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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Zug zeigt Herz für Cholera-Opfer

Während sich auf der Bühne der Weltpolitik der Papst und Garibaldi zanken, leidet im Oktober 1867 die Stadt Zürich unter dem Ausbruch der Cholera. Doch auf die Unterstützung der Zugerinnen und Zuger ist Verlass.
Christopher Gilb
Ein grosser Schnupfer

Ein grosser Schnupfer

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

«Einladung zur Hilfeleistung», lautet die erste Überschrift der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 5. Oktober 1867. «Es ist allgemein bekannt, wie hart und schwer die Nachbarstadt Zürich und die umgebenden Ortschaften von der asiatischen Brechruhr oder Cholera heimgesucht wurden. Über 400 Menschen sind der Seuche erlegen und über 700 an ihr erkrankt», schreibt die Redaktion an die Adresse ihrer Leser. Ferner sei bekannt, «dass die Krankheit vorzugsweise in den Hütten der Armut und in den Wohnungen der hart arbeitenden, vom täglichen Dienst lebenden Bevölkerung ihre Einkehr genommen hat». Darum erkläre sich die Redaktion des Blattes gerne bereit, milde Gaben zum Zwecke der Unterstützung von durch die Cholera in Not geratenen Familien in Empfang zu nehmen, Rechnung zu erstatten und die Liebesgaben, wie zu dieser Zeit Hilfsgütersendungen genannt wurden, an Diakon Hirzel in Zürich zu geeigneter Verwendung zuzustellen. Des Weiteren freue man sich, berichten zu können, dass der Franziskus-Verein bereits von sich aus 70 Franken zusammengelegt habe.

Wie heute im Jahr 2017, wo kürzlich für das von einem Felssturz getroffene Dorf Bondo innerhalb kurzer Zeit bei der Glückskette fünf Millionen Franken eingingen, war also schon damals die überkantonale Spendenbereitschaft in der Schweiz gross. Die Cholera und ihre Folgen sind immer wieder ein Thema im Oktober 1867. Am 12. Oktober ist zu lesen, dass auf Antrag des Stadtrates die Gemeinde Zug eine Gabe von 250 Franken an die Cholerageschädigten in Zürich bewilligt hat. Am 19. Oktober kann dann vermeldet werden, dass die Cholera nun «gottlob», so gut als erloschen sei. Es habe keine neuen Erkrankungen und kein Todesfall mehr gegeben. Insgesamt seien in Zürich 100000 Franken an baren Liebesgaben eingegangen. Am 26. Oktober geht es schon um die finanziellen Konsequenzen der Plage. Die schweizerische Rentenanstalt habe trotz ihrer starken Beteiligung in Zürich nur wenig durch die Cholera gelitten. Sieben ihrer Versicherten seien daran gestorben, deren Versicherungssumme im ganzen 7295 Franken betragen habe.

Garibaldi kommt nicht bis Rom

Ein anderes wiederkehrendes Thema im Oktober vor 150 Jahren ist der Kampf des Giuseppe Garibaldis, von dem der Chronist der Zuger Zeitung alles andere als ein Fan ist. «Garibaldi, der vor wenigen Tagen auszog, den Fuss aufs Capitol zu setzen, sitzt nun wieder auf Caprera», meldet er am 5. Oktober nicht ohne Schadenfreude. Mahnt dann aber: Dieses Ereignis dürfe man nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Bekanntlich hatte Garibaldi versucht mit einigen Freischaren erneut Rom einzunehmen, wurde aber zurückgeschlagen. Dann zeigt der Chronist ein wenig, Hang zum Übersinnlichen: «Und darum verzagen wir nicht und betrachten es als einen Wink von oben, dass derjenige, welcher das Papsttum als verfallen erklärt, gerade zuerst den morschen Schädel an dem alten Felsen einstösst.» In der Ausgabe vom 26. Oktober schreibt der Chronist dann aber fast nur noch pessimistisch zur Zukunft des Papsttums in der ewigen Stadt: «Wir glauben nicht mehr manche Wochenchronik zu schreiben bis zu dem Punkte, wo wir mitteilen müssen: Pius IX. hat Rom verlassen und sich nach ... begeben!», schreibt er, lässt also aber noch offen wohin. Denn wie berichtet, sei der Zug der Freischärler zu den Grenzen und über die Grenzen des Kirchenstaates lebhaft im Gange, und die italienische Regierung habe diesen zudem möglichst befördert. «Das Ziel war klar. Sie umdrängen Rom immer enger, bis man endlich Anlass hat, die Truppen einrücken zu lassen», so das Fazit des Chronisten.

Etwas Erfreuliches wird hingegen bereits in der Ausgabe vom 19. Oktober, über das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten vermeldet. «Herr Bundesrat Dubs, der unermüdliche Chef des Postdepartements, hat zwei neue Verträge mit den Vereinigten Staaten abgeschlossen. Das Briefporto wird nach diesen auf 80 Rappen herabgesetzt, nachdem es bis jetzt 1.30 Franken betrug. Dies ist eine ungeheure Erleichterung.» Wie eine ungeheure Erleichterung muss es sich auch für einige Arbeiter in Baar anfühlen, als die dortige Fabrikdirektion, wie die «Neue Zuger Zeitung» am 26. Oktober berichtet, beschliesst für ihr Personal ein grösseres Quantum Kartoffeln, Reis und Polenta zu günstigeren Preisen anzukaufen. Auf heimisches Obst dagegen muss im Herbst 1867 wohl weitgehend verzichtet werden. Denn wie die «Neue Zuger Zeitung» bereits am 12. Oktober vermeldet, richtete ein schwerer Schneefall Anfang Oktober schweren Schaden an den Obstbäumen an. Manche seien so verunstaltet, dass es Jahre brauchen werde, bis sie sich wieder erholen würden.

Ein grosser Schnupfer

Dänemark Wie die «Neue Zuger-Zeitung» vermeldet, hat der kürzlich in Dänemark verstorbene Landgraf von Hessen seinen Erben nicht weniger als 500 Schnupftabakdosen hinterlassen. Aus diesen habe er nach einer bestimmten Reihenfolge zu schnupfen gepflegt. Der Autor kommt zum Schluss, dass es sich bei von Hessen um einen grossen Mann gehandelt hat – im Schnupfen.

Fürs Frauenzimmer

Zug Ein Bekleidungsgeschäft beim Baarerthor macht darauf aufmerksam, dass es wieder Frauenzimmermäntel im Angebot habe, und zwar in allen Stoffen und in verschiedenen Schnittarten zum Preis von 24 bis 60 Franken. Heutzutage wäre wohl von Damenmäntel die Rede.

Die beste Spritze

Menzingen 13. Oktober 1867: Die Gemeinde Menzingen unterzieht ihre neue Saug- und Druckspritze einer Hauptprobe. Der Text des Autors ist ein einziger Lobgesang auf diese. So schreibt er an die Adresse von Hünenberg, wo diese zu einem «Stell dich ein» eingeladen wurde. Man werde der Hünenberger Spritze nicht nur in nichts nachstehen, sondern sie noch weit übertreffen.

Wagemutige Retter

Wallis Eine Gruppe hat gehofft noch vor Einbruch der Nacht das Hospiz St. Bernhard zu erreichen, wurde aber von einem Gewitter überrascht. Eine davon erschreckte Dame wurde von einem Schwindel erfasst und stürzte deshalb in den Abgrund. Drei Mönche mit Hunden eilten ihr vom Hospiz zur Hilfe. Die, wies scheint, an Wagemut nicht zu übertreffen waren. So hätten sich erst die Hunde in die Tiefe gestürzt und ihrem Gejaule folgend dann auch die Mönche. Es gelang, die Dame zu retten.

Böse Schleppenröcke

Österreich In Wien existiert ein geheimer Bund, der es sich zum Auftrag gemacht hat, die langen Schleppenröcke der Frauen durch Drauftreten zu zerreissen. Ziel dieser Aktionen sei es, dass auf diese Mode verzichtet wird. Derartige Röcke würden nicht nur den Strassenverkehr behindern, sondern auch Augen und Lungen durch das Aufwirbeln «grandioser» Staubmassen gefährden.

Bedauerlich fürs Land

Bayern Die Heirat zwischen Ludwig II. von Bayern und Herzogin Sophie scheiterte. Dies zum Bedauern des Autors der «Neuen Zuger-Zeitung». Er bedauert dies jedoch nicht wegen der Braut sondern des Landes und des Königs. Denn Sophie hätte diesen «leichtsinnigen» König im Zaum gehalten.

Gerücht oder nicht?

Baar In einer Anzeige in der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 19. Oktober meldet sich Metzger Brunner aus Baar zu Wort. Ihm sei zu Ohren gekommen, das gewiefte Freunde das Gerücht gestreut hätten, er habe seine Metzgerei geschlossen. Dies sei eine unverschämte Lüge. Nun stellt sich aber die Frage, ob das mit dem Gerücht nicht einfach eine Werbemasche ist. Denn der schlaue Metzger zählt in der Anzeige sogleich seine breite Angebotspalette auf, mit der er sich «dem Publikum höflichst empfehle».

Das Rind im Keller

SolothurnWie die «Neue Zuger-Zeitung» vom 5. Oktober 1867 vermeldet, sei zwei Jahre zuvor in Solothurn auf rätselhafte Weise ein Rind verloren gegangen. Die Suche verlief im Sand. Nun wurde es tot in einem Keller gefunden, der wegen polizeilicher Weisung gereinigt werden musste. Die Frage bleibt nur: Wie kam es dorthin?

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