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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Gewalt vor Recht

Den Chronisten der «Neuen Zuger Zeitung» beschäftigen im Dezember 1867 vor allem der «Friede auf Erden» und die römische Frage. In der Stadt Zug werden derweil die Weichen für den Bau des Regierungsgebäudes gestellt.
Charly Keiser

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Auf die «Neue Zuger Zeitung» an allen Samstagen sowie auf den «Zugerbieter», der jeweils jeden Dienstag erscheint, werde für das Jahr 1868 ein neues Abonnement «eröffnet». So beginnt die letzte «Neue Zuger Zeitung»-Ausgabe des Jahres 1867.

Die «Neue Zuger Zeitung» koste bei Lieferung durch den Verlag wie bisher jährlich 3 Franken und bei Vertragung per Post 4 Franken, heisst es weiter. Der «Zugerbieter» erscheine in einem «bedeutend vergrössertem Format» und koste bei der Post jährlich 3 Franken, halbjährlich 1,60 Franken und vierteljährlich 80 Rappen. Wer beide Blätter zusammen bezog, wird 1868 jährlich 5 Franken oder halbjährlich 2,60 Franken bei der Post und 4 Franken beim Verlag, der damals noch Expedition hiess, bezahlen. Wie lange musste wohl damals für 4 oder 5 Franken gearbeitet werden?

«Es gibt drei Wege»

Die Konferenz zur «Besprechung der ­römischen Frage» beschäftigt den Chronisten der «Neuen Zuger Zeitung» im Dezember besonders stark. Er zitiert den Erzbischof von Paris, der allerdings ziemlich vage bleibt: «Es gibt drei Wege, die Frage zu lösen: Entweder dem heiligen Vater die ihm genommen Provinzen wieder zurück zu geben; oder vollends auch die zu nehmen, die er noch besitzt; oder den Zustand, der jetzt ist, aufrecht zu erhalten.» Ungeachtet der unbestreitbaren Rechte des Papstes auf jene ehemaligen Provinzen, sei es doch äusserst schwierig, auf vollendete Tatsachen zurückzu- kommen. «Dennoch möge man immerhin diese Frage der Konferenz vorlegen.»

Selbst in der Schweiz war die Konferenz Thema. Denn der Bundesrat hat auf Einladung Frankreichs zu Händen der europäischen Konferenz über die römische Frage eine Antwortnote an die französische Regierung geschickt. Es lägen seit längerer Zeit in Rom zwei grosse ­Interessen miteinander im Streit, schreibt der Bundesrat. «Das eine religiöser Natur, wurzelnd im Bedürfnisse der Unabhängigkeit des Oberhauptes der katholischen Kirche; das andere politischer Natur, bestehend in den Bestrebungen des italienischen Volkes, seine Staats- und Regierungsform selbstständig zu bestimmen.» 150 Jahre später ist klar: Es gibt das Land Italien, und der Papst herrscht noch über den Vatikan.

Gewalt vor Recht

Der Chronist zitiert ausserdem den Sinnspruch, der an die Schwelle einer neuen Zeit und an die der neuen Jahre geschrieben sei: «Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind.» Der Chronist betont: «Aber Friede ist nur möglich, wo die Menschen ­guten Willens sind, wo man im kleinen Häuschen wie im Palaste, wo man in der kleinen Republik wie in der europäischen Grossmacht das Recht achtet.» Seit man aber aufgehört habe, das Recht zu achten, seitdem sei der Friede geschwunden.

«Wer wagt zu sagen, dass wir glücklich sind? Sind die Völker Europas etwa glücklich?», fragt der Chronist rhetorisch und zählt auf: Deutschland, Italien, Frankreich, England? Oder der Osten von Europa: Österreich, Polen, die Türkei? «Es wäre uns ein Leichtes, den Beweis zu führen, dass vieles – ja fast alles fehlt zum Glück. Zertrümmerung der Freiheit, ungebührliche Ausbreitung und Entwicklung der Militärmacht, so dass die Kräfte des Volks erschöpft werden, ohne dass gewonnene Mittel beim materiellen Wohle wieder zuströmen.» Der Chronist gibt zusammenfassend die Antwort auf seine Fragen: «Wir leiden an den Folgen des entsetzlichen Wortes: Gewalt vor Recht!» Heute wie damals herrscht in Europa das Recht des Stärkeren – wenn auch nicht mehr mit Vorderladern und Kanonen. Heute geht es vielmehr um schwarze oder graue Listen oder die Anerkennung der Börse, die Grosse bekommen und für Kleine an Bedingungen geknüpft werden.

Kredit in fünf Raten

«Die Stadtgemeinde Zug leistet an das vom Grossen Rathe (Kantonsrat) am 19. September beschlossene neue Staatsgebäude (heutiges Regierungsgebäude) ein für allemal einen Beitrag von 15000 Franken», wie aus dem entsprechenden Protokoll der Ratssitzung zitiert wird. Und zwar unter den Bedingungen: dass die Korporation die Hälfte von 7500 Franken übernimmt; die Zahlung in Raten à 3000 Franken fällig ist und mit dem Jahr des Baubeginns beginnt; sowie, dass nach dem Bezug der Neubaute durch die Behörden des Kantons alsdann das alte «Rathhaus» ohne Pflichtenfall gegenüber dem Kanton frei der Stadtgemeinde an die Hand gegeben werde.

Die Korporation budgetiert ausserdem 1000 Franken für die Renovation der St. Oswaldskirche, für die sie einen Beitrag von total 3000 Franken leistet.

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