SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Finanzierung der Staatsbaute ist klar

Der Regierungsrat hat gerechnet. Der Preis für ein kantonseigenes Gebäude und die Finanzierung steht fest. Ennet der Schweizer Grenze toben Konflikte.

Harry Ziegler
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Gutes Bier, reeller Wein

Gutes Bier, reeller Wein

Harry Ziegler

harry.ziegler@zugerzeitung.ch

Der Kanton Zug ist 1867 arm dran. Er verfügt über kein Gebäude, das er sein Eigen nennen kann. Im Rathaus der Stadt Zug muss er den knappen Platz mit den Hausherren teilen. Die beiden Parteien kommen mehr schlecht als recht aneinander vorbei. Diesem unhaltbaren Zustand soll nun abgeholfen werden. In der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 31. August 1867 wird dem Bericht des Regierungsrates zum «zugerischen Kantonsgebäude» viel Platz auf der ersten Seite eingeräumt.

Aber bereits in der Ausgabe der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 7. September 1867 wird über Raumaufteilung und Finanzierung dieses Zuger Kantonsgebäudes berichtet. Eine derartige Schnelligkeit in Entscheiden solcher Tragweite vermisst man in der heutigen Politik manches Mal.

Das Gebäude soll eine Länge von 108 Fuss (rund 33 Meter) und eine Tiefe von 60 Fuss (gut 18 Meter) aufweisen, heisst es in der Ausgabe vom 7. September 1867. «Der Bau zerfällt in ein Kellergeschoss, in ein Erdgeschoss, in ein erstes Stockwerk und einen Kniestock» (= die an der Traufseite eines Hauses über die Rohdecke des Dachgeschosses hinaus gemauerte Aussenwand, auf der die Dachkonstruktion aufliegt), so der Berichterstatter. Im Kellergeschoss lägen die feuerfesten Räume für das Archiv und die Heizung sowie die Portierswohnung. Im Erdgeschoss untergebracht werden die diversen Kanzleien. «Das erste Obergeschoss wäre zu verwenden für den Grossraths­saal mit anstossendem Konferenzsaal», heisst es weiter. Der übrige Raum bliebe disponibel. Da die Ratssitzungen öffentlich sind, würde der entsprechende Teil des Kniestocks als Tribüne für das Pu­blikum genutzt. Der übrigbleibende Raum könnte als Magazin dienen. Er wäre aber auch als Wohnung auszubauen und zu nutzen – aber nur bis die Bedürfnisse des Kantons an Räumen weiter ansteigen.

Aussen hui, innen nicht ganz pfui

Schon damals waren offenbar – wie heute – die Finanzen des Kantons angespannt. «Mit Rücksicht auf die finanziellen Ansprüche waltet die Absicht, den ganzen Bau in seiner äusseren Ansicht zwar fertigzuerstellen, dagegen innen nur das Kellergeschoss mit den Archivräumen und das Erdgeschoss mit den für die Kanzleien erforderlichen Räumlichkeiten sofort auszubauen», schreibt der Berichterstatter. Der Rest würde nach und nach vollendet. Benötigt würden für den Bau 120000 Franken. Wobei diese Summe aufgebracht werden würde einerseits durch die 30000 Franken, die der Kanton für das Belassen des Bahnhofs an der damals aktuellen Stelle von der Nordostbahn kassiert und die der Grosse Rat für den Bau des Kantonsgebäudes vorgesehen hat. Diese würden durch Zinsen und vorgesehene Zuwendungen aus der Staatskasse auf bis zu 80000 Franken anschwellen, sodass noch 40000 Franken aufzubringen wären. Was gemäss damaligen Beobachtern sicher durch geschicktes Verhandeln mit der Standortgemeinde Zug oder der kantonalen Ersparniskasse zu bewerkstelligen wäre.

Missliche Lage in Süddeutschland

Laut Berichterstatter der «Neuen Zuger-Zeitung» befindet sich Süddeutschland 1867 «in einer überaus trübseligen Lage». Das Land sehe sich durch Handels- und Militärverträge an den Norddeutschen Bund gefesselt. Aber nicht nur das: «Fast hört es schon die Fittiche des preussischen Adlers über seinem Haupte rauschen», beschreibt der Redaktor die Situation. Und gleichzeitig locken Österreich und Frankreich. «Es geht ihm wie einer Jungfer, die viel Liebhaber hat und keinen recht mag, weil sie weiss, dass keiner ihr aus rechten Absichten den Hof macht.» Süddeutschland aber sei wichtig, denn «Preussen bis an die bayrischen Alpen schliesst österreichischen Einfluss auf Mittel- und Westeuropa für immer aus.»

Richtiggehend wütend ist der Berichterstatter, was die anstehende Gründung eines Friedensvereins in Genf betrifft. Er sieht sich und mit ihm das gesamte Schweizer, ja gar das ganze europäische Volk verschaukelt: «In unserer Einfalt glaubten wir wirklich, es gelte Ernst, man wolle wenigstens auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten, nämlich einen Friedensverein gründen. Nun aber sind wir gründlich enttäuscht. Diese so genannte Friedensliga hat sich einfach als eine Versammlung der Revolutionshäupter entpuppt, an ihrer Spitze Garibaldi als alter Umwühler», wütet der Redaktor in der Ausgabe vom 14. September 1867. Aber bereits eine Woche später schreibt er: «Der Friedenskongress in Genf hat geendet, wie er es verdient und wie wir es nicht anders wünschen durften.» Am Tage vor der Abstimmung sei nämlich Garibaldi still und heimlich verduftet. Die Resolutionen wurden alle abgelehnt, der Verein so irgendwie überflüssig.

Gutes Bier, reeller Wein

Kirchweihe Offenbar sind gepanschte Alkoholika ein Problem. In der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 7. September 1867 wirbt der Weinberg Zürcher-Elsener dafür, dass er am Kirchweihsonntag der Nachbarschaft Lüssi gutes Bier, neuen Most und reellen Wein ausschenke und am Montagabend auch eine Tanzbelustigung abhalten werde – wozu alle freundlich eingeladen seien.

Sonntagsruhe gestört

Baar «Eine von hier uns zugekommene Einsendung rügt die Sonntags Entheiligung durch Fuhrwerke, Arbeiten in den Werkstätten, den nächtlichen Lärm in den Wirtshäusern und auf den Strassen.» Verlangt wird das Einschreiten des Gemeindevorstehers und der Regierung. Der Chronist gibt dem Einsender den Rat, bei solchen Vorkommnissen doch die Gemeindepolizei zu verständigen.

Streit um die Kosten

Hünenberg «Die Gemeinde Lauerz weigert sich, dem Gemeinderath von Hünenberg die für den Korbmacher Hartmann erlaufenen Tothenkosten zu vergüten, und die Regierung von Schwyz unterfügt diese Weigerung und lehnt ihre weitere Intervention ab. Hievon wird Hünenberg Kenntnis nehmen», steht in der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 14. September 1867.

Cholera und Batzen

Schwyz/Freiburg Nun hat die Cholera den Kanton Schwyz erreicht. «An der Schindellegi sind auch drei Cholerafälle vorgekommen», so die «Neue Zuger-Zeitung» vom 21. September 1867. Zudem habe in Freiburg eine Volksversammlung ihren Unmut über die Nichtabhaltung des eidgenössischen Truppenzusammenzugs kundgetan. «Die haben halt brav Batzen erwartet.»

Rasende Weiber

Italien In Ravenna herrschte 1867 offenbar grosse Not. Denn für den Berichterstatter der «Neuen Zuger-Zeitung» war meldenswert, dass «mehrere hundert rasende Weiber einen Getreidezug geplündert» hätten. «Da muss die Noth gross sein.» Und in Sardinien herrschten Elend und Hungersnot «in einem herzzerreissenden Masse», während in Palermo die Cholera wütete.

Auswanderer gesucht

Anzeige Ebenfalls in der Ausgabe vom 21. September 1867 erschien folgende Anzeige: «Der Unterzeichnete schliesst fortwährend für das Haus Jean Stössel und Comp. in Basel Reiseverträge nach Nord-, Süd- und Central-Amerika sowie nach Australien ab. Für Auskunft und vorläufige Verabredung von Verträgen wende man sich an Martin Meyer, Hauptagent in Luzern.»

Ab nach Zürich

Justiz Strenge Sitten herrschten 1867 offenbar, wenn es um die Verbüssung verhängter Strafen ging. «Der vom hiesigen Kriminalgericht zu zweijähriger Kettenstrafe verurtheilte J. Truttmann von Küssnacht wird zur Erstehung seiner Strafe an die Strafanstalt Zürich abgegeben.» Und anschliessend folgt die Meldung, dass in Bern und Solothurn die Maul- und Klauenseuche wüte.

Beteiligung möglich

Zug «In Sachen der Staatsbaute wird dem Stadtrathe Zug von dem Beschlusse des Grossen Rathes, welcher eine finanzielle Mitbeteiligung der Stadtgemeinde an den Baukosten beansprucht, Kenntnis gegeben und die Mittheilung beigefügt, dass die Herren Statthalter Merz und Regierungsrath Röllin für die Unterhandlungen als Delegierte bezeichnet seien.»