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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Paris: Mordanschlag auf den Zaren

Im Juni 1867 steht das Vergnügen im Zentrum: Die Weltausstellung in Paris ist so richtig angelaufen, und illustre Gäste geben sich die Ehre. Ob auch Schweizer, geschweige denn Zuger Vertreter nach Frankreich reisten, bleibt ungewiss.
Carmen Rogenmoser
Buben-Unwesen

Buben-Unwesen

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Rom und Paris: Diese beiden europäischen Städte waren im Juni 1867 Hauptspielplätze der Berichterstattung in der «Neuen Zuger-Zeitung». In Paris fand von April bis November die «Exposition universelle d’Arte et d’Industrie» – eine Weltausstellung – statt. Die vornehmen Herrscher gaben sich die Klinke in die Hand und besuchten einer nach dem anderen die Ausstellung. In Rom hingegen feierte Papst Pius IX. die 18. Säkularfeier des Todes des heiligen Petrus. Beide Ereignisse zogen viele Besucher an. «Durch Eisenbahnen und Dampfschiffe ist eine Reise nach Rom und nach Paris jetzt leichter gemacht als in früheren Zeiten; und in Folge davon strömen grössere Scharen von Industriellen, Wissbegierigen, Neugierigen und Vergnügungssüchtigen nach Paris, von Bischöfen, Priestern und Gläubigen nach Rom zusammen, als bei ähnlichen früheren Gelegenheiten», mutmasst der Chronist.

Viel interessanter als die gemeinen Besucher der Weltausstellung war aber schon damals das Auftauchen von Promis: Fürste, Könige und Kaiser reisten mit ihren Frauen und Gefolgschaften an. Das ist nicht billig, aber da spielen auch die «dicken Rechnungen» keine grosse Rolle. Denn die gebe es bestimmt, meint der Chronist. Nicht nur bei Napoleon, der alles bezahlen muss, sondern auch bei den illustren Gästen. «Die meisten gehen jedenfalls erleichterten Beutels nach Hause zurück.»

Der Sultan verprasst 10 Millionen Franken

So auch der Sultan des Osmanischen Reiches. Er müsse 10 Millionen Franken mitnehmen für sich, seinen Sohn und seine Weiber, «dafür können dann viele seiner Beamten wieder zwei bis drei Monate lang warten, bis sie ihren Sold erhalten», wettert der Journalist in der Ausgabe der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 2. Juni 1867. Trotzdem wird auch er von der Euphorie rund um die «Parisermesse» erfasst: «In diesem Augenblick zieht ein Friedensgebimmel durch die Zeitungen, und man bekommt von der Industrieausstellung einen wirbligen Kopf, selbst wenn man selbst fein säuberlich und aus guten Gründen zu Hause bleibt.» Nach all den Schreckensmeldungen von drohender Kriegsgefahr der letzten Monate scheint die grosse Messe eine erfreuliche Abwechslung zu sein. Doch so ganz traut der Schreiberling dieser Entwicklung nicht. Er ist sich sicher, dass Napoleon alle «Kunstgriffe» aufgeboten hat, um zu verhindern, dass der König von Preussen und der Kaiser von Russland nicht zur gleichen Zeit nach Paris kommen. «Es scheint, Napoleon wolle auch sonst was mit den Herren reden», wird gemutmasst.

Eine Woche später, in der nächsten Ausgabe der Zeitung, muss sich der Chronist aber gleich selber korrigieren – und bei den Lesern entschuldigen. Denn tatsächlich weilen Russlands Zar und der König von Preussen gemeinsam in der Lichterstadt. «Vermutlich hat er letzte Woche schnell noch einige Betten angeschafft», meint der Autor zur Organisation Napoleons. Sowieso haben die Herren eher das Vergnügen im Sinn. «Sie tanzen auf einem Vulkan.» So besuchte Kaiser Napoleon gemeinsam mit dem russischen Kaiser und dessen Söhnen eine Revue. Auf der Rückfahrt kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Auf den russischen Kaiser wurde ein Anschlag verübt. Doch die Pistolenkugel traf nicht den Zaren, sondern den Kopf eines der Pferde, das die Kutsche zog. Die Waffe zersprang in den Händen des Angreifers. Der Pole wurde sogleich festgenommen und konnte «vor der Wut der Bevölkerung geschützt werden».

Die politische Stimmung zwischen Polen und Russland wird dadurch nicht besser, wohl aber jene zwischen Frankreich und Russland. «Der Aufenthalt für den Kaiser von Russland ist nach überstandenem Schrecken nicht unangenehmer geworden», weiss der Chronist zu berichten. Er habe nun viel mehr Aufmerksamkeit und Teilnahme. Dem preussischen König hingegen passte das nicht. Er sei nun etwas in den Hintergrund gerückt.

Ein neuer Kaiser für Ungarn

Neben Paris und Rom wurde im Juni 1867 aber auch im Osten gefeiert: Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi von Österreich wurden zum Königspaar von Ungarn gekrönt, mit viel Pomp und Protz.

In Zug hingegen dreht sich das Karussell trotz allem in gewohntem, beschaulichem Kreise weiter. Im Kantonsrat werden die öffentlichen Gebäude, deren Nutzen und Zustand, unter die Lupe genommen. «Ist die gegenwärtige Benützung unserer öffentlichen Bauten eine den Zeitverhältnissen entsprechende?» Zu den Schulgebäuden ist vermerkt: Es gibt das städtische Schulhaus und das Töchterschulhaus bei Maria Opferung. Gewünscht wird zudem eine Turnhalle. Dann werden sie «noch lange den Bedürfnissen entsprechen».

Buben-Unwesen

Zug Auf dem Zuger Postplatz machte sich über die Pfingsttage 1867 eine Karawane von Seiltänzern und allerhand Schaustellern breit – sehr zum Unmut der Polizei. Denn das sogenannte anatomische Theater zeigte aller Welt Dinge, «die das Schamgefühl verletzen». In den Schulen wurden Vorkehrungen getroffen. Trotzdem konnten sich jüngere Leute einschleichen. «Es wäre zu wünschen, dass die umliegenden Polizeibehörden davon Notiz nähmen.»

Ein Bischof im Glück

Österreich Schon vor 150 Jahren waren Glücksspiele hoch im Kurs. So gibt es in Österreich eine Ziehung von «1860er Staatsloosen». Gewinnen konnte man nicht weniger als 300000 Gulden. Die Auslosung gewonnen hat: der Bischof von Brünn. Ob da alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen ist?

Menzingens Filiale

Finstersee Erstaunt stellt der Autor fest, dass in der Menzinger «Filiale» Finstersee ein «recht schönes Fest» gefeiert wurde: die Grundsteinlegung zur neuen Kapelle. «Die seltene Feier und dazu das herrliche Wetter lockte von nah und fern eine solche Menge Volkes herbei, wie sie die Bewohner Finstersees in ihrer stillen Einsamkeit wohl nie gesehen haben.»

Duft liegt in der Luft

Österreich Bei den Nachbarn ist im Juni anno dazumal einiges los. So sind neben einem Schlachthaus in Böhmen «typhöse Krankheiten» ausgebrochen, «die häufig den Tod zur Folge haben.» Die Leichen seien haufenweise in grosse Gruben geworfen und nur ungenügend mit Erde zugebettet worden. Bei «begonnener Sommerwärme fingen die Gräber an, stark auszudünsten und die ganze Atmosphäre zu verpesten», schreibt der Chronist.

Vögel gegen Käfer

ZugMaikäfer sind in der damaligen Zeit eine grosse Plage. Doch jetzt scheint ein Mittel gefunden. Ein Hamburger berichtet, dass der Vogel Star der beste Vertilger des Käfers sei. «Wir hätten im Kanton Zug schon längst für Vermehrung der Stare sorgen sollen», meint der Chronist. Besonders nützlich seien diese in den Berggemeinden, denn dort ist jedes dritte Jahr ein Käferjahr.

Italien ist fruchtbar
ItalienAus Italien wird gemeldet, dass unter den Spekulanten, die die Getreidepreise bisher noch zurückgehalten haben, ein Schrecken ausgebrochen sei. Der Grund: Eine neue Ernte bringt neue Vorräte. Trotz grosser Preisabsenkungen zieht der Verkauf nicht an. Die darauf folgende Nachricht in der «Neuen Zuger Zeitung» lautet: «In Italien bricht Jubel über die herrliche Ernte in Seide aus. Auch die Reisernte gerate vorzüglich.»

Jugendlicher Leichtsinn

Bern In der Hauptstadt fand eine Schiessübung statt. Zwei Schützen wurden da wohl etwas übermütig. Sie wollten abends in einer Wirtschaft das Licht mit einem Kapselschuss löschen. Doch die Waffe war geladen. «Die Kugel erreichte ein bei einem Glas Wein sitzendes Pärchen, das sich in nächster Zeit verheiraten wollte.»

Damals wie heute

ItalienDoch auch in Italien läuft nicht alles rund. Bereits vor 150 Jahren haben die Italiener mit den gleichen Problemen wie heute zu kämpfen: «Der Chronikschreiber schämt sich alsgemach selber, dass er keinen Ausdruck mehr zu finden weiss, um dieselbe Sache, wovon er schon so oft geredet, abermals zu bezeichnen: die italienische Finanznot!»

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