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Kommentar

Schluss mit Sägemehl

Redaktorin Laura Sibold über die Esaf-Euphorie und jene, die diese nicht in jeder Form teilen.
Laura Sibold
Laura Sibold, Redaktorin Zuger Zeitung

Laura Sibold, Redaktorin Zuger Zeitung

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest – liebevoll mit Esaf abgekürzt – ist seit Monaten in aller Munde. Nichts anderes beherrscht die Schlagzeilen in der Zentralschweiz derzeit so stark wie das Eidgenössische, welches nach 1943 und 1961 zum dritten Mal im Kanton Zug stattfindet. Der Grossanlass mit bis zu 350000 Schwingfans bietet bereits im Vorfeld viel Potenzial für die Medien.

Von der Baustellen-Führung und Interviews mit dem Organisationskomitee über die Ehrendamen-Reportage bis zum Spaziergang mit dem Siegermuni Kolin – wer zurzeit Zeitung liest, Radio hört oder fernsieht, kommt um das Schwingfest vom 23. bis 25. August nicht herum. Und jeder will ein Stück vom ­Kuchen haben. Längst ist die Wirtschaft auf den Zug aufgesprungen, es werden fleissig Edelweiss-Hemden und Schwingröcke verkauft, Esaf-Songs inszeniert oder im Detailhandel Schwingerrabatte gewährt. Bereits hat sich reichlich Prominenz für das Eidgenössische angemeldet, sodass in Zug ein regelrechtes Schaulaufen stattfindet.

Neben der grandiosen, aber dauerhaften Bewerbung des Esaf, die dazu führt, dass mir das Sägemehl jetzt schon zu den Ohren rauskommt, stellt sich noch eine andere Frage: Wie nachhaltig ist die Schwing­freude im Kanton Zug? Zu sehr erinnert sie mich an die Fussball-Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Russland. Auch da wurde jeder plötzlich zum Fussballfan und trug stolz ein rotes «Schwizer Natilibli» zur Schau. Als die Schweiz dann im Achtelfinal gegen Schweden ausschied, verschwanden die patriotischen Embleme schnell wieder in der Schublade.

Klar, Fussball ist nicht Schwingen und auch ich kann mich der Faszination für den Schwing-Sport nicht ganz entziehen. Die «Bösen» im Sägemehl, untermalt von sanften Alphornklängen – das ist Schweizer Tradition pur. Gebannt habe ich das Rigi-­Schwinget im Fernsehen mitverfolgt, und ich kann einen Sennenschwinger von einem Turnerschwinger unterscheiden. Bei über 300 Schwung­variationen ist bei mir dann aber nach dem «Kurz» und dem «Brienzer» Schluss mit dem Mitreden. Und das ist auch gut so! Nicht jeder muss die mediale Euphorie teilen und zum grossen Schwingfan mutieren!

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