SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Ein mysteriöses Schreiben wühlt Zug auf

Das Regierungsgebäude steht im März 1868 noch nicht. Da erscheint eine Schrift, die einem Marschhalt das Wort redet. Auch die Bildung ist ein heisses Thema.

Marco Morosoli
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Eine Frontseite der Neuen Zuger Zeitung vom März 1868.

Eine Frontseite der Neuen Zuger Zeitung vom März 1868.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Die «Neue Zuger Zeitung» berichtete am 21. März 1868 über «ein Erzeugnis der Presse», welches in den letzten Tagen die Druckerei des «Volksblattes» verlassen habe. Ein «bestelltes Komite» wies darauf hin, dass der Grosse Rath (heute Kantonsrat) im vergangenen Jahr betreffend der Erstellung eines Regie-rungsgebäudes einen Entschluss gefasst, welcher «im Volke des Kantons Zug und bei allen Unparteilichen entschiedene Missbilligung finde».

Mittels einer Petition soll nun verhindert werden, dass der Bau dieses Gebäude an die Hand genommen wird. Die Petenten wollen «unserem kleinen Staate und unserem Volke für die Gegenwart Lasten und Opfer» ersparen. In diesem Schriftstück mit unbekannter Feder wird festgestellt, dass das neue Regierungsgebäude im Rohbau 120000 Franken kosten würde. Nach der Berechnung «Erfahrener» müsse mit Kosten von rund 250000 Franken ausgegangen werden. Auch die Höhe des städtischen Beitrages an die Baute von rund 15000 Franken wird als zu gering empfunden.

Für die «Neue Zuger Zeitung» kommt die Petition aus dem Nichts. Schon die gesetzgebende Behörde habe 1864 Ja zum Regierungsgebäude gesagt. Seither hätten weder Behörden noch die Presse abweichende Stimmen feststellen können. So erscheint es dem Verfasser klar zu sein, dass niemand diese Petition unterschreiben soll. Das sei eine «ernste an uns herantretende Pflicht».

Von der «Vielwisserei» aus dem Kanton Zürich

Bildung ist auch ein Thema, das die Zuger vor 150 Jahren bewegt hat. Dabei spielt der Kanton Zürich eine Rolle: «Im Kanton Zug ist man seit längerer Zeit gewohnt, den Kanton Zürich als Musterstaat und die geistigen wie auch geistlose Äusserungen von dorther als Orakel zu verehren.» Jetzt sei aber, so schrieb die «Neue Zuger Zeitung» von dort aber für einmal eine Stimme zu hören, die nicht ins Zürcher Schema passe. Der Zuger Chronist nimmt dabei Bezug auf der «Zürcher Tagblatt». Aus diesem Presseerzeugnis wird zitiert: «An den höheren Schulen ist an die Stelle einer tüchtigen klassischen Bildung eine zu nichts führende Vielwisserei getreten, die dann im praktischen Leben sich als unfruchtbar beweist, oder woher kommt der Mangel brauchbarer Männer, wenn es um die Belegung einer wichtigen Stelle handelt?» Demgegenüber werde, so das Tagblatt weiter, auch beim Polytechnikum (ETH) in diese Richtung unterrichtet. Das «Zürcher Tagblatt» hatte auch eine genaue Meinung, wie ein Mitbürger aussehen sollte: «Es fehlt an gutgesunden und charakterfesten Männern, die allgemeines Zutrauen besitzen und eines hohen Amtes würdig sind.» Der Chronist der «Neuen Zuger Zeitung» ist diesbezüglich zuversichtlich, «dass wir brave Männer von hüben wie drüben an der Hand der in vorliegendem Artikel ausgesprochenen Grundsätze sich für tüchtige Hebung und Ausbildung unseres Schulwesens im Allgemeinen und nicht nur der Volksschule sollten einigen können – zu Nutz und Frommen unsers schönen Ländchens. Möge es geschehen.»

Der grosse Kampf gegen die Feiertagsflut

Im März 1868 bewegt die «Neue Zuger Zeitung» auch die Zahl der Feiertage während des Jahres. Dabei nimmt der Regierungsrat auf einen Dekrets-Entwurf des Basler Bischof Bezug. Dieser schlägt folgende Feiertage zur Streichung vor: St. Joseph (19. März), Ostermontag, Pfingstmontag, Peter und Paul (29. Juni), Maria Geburt (8. September), St. Stephan (26. Dezember) sowie das Kirchenpatronsfest. Dieses soll auf einen Sonntag verlegt werden. Bereits in der nächsten Ausgabe ist zu lesen, welche Feiertag es fortan noch geben wird: Neujahr, Heilige drei Könige (6. Januar), Maria Lichtmess (2. Februar), Maria Verkündigung (7. April), Auffahrt Christi, Fronleichnam, Maria Himmelfahrt (15. August), Allerheiligen (1. November), Maria Empfängnis (8. Dezember), Weihnacht (25. Dezember).

Damit ging der Bischof auf Wünsche der Industrie ein. Ferner schrieb der Bischof noch, dass mit dieser Massnahme auch «in Folge eingetretener bedauerlicher Umstände für den armen Arbeiter insbesondere und die handwerktreibende Klasse erwachsener Übelstände und Gewissensbedrängnissen abzuhelfen». Um die an den gestrichenen Feiertagen gefeierten Heiligen nicht ganz zu vergessen, werden sie an Sonntagen nachgeholt. So solle Peter und Paul jeweils am letzten Sonntag im Juni gefeiert werden. Auch im Kanton Wallis sind im Jahre 1868 Bestrebungen im Gang, um die Zahl der 20 Feiertage während des Jahres zu reduzieren.

Nicht um Festtage geht es bei einer Meldung aus Italien. Es drohe der Bankrott, wenn die Steuern nicht bald erhöht würden. Das würde heute noch passen.