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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Russland und Amerika als innige Freunde

Im April 1867 kaufen die Amerikaner Alaska, die Engländer toben, und im Kanton Zug gibt lediglich der Abschluss von Versicherungen zu reden.
Rahel Hug
Neuartige Kanone

Neuartige Kanone

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Grosse weltpolitische Umwälzungen sind im Frühjahr 1867 im Gange. Neben der Luxemburger Krise und den Spannungen zwischen Preussen und Frankreich, die den Journalisten der «Neuen Zuger-Zeitung» intensiv beschäftigen, schreibt er am 6. April von einer «wichtigen Nachricht», die uns aus Amerika erreicht. Es habe von Russland das ganze nördliche Amerika um die Summe von etwa 40 Millionen Franken gekauft. «Der Westen also Amerika, der Osten Russland! Lauter Abrundung!», so sein Kommentar. England wiederum habe dies mit Entsetzen vernommen, denn «sein Kanada» sei nun «vollends dahin und der englische Einfluss in Amerika vernichtet».

Wie das wohl weitergeht? «Die Tage der Rache für England nahen», ist der Verfasser überzeugt. Zwei Zeitungsausgaben später, am 20. April, gibts allerdings noch nicht viel Neues: «Die vereinigten Staaten sind natürlich des Handels mit Russland froh und die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Weltmächte noch inniger geworden; England schweigt und seufzt!» In Bezug auf die Situation in Griechenland und den Zwist um die Insel Kandia greift der Autor zu pathetischen Worten: «Man sieht, die einen Mächte schütten fortwährend Wasser auf den Brand, die andern tragen Holz herbei und schüren ihn aufs Neue. Bei solchem Rauch kann man natürlich nicht deutlich sehen.»

Ein patriotisches Freilichtspiel im Nachbarkanton

Im Kanton Zug geht es in diesem Monat wesentlich ruhiger zu und her. Der Chronist hat sich einem eher nüchternen Thema verschrieben: den Lebensversicherungen. Diesen widmet er mehrere, über drei Ausgaben verteilte Essays. Wärmstens empfiehlt er der Leserschaft den Abschluss einer Versicherung. «Die strengste Sparsamkeit, die beharrlichste Anhäufung des Ersparten und dessen zweckmässige Anordnung sind von keinem grossen Nutzen, sobald der Lebensfaden des Vaters zu früh zerreist, wo dann auf Wohlhabenheit nicht selten Armuth eintritt, und wo alle Aussichten der verwaisten Kinder durch den Mangel an einem Fond vernichtet werden, der durch Versicherung ab Seite des Ernährers hätte gerettet werden können», wirbt die Zeitung in einem fast schon unangenehm langen Satz für die Schweizerische Rentenanstalt in Zürich. In die Kreise der Landwirte habe die Lebensversicherung bis anhin noch sehr wenig Eingang gefunden, liest man. Und warum? «Weil diese noch immer zu sehr am Alten und Hergebrachten hängen und gegen Neuerungen misstrauisch sind.» Ein zweiter Bericht zum Thema trägt den Titel «Die Schattenseiten der Konkurrenz bei Lebensversicherungen». Daraus geht hervor, dass es offenbar in der Bevölkerung noch viele offene Fragen gibt: «Es begegnen uns noch immer eine Menge völlig unrichtiger Auffassungen und verkehrter Ansinnen.» Es folgen ausführliche Erklärungen und Rechenbeispiele. Ausserdem geht der Schreiber auf die «Prämienschleuderei» und die «unmässigen Agenturprovisionen» ein. Eine «fatale Konsequenz» dieser Provisionen bestehe darin, «dass die Agenten mittelst derselben zu einer eigentlichen Hetzjagd angestachelt werden». Eine weitere Herausforderung ortet der Autor bei der «unrichtigen Bestellung der Jahresrechnung». «Alle diese Systeme entlasten die Gegenwart auf Kosten der Zukunft und bereiten der letztern eine Entwicklung, die verhängnisvoll sein kann.» Fest steht nach der Lektüre dieser Zeilen eines: Die Versicherungslandschaft in der Schweiz hat im Jahr 1867 noch eine grosse Entwicklung vor sich.

Von einer komplett anderen Angelegenheit handelt ein «Eingesandtes» in der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 6. April. «Vor einer sehr zahlreichen Zuschauermenge» habe am 24. März eine Gesellschaft im benachbarten Uerzlikon zum zweiten Male ‹die Schlacht am Morgarten›» aufgeführt. «Man darf mit den Leistungen (...) im Ganzen recht zufrieden sein», konstatiert der Schreiberling – und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: «Jedenfalls sind derartige Erscheinungen erfreulicher als solche Maskeraderie mit ihrer anti-forstgesetzlichen Tendenz, wie man in den letzten Fasnachtstagen in Baar zu sehen Gelegenheit hatte.» Was auch immer mit «anti-forstgesetzlich» gemeint ist – der Absender wünscht sich auf jeden Fall, dass auch im Kanton Zug ähnliche Stücke aufgeführt werden: «Es wäre vom ästhetischen, pädagogischen und sittlichen Standpunkte aus sehr zu wünschen, wenn die Aufführung patriotischer Schauspiele im Freien auch in unserm Kantone ernstlich an die Hand genommen und dadurch unwürdigen Volksunterhaltungen Thür und Thor versperrt würde.» Vielleicht wäre der Autor zufrieden, hätte er in der heutigen Zeit gelebt. 2015 wurde zum 700-jährigen Schlachtjubiläum in Morgarten ein Freilichtspiel aufgeführt. Ob es für ihn wohl patriotisch genug gewesen wäre?

Gefrässiger Staat

Norddeutschland Für den kurz zuvor gegründeten norddeutschen Bund hat der Autor der «Neuen Zuger-Zeitung» keine guten Worte übrig: «Auch dieser neue Bundesstaat leidet an der epidemischen Staatscholera, die man Defizit nennt, so dass ganz schrecklich muss gesteuert werden, um den gefrässigen Staatsmagen zu sättigen, der eine so ausserordentliche Verdauungskraft besitzt.»

Streit ums Tanzen

Nidwalden Im «Landrathe» des Zentralschweizer Kantons wurden «Tanzstreitigkeiten» ausgetragen. «Die Einen behaupteten, das Tanzen sei der Weg zur sittlichen Verdorbenheit, Andere meinten, dasselbe sei ein erlaubtes Vergnügen.» Die Sitzung endete wie folgt: «Endlich nach stürmischen Debatten wurde beschlossen, ein nagelneues Tanzgesetz vorzulegen.»

Besuch aus Japan

Asien Wie der Leser unter «Auswärtiges» erfährt, hat in Japan ein Schiff mit «von der japanischen Regierung für die Ausstellung in Paris bestimmten Gegenständen» abgelegt. Mitgeschickt wurden dabei auch «drei japanesische Mädchen zur Bedienung in einem in Paris aufzustellenden Theehause». Sie dürften beim Publikum besonderes Interesse erregen, heisst es im Beitrag, «da dies die ersten Japanesinnen sind, welche nach Europa kommen».

Schweissfüsse

Gesundheit «Wichtig für Fussschweiss-Leidende!» lautet der Titel eines Inserats im Anzeigenteil. Angepriesen werden Schweisssohlen, «die den Fuss beständig trocken und warm erhalten» und die daher «besonders den an Schweissfuss, Gicht und Rheumatismus Leidenden zu empfehlen sind». Das Paar kostet 1 Franken, drei Paare 2.80 Franken.

Kriminalfälle

Literatur Die «Vereinsbuchhandlung» macht Werbung für das Buch «Merkwürdige Kriminalfälle aller Nationen» – das auch Illustrationen (!) beinhaltet. Der Verfasser habe durch einen Zeitraum von über 30 Jahren als Kriminalrichter in verschiedenen Orten der preussischen Staaten und als Direktor am Berliner Kriminalgericht fungiert. Die Fälle tragen Titel wie «Das lebendig begrabene Kind» oder «Die Blutschwitzerin».

Ein Sonnenring

Natur Am «Hohendonnerstag Abend» wurde eine interessante Naturerscheinung beobachtet: «Etwa um halb 7 Uhr zeigte sich ein sehr grosser Ring um die Sonne, an dessen äusserem Rande regenbogenartige Farben wahrgenommen werden konnten.» Der Ring sei bis Sonnenuntergang sichtbar gewesen. Weitere Informationen über dieses Phänomen sind der Zeitung nicht bekannt.

Fisch-Exkremente

Westschweiz Oberhalb von Villeneuve, in der Pissot-Schlucht, hat ein Engländer einen besonderen Fund gemacht. Er hat «ein ziemlich starkes Lager von Koprolith oder fossilen Fisch-Exkrementen entdeckt, was von bedeutendem Werthe für die Landwirtschaft wäre, da der Koprolith ein vortrefflicher Dünger ist».

Neuartige Kanone

Frankreich Makaberes hat der Autor aus dem Nachbarland zu berichten: «Gegenwärtig befindet sich ein Amerikaner in Paris, um eine neue Menschenschlächtereimaschine zu verwerthen.» Er habe nämlich eine Kanone erfunden, die aus sechs Gewehrläufen bestehe. «Ein Mann legt stets von hinten die Patronen ein, ein anderer dreht eine Kurbel und feuert los, so dass das Geschütz ununterbrochen schiesst.» An Manövrierfähigkeit übertreffe das Geschoss alle andere Artillerie.

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