Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Schlagzeilen von damals»: Teile der Schweiz versinken im Regen

Im Herbst 1868 fordern Niederschläge Todesopfer und hinterlassen verwüstete Landstriche. Der Kanton Zug wird verschont, die «Neue Zuger-Zeitung» ruft zur Solidarität auf. In den USA muss derweil ein Politiker um seine Kopfhaut fürchten.
Raphael Biermayr

Der Herbst 1868 steht hierzulande im Zeichen verheerender Niederschläge, die 51 Todesopfer fordern. Wasser und Flüsse überlaufen in manchen Regionen, der Lago Maggiore erreicht den höchsten Stand aller gemessenen Zeiten: Er liegt sieben (!) Meter über dem damaligen Jahresdurchschnitt. Auf dem San-Bernardino-Pass wurden innerhalb von acht Tagen 1118 Millimeter Niederschlag gemessen – auch das ein Bestwert. Das entspricht übrigens dem gesamten Niederschlag des Jahres 2017 in Zürich. Neben dem Tessin sind die Kantone St. Gallen, Graubünden, Uri und Wallis besonders betroffen. Die Schäden im Jahr 1868 belaufen sich auf 40 Millionen Franken, was heute gemäss «swissinfo.ch» einer Milliarde Franken entspricht.

Für den jungen Bundesstaat ist das eine riesige Herausforderung. Überall gibt es Spendenaufrufe. So auch in Zug, das offensichtlich von den schwersten Regenwolken verschont wurde. Die «Neue Zuger-Zeitung» übt sich in patriotischer Solidarität: «Wir können keine Einzelheiten mittheilen, aber, was wir im Allgemeinen gesagt, wird schon genügend sein, um Mitleid zu erregen, und zwar ein Mitleid, das bestimmt, Herz und Hand für die Unglücklichen zu öffnen.»

Ein 30 Meter
hoher Aufrichtbaum

Der Autor bemüht im Weiteren einen Vergleich mit der grossen Unterstützung nach dem Brand von Glarus, der 1861 zwei Drittel des Orts zerstörte. Er zitiert zudem einen Artikel aus der «Luzerner Zeitung», die sich religiös motivierte Häme nicht verkneifen kann: «Zeigen wir, dass die Katholiken nicht zu arm sind, um wohltätig zu sein, wenn sie auch nicht lauter hohe Industrielle, Fabrikanten und Machthaber der Geldmächte sind, die ja am Ende doch am Wenigsten und subjektiv am Verdienstlosesten geben (...).» Die «Neue Zuger-Zeitung» ruft nicht nur zu Spenden auf, sondern bietet auch an, diese entgegenzunehmen und «sofort an Ort und Stelle zu befördern». Wo genau das sein soll, ist nicht bekannt.

Im eigenen Kanton sorgen vergleichsweise Petitessen für Schlagzeilen. In Steinhausen wird ein neues Armenhaus eingeweiht, in dem «arme und elternlose Kinder, arme, alte, übelmögende und kränkliche Personen und auch verkommene Leute versorgt werden müssen». Das Aufrichtfest beginnt um 5.30 Uhr mit einem Gottesdienst und endet mit einem «gut servierten» Nachtessen im «Rössli». Dazwischen erfreuen sich die Arbeiter an einem Fass «ausgezeichneten Mostes» – und einem 30 Meter hohen Aufrichtbaum.

Während heutzutage vor dem Hintergrund des Sparens die Abschaffung von gemeindlichen Polizeiposten thematisiert und das Korps verkleinert wird, war das vor 150 Jahren noch ganz anders. Es wäre wünschenswert, dass die Gemeinden mehr eigene Polizisten anstellen würden, um den Kanton zu entlasten, heisst es in der Zeitungsausgabe vom 17. Oktober 1868, «umso mehr, als das Bedürfnis, die Zahl der Polizeisoldaten zu vermehren, täglich fühlbarer wird». Die Polizeidirektion teilt in ihrem Jahresbericht 1867 mit, dass gegen 33 Personen «Strafurtheile und Gefangenschaft» ausgesprochen wurden – 14 davon sind Kantonsbürger, 21 «Ausländer». Von den gefangen Gehaltenen befinden sich die meisten in der Strafanstalt in Zürich. Einige sind auch in den Gemeinden untergebracht «deren Versorgung jedoch zu wünschen übrig liess und selbst zu Reklamationen Anlass gab».

«Weiber» sind auf dem
Thron nicht gern gesehen

Thron nicht gern gesehen Angesichts der eingangs erwähnten Unwetter fällt der internationale Teil der Berichterstattung für einmal gering aus. In Spanien ist die Königin Isabella II. nach 35 Jahren vom Thron gestürzt worden. Das Urteil der «Neuen Zuger-Zeitung» über ihre Herrschaft fällt deutlich aus: «Man muss sich eigentlich nur verwundern, dass dieses Weiberregiment 35 Jahre dauern konnte.» Dem Chronisten zufolge hat ihr Unglück schon 1846 mit ihrer Heirat begonnen: Franz von Assis sei ein nur «4 Fuss hoher Mann» gewesen, «geistig und körperlich ein Schwächling».

Auch in den USA wird ein neues Staatsoberhaupt gesucht, nachdem die Demokraten den Präsidenten Andrew Johnson nicht für eine zweite Amtszeit nominiert haben. Ein Kandidat für die Vizepräsidentschaft, ein gewisser Colfor, kam auf einer Wahlreise nach Colorado in Gefahr, skalpiert zu werden. Er hatte Glück: «Hätten nicht freundlich gesinnte Indianer ihn in Schutz genommen, so wäre er um seine Kopfhaut gekommen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.