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SCHLAGZEILEN VON DAMALS: Zuger im Banne der Milch und der Stiere

Den Chronisten der «Neuen Zuger Zeitung» beschäftigt im März 1867 die Einheit Deutschlands. Doch er schreibt auch über die Geburt eines Weltkonzerns im Kanton Zug und zeigt auf, warum es den Stierenmarkt gibt.
Charly Keiser
Ausgabe der Neuen Zuger Zeitung aus dem Jahr 1867. (Bild: Screenshot)

Ausgabe der Neuen Zuger Zeitung aus dem Jahr 1867. (Bild: Screenshot)

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Er habe sich – als er die Feder zur Hand genommen habe – besonnen, ob er in dieser Woche auch eine Chronik machen solle oder nicht, beginnt der Schreiber der «Neuen Zuger Zeitung» Anfang März mit seinen Aufzeichnungen. Denn er wisse gar wohl, dass vermutlich die Mehrheit seiner Leser, und wenn er Leserinnen habe, erst recht, lieber das Ende der Zeitung suchen, wo der fliegende Frack zu sehen und die Ankündigung der Fasnachtsfreuden zu lesen seien. «Vielleicht wird die Wochenchronik dann am Aschermittwoch gelesen, wenn der Taumel der wilden Tage vorüber ist.» Und diese passe sowieso trefflich auf den Beginn des Fastens.

Der Chronist berichtet in der Folge von der Rede des preussischen Königs, die dieser vor dem Reichstag hielt und in der er die Herrlichkeit des alten Deutschen Reiches preist, «als es von starken Händen geleitet und einig die Schicksale Europas beherrschte. Ich hege das Vertrauen zu Gott, dass die Nachwelt im Rückblick auf die gemeinsamen Arbeiten nicht sagen werde, die Erfahrungen der früheren misslungenen Versuche seien ohne Nutzen für das deutsche Volk geblieben; dass vielmehr die Kinder mit Dank auf diesen Reichstag als den Begründer der deutschen Einheit, Freiheit und Macht zurückblicken.»

Auch in Österreich hänge gegenwärtig die Lebensfrage, die Frage um Sein oder Nichtsein, davon ab, ob die verschiedenen Völkerschaften es dahin bringen, möglichst selbstständig, nur zur Wehr nach aussen geeint, Einheit in der Vielheit zu erreichen, schreibt der Chronist. «Darin liegt die Rettung Österreichs.» Aber diese Richtung liege nicht im Geiste des französischen Kaisers und nicht im Geiste des preussischen Königtums.

Die preussische Thronrede habe übrigens nicht verfehlt, in Frankreich tiefen Eindruck zu machen, berichtet der Chronist weiter. Er teile die Meinung anderer Blätter, dass sich die Rede vor allem durch ihren friedlichen und gemässigten Charakter auszeichne. Die «Gazette de France» fasst zusammen: «Das Nordparlament ist nur wieder eine Station zur deutschen Einheit, und Preussen wird diese Einheit zustande bringen.» Und es heisst weiter: Italien rüste «ziemlich starke» Geschwader aus, und die Engländer «rüsten sich still». Sie hätten in Frankreich 50 000 Chassepot-Gewehre bestellt.

Vom Laboratorium in Cham zum Nahrungsmittel-Multi

Es werde den Lesern dieser Zeitung bekannt sein, dass sich Ende letzten Jahres eine amerikanisch-schweizerische Gesellschaft zur Bereitung von kondensierter Milch gebildet habe und dass dieselbe ihr Laboratorium in Cham, Kanton Zug, aufschlage. Mit diesen Worten berichtet der Chronist von nicht Geringerem als der Geburt der grössten Schweizer Firma, dem Nahrungsmittel-Multi Nestlé. Mit der «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» im Jahr 1866 wurde in Cham die erste Kondensmilchfabrik Europas eröffnet. In Vevey entwickelte Henri Nestlé 1867 eine bahnbrechende Säuglingsnahrung. 1905 fusioniert das von ihm gegründete Unternehmen mit Anglo-Swiss und bildet das heute als Nestlé-Gruppe bekannte Unternehmen.

Der Chronist schreibt im März 1868 weiter: «Wie verlautet, wird da die Milch mittels eines sinnreichen Apparates in luftverdünntem Raume bis auf einen Fünftel ihres Volumens eingedampft und das Produkt, das Sirup-Konsistenz besitzt, in Blechbüchsen in die weite Welt über Land und Meer versandt. Wird demselben dann am Bestimmungsort das nötige Wasser zugesetzt, so hat man wiederum die vollkommene, frische Kuhmilch. Das Geschäft soll gut gehen und in einem solchen Massstabe angelegt sein, dass später die Milch von zirka 1000 Kühen verarbeitet werden kann. Man wird begreifen, welch ungeheuren Einfluss dieses Institut auf unseren spezifisch viehzuchttreibenden Kanton haben wird.»

Ein nicht minder wichtiges Moment in dieser Beziehung bildet eine andere Frage, welche vom landwirtschaftlichen Verein an seiner letzten Sitzung behandelt wurde. Schon an der ordentlichen Herbstversammlung 1866 wurde die Motion gestellt und erheblich erklärt: «Es sei der Vorstand des Vereins zu beauftragen, bis zur nächsten Versammlung Bericht zu hinterbringen, ob es zweckmässig sei, durch Prämierung von Zuchtstieren den Viehhandel zu ver­bessern; und im bejahenden Falle Mittel und Wege anzugeben, wie dies zu bewerkstelligen sei. Der Vorstand sah die Wichtigkeit solcher Prämierungen freilich ein; denn die ausgezeichneten Resultate, welche die Stadtgemeinde Zug schon seit Jahren mittels jährlichen Prämien von 1200 Franken – auf fünf Stiere verteilt– erhalten, mussten auch dem Blindesten die Augen öffnen.»

Die Geschichte ist bekannt: 1938 verlegt der Schweizer Braunviehzuchtverband seinen Sitz von Luzern nach Zug, wo heute der Stierenmarkt beheimatet ist.

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