Schloss Schwandegg in Menzingen: Ein Kraftort mitten in den Moränenhügeln

Die Europäischen Denkmaltage 2020 haben viele Besucher an unterschiedliche Orte im Kanton Zug gelockt, darunter auch in die Schwandegg bei Menzingen. Die Geschichte des historischen Gebäudeensembles ist ausgesprochen abwechslungsreich.

Hansruedi Hürlimann
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Ein wahres Baujuwel: Schloss Schwandegg in Menzingen.

Ein wahres Baujuwel: Schloss Schwandegg in Menzingen.

Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 13. September 2020)

Dank des herrlichen Spätsommerwetters konnten die Mitglieder der kantonalen Denkmalpflege die Renovationsarbeiten im Freien erläutern. Es handelt sich um die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Jägerstube und die 1938 erbaute neugotische Kapelle. Moderne Denkmalpflege gehe weit über das Bewahren und Schützen von historisch wertvollen Bauten hinaus, sagte Nathalie Wey vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie einleitend. Es beinhalte immer stärker die Mitwirkung im Rahmen von Modernisierungen und Sanierungen. In diesem Fall einerseits die Besitzer, die Priesterbruderschaft St.Pius X. (siehe Box) und Josef Suter als Fachmann für den Holzbau.

Eine Gemeinschaft von Traditionalisten

(hrh) Das Schloss Schwandegg ist das Generalhaus, welches die Priesterbruderschaft St. Pius X. im Jahre 1990 erworben hat. Im Priorat Mariä Verkündigung, wie es sich nennt, werden am Sonntag und auch werktags heilige Messen und Andachten gefeiert. Die Gemeinschaft umfasst Priester, Brüder und Schwestern und ist der katholischen Tradition verpflichtet. 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, hält die Gemeinschaft an Riten und Lehren der römisch-katholischen Kirche fest, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) aus ihrer Sicht aufgegeben hat. Sie lehnt deshalb die Liturgiereform als «modernistisch» ab und betrachtet sich als Bewahrerin der «authentischen katholischen Lehre».

Das gilt namentlich für die Jägerstube, deren Holzkonstruktion wieder in Stand gestellt werden konnte und mit dem Einbau von zwei Oratorien (Gebetsräumen) eine neue Nutzung erhält. Wie Olivia Fontana, Fachfrau für die Farbgestaltung, aufzeigte, war es nicht ganz einfach, die Farbgebung im Innern in ihrer Ursprünglichkeit wiederherzustellen. Das galt in einem ähnlichen Ausmass für das Innenleben der Kapelle, deren Wände verschmutzt und zum Teil verschimmelt waren. Nach der Restaurierung erstrahlt der Innenraum nun in neuem, aber keineswegs überbordendem Glanz. Dies vor allem auch dank der erneuerten Glasfenster, die «eine ganz besondere Farbstimmung erzeugen», so die Fachfrau.

Ein historisches Gebäudeensemble: Schloss Schwandegg.
7 Bilder
Die sogenannte Jägerhalle.
Ein historisches Gebäudeensemble: Schloss Schwandegg.
Michael Cerezo erzählt den Besuchern über die Renovationsarbeiten.
Die renovierte Kapelle erstrahlt in neuem Glanz
Nathalie Wey vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie zeigt eine alte Fotografie aus der Geschichte der Schwandegg
Das innere der renovierten Jägerhalle.

Ein historisches Gebäudeensemble: Schloss Schwandegg.

Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 13. September 2020)

Der adelige Name verpflichtet

Zusammen mit dem bereits renovierten Haupthaus, dem Schloss, und dem neuen Schwesternhaus strahlt die Schwandegg eine Eleganz aus, die man in der Menzinger Moränenlandschaft nicht wirklich erwartet. Noblesse oblige ist man versucht zu sagen, auch mit Blick auf die Entstehung des Anwesens. Allerdings sei der Schlossbegriff nicht adeligen Ursprungs, sondern habe sich als Legende eingebürgert, sagte Michael Cerezo, der die geschichtliche Entwicklung aufzeigte. Karl Josef Arnold, Bauer und Gründer, hatte sich einen Namen als Naturheiler gemacht. Er erlebte trotz der Skepsis der Behörden einen derartigen Zulauf, dass er seinerzeit «als reichster Menzinger» galt. So entstand 1839 mitten in der Natur das erste Zuger Kurhaus, das weit über den Kanton hinaus Gäste anlockte. Sein Sohn modernisierte die Anlage und erweiterte sie mit einem Kurpark und Attraktionen wie einer gedeckten Kegelbahn oder einem Schützenstand. Eines der Bilder, die zur Illustration vorlagen, zeigt sogar einen kleinen See, zu dem die Jägerstube als Badehaus diente.

Vom Kurhaus zum spirituellen Zentrum

Während des Ersten Weltkrieges blieb das Ganze geschlossen und wurde nach Kriegsende als Erholungsheim unter der Leitung der Menzinger Schwestern neu eröffnet. Ab 1979 diente die Jägerstube den Zürcher Sängerknaben als Übungslokal und die Kapelle als Ort für ihre Auftritte.

1990 erwarb die Priesterbruderschaft St.Pius X. das Anwesen und machte es zu ihrem Generalhaus. In der Kapelle gibt es am Sonntag um 9.30 Uhr jeweils einen Gottesdienst und an den Werktagen wird um 7.15 Uhr eine heilige Messe gelesen. Laut Bruder Konrad hat es jeden Morgen Besucher, die daran teilnehmen, bevor sie danach zur Arbeit gehen.