose Rede der ‹St. Gallerzeitung›, die Kirche stecke mit dem Räuberwesen unter einer Decke» und die glanzvolle vernichtende Erwiderung des ehrwürdigen Bischofs von St. Gallen, «die jedem Leser bekannt sei». «Man hatte Hoffnung, Redaktor Bernet werde etwa einlenken. Um so mehr, da er den Satz nicht selbst geschrieben hatte, allein weit gefehlt. In zwei wutschnaubenden Artikeln sucht er die ruchlose Rede zu begründen und häuft neue Schande auf die alte.»

Zuger richten Eidgenössisches Schützenfest aus.

Doch nicht nur die damalige Situation im Nahen Osten hat erstaunliche Parallelen zu heute. Denn so wie heute die Stadt und der Kanton Zug auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 vorausblicken, schaute Zug vor 150 Jahren auf das 24. Eidgenössische Schützenfest 1869. Über dessen Modalitäten entbrannte im Vorfeld ein Streit, der in der letzten Jahresausgabe der «Neuen Zuger Zeitung» ebenfalls Thema war.

Den Herren von St. Gallen gefiel kein Vermittlungsvorschlag und ebenso wenig vermochte man von ihnen einen Vorschlag erhältlich zu machen. «Sie wollen absolut die Zerreissung des Schütztenbundes, den Zerfall des schönsten und grössten eidgenössischen Festes, des ersten Nationalfestes, an dessen Glanz sich Jung und Alt so gern erfreut.» Selbst ein Beschluss einer Schützen Generalversammlung im Sinne der Vermittlungsvorschläge des Nationalrats Friedrich von Genf – 5/8 dem Infanteriegewehr, 2/8 dem Feldschützenstand und 1/8 dem alten Stutzer, sei von den St. Gallern Seifert und Bernet nicht angenommen worden. «Alle Färbungen missbilligen dieses Auftreten im Moment, wo ein kleiner Kanton mit solcher Opferwilligkeit und solcher Hingabe zur befriedigenden Lösung seiner eingesetzten Ehre sich anschickt. Zug hat seine Reputation eingesetzt, und wird gewiss allen möglichen Anforderungen der eidgenössischen Schützen gerne entsprechen.» Unmögliches könne man vernünftiger Weise auch vom Kleinen und Schwachen nicht verlangen. Jedes Fest müsse sich auf einen finanziellen Boden stellen, wolle man nicht straks und absichtlich den unternehmenden Ort in offenbaren Verlust und Schaden stürzen.

Die neue «Schützengesellschaft der Stadtgemeinde Zug» führt letztlich das 24. Eidgenössische Schützenfest in Zug durch. Präsident des Organisationskomitees war Landammann Merz. Es wurden 130 Scheiben aufgestellt und die Plansumme betrug 600000 Franken, Gabensatz 300000 und die Ehrengaben 75769 Franken. Es wurden 600000 Patronen verschossen und die Schlussabrechnung wies einen Verlust von 3061,10 Franken auf.

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