Schlagzeilen vor 150 Jahren in Zug: Verbotenes Lotto und «schädliche» Tiere

Das Weltgeschehen beschäftigt die «Neue Zuger-Zeitung» im September 1868 wenig. 
Nationale Ereignisse geben eher zu reden, und zwei Leserbriefschreiber erhalten viel Zeitungsplatz für ihre Meinungsverschiedenheit.

Andreas Faessler
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Die Berichterstattung der «Neuen Zuger-Zeitung» im September 1868 beginnt mit einem recht pathetisch verfassten eingesandten Bericht über das Eidgenössische Offiziersfest in Zug, das kurz zuvor erfolgreich zu Ende gegangen ist. Der enorme Umfang dieses Beitrages lässt auf die grosse Bedeutung des mehrtägigen Anlasses schliessen, der dem Anschein nach mit viel Pomp und einer langen Reihe von patriotischen Bekundungen und Gardemanöver abgehalten worden ist. Die nächste Ausgabe beginnt schliesslich wieder mit der traditionellen Wochenchronik. Da der Schreiber feststellt, dass in den vergangenen zwei Wochen keine besonderen politischen Vorkommnisse zu vermelden sind, widmet er sich einer kleinen Analyse der generell unsicheren Verhältnisse in Frankreich, wo sich immer wieder Kriegsstimmung bemerkbar macht. Auch mit einem Blick nach Österreich ruft der Autor den bereits länger köchelnden Unmut der dortigen Regierung in Erinnerung, welche mit der Widerspenstigkeit der Tschechen zu kämpfen hat, die ihrerseits Steuerzahlungen an das Kaiserreich verweigern.

Was das Inland betrifft, so interessiert die «Neue Zuger-Zeitung» ein Bericht der «Basler Nachrichten», gemäss dem in der Schweiz ein neues «Lotterieunwesen» die Runde mache. In den meisten Kantonen waren damals Lotteriespiele jeglicher Art untersagt. So haben einige deutsche Verlagshäuser angefangen, ihre Kalender mit fortlaufenden Ziffern zu versehen und damit eine kleine Lotterie zu verbinden, um so auch in der Schweiz mehr Absatz zu erlangen. Das gefällt unseren Behörden ganz und gar nicht, und die hiesigen Kalenderverleger – vor allem in jenen Kantonen, wo Lotterie verboten ist – werden aufgefordert, solche Deutschen Kalender mit integrierter Lotterie nicht mehr zu vertreiben.

Tadel für die
 Schwyzer

Hauptthema der Ausgabe vom 19. September ist der neulich publizierte regierungsrätliche Zuger Rechenschaftsbericht über das Jahr 1867, dessen Hauptpunkte in der Zeitung kurz zusammengefasst werden, die aber zu wenig interessant sind, um sie 150 Jahre später abermals wiederzukäuen.

Spannenderes indes gibt es über die Schweizerische Viehausstellung in Langenthal zu berichten, welche in der Woche zuvor zu Ende gegangen ist. Der Schreiber berichtet über die vielversprechenden Entwicklungen auf den Gebieten der Viehzucht und des Viehhandels, richtet sein Wort dann aber tadelnd an den Kanton Schwyz, der es diesmal vorgezogen hat, nicht am nationalen Anlass teilzunehmen, sondern in den Bezirken Schwyz, March und Höfe aus «Engherzigkeit» jeweils eine eigene Viehausstellung abzuhalten, obschon der Kanton offenbar bereits sämtliches Braunvieh in Langenthal angemeldet hatte. Aber aus Zuger Sicht kann man sich nicht beklagen, was die Schweizerische Viehausstellung 1868 betrifft: Von den 22 Zuger Tieren, die nach Langenthal geschickt worden waren, wurden 16 prämiert.

Zickenkrieg unter
Leserbriefschreibern

Eine Leserkorrespondenz in den September-Ausgaben von 1868 sorgt für Heiterkeit. Nicht zuletzt deswegen, weil wir es auch heute kaum anders kennen, wenn zwei oder mehrere fleissige Leserbriefschreiberinnen und -schreiber sich via Zeitung «bekriegen». Ein Leser R. – vermutlich ein passionierter Jäger – empfiehlt in der Ausgabe vom 12. September 1868, die für die Jagd «schädlichen» Tiere fleissiger aus dem Weg zu räumen. Er nennt unter anderem Füchse, Dachse, Katzen, Marder, Iltisse, Wiesel, Igel, Eichhörnchen, Hasen... sowie die meisten Vogelarten. Es klingt, als riefe der Schreiber zur Eliminierung fast der gesamten Zuger Fauna auf, abgesehen vom zu jagenden Wild. Ausserdem schimpft er über die Chamer, Hünenberger und Rischer Jäger, die das Recht des Verfolgenden auf seine Beute nicht respektierten und tagelang «Eindringlingen» auflauerten und ihnen das Wild wegschössen. Prompt reagiert in der nächsten Ausgabe ein Herr B. auf den «gewissen, gewohnten Jagdchroniker», sichtlich genervt von seiner regelmässigen Litanei über für die Jagd «schädliche» Tiere.

Wie erwartet, meldet sich Herr R. postwendend in der nächsten Ausgabe wieder, rechtfertigt sich über zahllose Zeilen und sieht erwartungsgemäss nicht davon ab, noch ein paar giftige Pfeile in Richtung des Herrn B. abzuschiessen. Eine Meinungsverschiedenheit via Leserbriefe ausgetragen – das war also damals nicht anders wie heute. Bemerkenswert an diesem Beispiel ist allerdings, wie viel Platz die «Neue Zuger-Zeitung» dieser Sache einräumt.