SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Des «Kaisers» Tod überschattet die Welt

Im Juli 1867 schockiert die Exekution Maximilians I. die Welt. Auch in der «Neuen Zuger-Zeitung» wird dies Thema Nummer eins. Daneben will ein historischer Beitrag die Gräuel der Spanischen Inquisition mit einem Vergleich verharmlosen.

Andreas Faessler
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Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Frankreich scheint wirklich bewundert zu werden, steht es doch auch in der ersten Juli-Ausgabe wieder an prominentester Stelle in der Wochenchronik. Die laufende Weltausstellung ist in aller Munde, und was Kaiser Napoleon III. von sich gibt – egal, wie irrelevant es auch ist –, wird im Blatt ausführlich zitiert.

Nach dem Eintreffen des osmanischen Sultans Abdülaziz in Paris wäre eigentlich auch Kaiser Franz Josef von Österreich als «Industriewallfahrer» erwartet worden. Doch ein schreckliches Ereignis durchkreuzte diese Pläne und war per sofort europa-, ja weltweit schlagzeilenbestimmend: Am 19. Juni war Franz Josefs Bruder Maximilian, «Kaiser von Mexiko», exekutiert worden. Nachdem diese Tragödie in Europa nun definitiv bestätigt worden war, sagte der Habsburger Kaiser seinen Besuch in Paris ab. Die ganze europäische Diplomatie stand schlagartig kopf.

Auch in Zug findet der gewaltsame Tod des Österreichers in der Neuen Welt nun an oberster Stelle der Wochenchronik Platz, und die «Neue Zuger-Zeitung» würdigt ihn mit einem Einblick in sein Leben und Wirken. Erzherzog Maximilian war mit Napoleon III. befreundet. Letzterer beabsichtigte eine militärische Intervention im hoch verschuldeten Mexiko, das durch Bürgerkriege und straffe Reformen des Präsidenten Benito Juárez völlig am Boden lag. Napoleon bot Maximilian an, Platzhalter in Mexiko zu werden. Weil dieser auf diesem Weg einen grössere Chance auf einen Thron sah – in Europa war dies weniger wahrscheinlich –, nahm er das Angebot bereitwillig an, reiste mit seiner Frau Charlotte über den Ozean und nannte sich fortan «Kaiser von Mexiko». Er scheiterte jedoch mit seinen ehrgeizigen Reformplänen, das Volk akzeptierte den «europäischen Eindringling» nicht, sondern blieb auf der Seite von Juárez. Maximilian erlitt politischen Schiffbruch, wurde entmachtet, zum Tode verurteilt und standrechtlich exekutiert. Über die letzten Augenblicke im Leben Maximilians berichtet die «Neue Zuger-Zeitung» in ihrer dritten Juli-Ausgabe von 1867 und findet würdigende Worte für das Wesen des Habsburgers: «enthusiastisch, gemüthvoll, edel».

Wird die Berichterstattung vom unglücklichen Maximilian dominiert, bleibt auch neben den Aktualitäten aus dem europäischen Kriegsgeschehen dennoch Platz für «leichtere Kost». So wird aus Rom gemeldet, dass eine ungeheure Besuchermenge ans Petersfest in die Ewige Stadt pilgert. Eindrücklich wird beschrieben, mit welchem Pomp die Festlichkeiten vonstattengehen. Auch der breite Aufmarsch von über 500 Würdeträgern als Gefolge des Papstes wird beschrieben.

Die Protestanten waren die Schlimmeren

Die dritte Juli-Ausgabe von 1867 bleibt in einem weiteren Artikel beim Thema Kirche, jedoch bei etwas weniger Erfreulichem: Der Autor beleuchtet in einem historischen Beitrag die Spanische Inquisition, welche seit dem 15. Jahrhundert bis ins Jahr 1834 zur Anwendung gekommen war. Er versucht, die Gräuel, die im Namen der katholischen Kirche an unschuldigen Menschen verübt worden sind, schönzureden, indem er die angebliche Menge getöteter «Hexen», Ketzer und anderer armer Sünder der Anzahl Opfer auf der Seite der Protestanten gegenüberstellt. Diese hätten viel mehr Menschen auf dem Gewissen als die Katholiken, schreibt er in einem vorwurfsvollen Ton und schwadroniert über eine halbe Seite hinweg durch die Kirchengeschichte Europas – einzig, um zu Schluss zu kommen, dass die Spanische Inquisition zu Unrecht immer mit ihren «Gräuelszenen» vorgeführt werde.

Im vierten Juli-Blatt von 1867 rückt das Kriegsgeschehen wieder in den Vordergrund – mit Fokus auf Paris, wo die Angst vor Preussen wächst. Man nimmt besorgt rauere Töne wahr in der Politik. Einem preussisch-russischen Bündnis steht gemäss dem Schreibenden kaum mehr etwas im Wege. Und dass Russland gegenüber Österreich zunehmend feindlich gesinnt ist, bereitet ihm weitere Sorgen.

Ein Loch in der Zuger Kasse

Im Vergleich zu den internationalen Schlagzeilen erscheinen die Neuigkeiten aus dem Inland und Zug im Juli 1867 eher marginal. Schützenfeste sind landesweit zahlreich in Gange und machen so auch einen Hauptteil der regionalen Berichterstattung aus. Abgesehen davon wird aus einigen Regierungsratsverhandlungen und Vereinsversammlungen berichtet. Ein Loch in der Zuger Kasse gab noch zu reden. 1861 waren die Ausgaben fast doppelt so hoch gewesen wie die Einnahmen. Doch anstatt diesen Ausfall durch Steuern zu decken, nahm man die Mittel aus dem Bürgerfonds. Im Juli 1867 kündigte der Stadtrat an, ein neues Steuersystem zur Annahme vorzuschlagen.