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Schloss Schwandegg in Menzingen: Ein verstecktes Bijou, das gepflegt wird

Für die Sanierung der Kapelle und der Jägerstube der Anlage ist ein Baugesuch eingereicht worden. Miteinbezogen wird dabei auch die kantonale Denkmalpflege. Denn die Geschichte der Anlage geht bis ins 18. Jahrhundert zurück.
Carmen Rogenmoser

Schloss Schwandegg – sofort fällt man ins romantische Träumen von Pferdekutschen, langen Ballnächten, silbernem Besteck und Kristallgläsern. Tatsächlich hat die schlossartige Anlage, die im Weiler Schwandegg etwas ausserhalb von Menzingen liegt, einiges zu bieten: ein repräsentatives Haupthaus, eine eigene kleine Kapelle sowie einen Pavillon, die «Jägerstube», und eine Dependance als Wohnhaus. Ebenfalls zum Komplex gehören eine Garage und etwas weiter entfernt ein sogenannter Monopterus, ein Aussichtspavillon, der in einem verwilderten Park liegt. Das Haupthaus mit Türmchen stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die restlichen Gebäude folgten nach und nach. Das ehemalige Kurhaus und Hotel dient heute der Priesterbruderschaft St. Pius als Generalhaus (Infobox).

Das Schloss Schwandegg mit der Kapelle im Vordergrund (Bilder: Stefan Kaiser, Menzingen, 20. Mai 2019)

Das Schloss Schwandegg mit der Kapelle im Vordergrund (Bilder: Stefan Kaiser, Menzingen, 20. Mai 2019)

Ein solches Anwesen muss gepflegt werden. Insbesondere wenn die Gebäude denkmalgeschützt sind oder mindestens eine Unterschutzstellung in Frage kommt. So liegt bei der Gemeindeverwaltung Menzingen ein Baugesuch für die Sanierung der Kapelle und der Jägerhalle öffentlich auf. Die Einsprachefrist dauert noch bis am 29. Mai.

Wärmedämmung und Erhalt der Bausubstanz

Laut Baugesuch wird für die Kapelle eine wärmetechnische Verbesserung sowie eine Verschönerung des Innenraums angestrebt. «Es gibt keine sichtbaren Veränderungen an der Fassade», heisst es. So wird etwa die Dachkonstruktion besser isoliert, ohne von aussen mehr Aufbau zu erhalten. Der Boden soll neue Fliesen erhalten und der Putz an den Wänden und der Decke wird ausgebessert. Der ganze Innenraum erhält einen Anstrich. Die Jägerhalle hingegen wird auch von aussen saniert. So erhält das Dach eine neue Isolation. Die drei Dachfenster und das Cheminée mit Kamin werden abgebrochen. Ziel ist es, dass der Pavillon künftig zu jeder Jahreszeit genutzt werden kann. Die Verbindungstür zwischen Pavillon und Heizung weicht einer neuen Aussentür. Der Dachschiefer aus Eternit wird durch eine Ziegeleindeckung ersetzt. Zudem werden die Holzfassade mit all den Verzierungen und der Sockel ausgebessert und neu gestrichen. Im Innern erhält der Boden einen komplett neuen Aufbau inklusive Fussbodenheizung.

Der Pavillon mit der Jägerstube und die Kapelle St. Elisabeth.

Der Pavillon mit der Jägerstube und die Kapelle St. Elisabeth.

«Durch die Sanierung werden die beiden schützenswerten Gebäude in ihrer Bausubstanz gesund erhalten und eine bessere Nutzung wird für die Eigentümerschaft möglich.»

Das heisst es im entsprechenden Gesuch. Der kulturelle Wert der ganzen Liegenschaft bleibe für die nähere Zukunft gesichert. Ausgeführt werden die Arbeiten von der Suter Projekt AG in Muotathal. Eine enge Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege ist dabei unumgänglich, insbesondere, da sich die beiden Objekte im Verfahren zur Unterschutzstellung befinden. «Der Pavillon, 1908 als Musikpavillon mit angebauter Jägerstube errichtet, ist ein zeittypisches Beispiel von Kurarchitektur anfangs des 20. Jahrhunderts», geht Franziska Kaiser, kantonale Denkmalpflegerin, weiter ins Detail. Ebenso sei er Ausdruck der Blütezeit der Hotellerie um die Jahrhundertwende, als Johann Hegglin den Kurbetrieb auf Schwandegg in einen zeitgemässen Gästebetrieb umwandelte. Die historische Architektur des Pavillons «mit ihren barockisierenden Zierelementen, die sich wiederum an den benachbarten Hauptbau anlehnen und so eine Referenz zur Tradition des legendären Jagdschlosses herstellen, machen seine Besonderheit aus», erklärt Kaiser.

Auch die Bedeutung der neubarocken Kapelle St. Elisabeth ordnet die Denkmalpflegerin ein: Sie wurde 1938 von Baumeister Emil Reggiori aus Cham erbaut und ist vom Heimatstil geprägt. Im Äussern sei sie schlicht, für das Ensemble aber prägend. «Zu den wichtigsten bauzeitlichen Elementen gehören neben den Figuren an der Chorwand vor allem die Glasmalereien, die für die Wirkung des Innenraums prägend sind», erklärt Franziska Kaiser. Sie gehören zu den wenigen erhaltenen sakralen Glasmalereien der 1930-er-Jahre im Kanton Zug.

Bund und Kanton beteiligen sich voraussichtlich

Die Zusammenarbeit mit den Eigentümern, die für die «Zuger Zeitung» nicht erreichbar waren, sei konstruktiv, so Kaiser. «Die bis jetzt geführten Gespräche und Vorabklärungen waren in gutem und gegenseitigem Einvernehmen.» Die Kosten für die Sanierungsmassnahmen belaufen sich laut Baugesuch auf rund 200 000 Franken. Das Projekt wird voraussichtlich mit einem Bundes- und Kantonsbeitrag unterstützt. «Jedes Bauvorhaben, bei dem substanzerhaltende Massnahmen an geschützten Baudenkmälern vorgenommen werden, hat gemäss Zuger Denkmalschutzgesetz Anspruch auf Beiträge der öffentlichen Hand», erklärt Franziska Kaiser. Diese betragen 30 Prozent der Kosten für die Massnahmen, die diesem Erhalt dienen.

«Im Fall des Pavillons mit Jägerstube und der Kapelle Schloss Schwandegg ist aber das Unterschutzstellungsverfahren noch nicht abgeschlossen.»

Auch sei noch kein Gesuch für die Restaurierungsbeiträge eingereicht worden. Wann die Arbeiten in Angriff genommen werden und wie lange sie dauern, dazu war von der Eigentümerschaft nichts zu erfahren.

Vom Adelssitz zum Generalhaus

Bei der Schwandegg handelt es sich vermutlich um ein 1742 abgebranntes Jagdschloss der Edlen von Wädenswil. Das ist dem Inventarblatt der kantonalen Denkmalpflege zu entnehmen. Der Grundbesitz mit einem Bauernhaus gehörte seit dem späten 18. Jahrhundert der Familie Arnold, die als Tier- und Naturärzte auftraten. Karl Josef Arnold baute die Ruine 1839 in Form eines Schlösschens als Kurhaus wieder auf. 1900 erwarb der spätere Obergerichtspräsident Johann Hegglin das Kurhaus und führte es als Hotel unter dem Namen «Schloss Schwandegg» weiter – so ist die Fassade auch heute noch beschriftet. Das schlossähnliche Aussehen verleiht dem Gebäude insbesondere der mit Spitzhelm und Wetterfahne bekrönte Turm auf der Südseite.

Im Ostgiebel ist zudem die Darstellung eines Zuger Fähndrichs mit «Peter Kolin» untertitelt. Der Saal im Parterre hat neugotisch ausgemalte Wandfelder und eine verzierte Balkendecke. Als Folge des 1. Weltkriegs ging der Hotelbetrieb ein. Daraufhin hat die Hilfsgesellschaft Menzingen das Gebäude als Erholungsheim übernommen. Von 1983 bis 1991 diente es den Zürcher Sängerknaben als Erholungs- und Bildungsstätte. 1991 erwarb die Priesterbruderschaft St. Pius das Anwesen. Das Haupthaus ist seit 2016 denkmalgeschützt. Die Gemeinschaft lebt sehr zurückgezogen auf dem Anwesen.

Die Dependance (1839 gebaut und 1990 umgebaut) sowie der Monopteros (1905 gebaut, 1986 wurde die Kuppel erneuert) gehören zum Inventar schützenswerter Objekte. Die Garage (von 1912) sowie das Schwesternhaus (2010 gebaut) sind weder geschützt noch im Bauinventar erfasst. Das Schloss selber wurde 2015 letztmals einer Aussensanierung unterzogen. «Es ist in einem guten Zustand», weiss Denkmalpflegerin Franziska Kaiser.

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