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Schlussklang der 37. Orgeltage

Tamás Kosóczki überzeugte am Mittwochabend an der Orgel in der Pfarrkirche Cham mit einem kontrastreichen Programm. Die Internationalen Zuger Orgeltage 2019 haben mit ihm einen würdigen Schluss gefunden.
Haymo Empl
Sein Spiel überzeugte: Tamás Kosóczki an der Orgel in der Pfarrkirche Cham. (Bild: Maria Schmid, 26. Juni 2019)

Sein Spiel überzeugte: Tamás Kosóczki an der Orgel in der Pfarrkirche Cham. (Bild: Maria Schmid, 26. Juni 2019)

Die Pfarrkirche St. Jakob fungierte für einmal nicht als Schutz vor allerlei christlichem Ungemach, sondern ganz banal vor der Gluthitze des heissen Mittwochabends – und als Haus irdischer Freude am Orgelspiel von Tamás Kosóczki. Der begnadete Ungar trat im Rahmen der alljährlichen «Internationalen Zuger Orgeltage» auf und begeisterte das Publikum. Am 28. April startete diese Konzertreihe und gastierte in diversen Gemeinden – hochkarätige internationaler Musiker rissen nicht nur Anhänger von sakraler und weltlicher Musik mit, sondern schlicht alle Musikbegeisterten.

Am Mittwoch nun der Abschluss – den Auftakt bildeten ungarische Tänze aus dem 17. Jahrhundert, arrangiert von Ferenc Farkas. Der im Jahr 2000 verstorbene ungarische Komponist hatte es bei dieser Musik nicht dezidiert auf moderne Musik abgesehen, sondern setzte auf interessante Arrangements mit klangvollem Charme, ohne die Rezipienten verstören zu wollen. Trotzdem wäre das Attribut «gefällig» falsch, denn die 5-sätzige Suite, die den Auftakt am Mittwoch bildete, war selbstbewusst, spannend und in der Darbietung von Tamás Kosóczki einzigartig.

Orgel pur und unverfälscht

Bei Orgelkonzerten ist es ja so eine Sache: Man ist sich mittlerweile gewohnt, dass bei einem Konzert nicht nur eine akustische Stimulation erfolgt, sondern auch eine visuelle. Dies fällt bei der Kirchenorgel naturgemäss weg, denn diese befindet sich ja hinter dem Zuhörer. Dadurch fehlt eine Ablenkung, und man konzentriert sich als Zuhörer unweigerlich komplett auf die Musik. Jeder Fehler, jeder falsche Ton ist sofort wahrnehmbar, und während sich pompöse Orchester hinter dem Glanz der Instrumente verstecken können, ist ein Orgelkonzert unglaublich intim und fordernd – für beide Seiten eine schwierige Situation, denn auch der Organist sieht nicht direkt, wie sein Spiel beim Publikum ankommt. Im Fall von Tamás Kosóczki waren zu Beginn da und dort kleinere Unsicherheiten zu hören, diese legten sich aber bereits nach dem «Intrada» – sprich nach wenigen Minuten.

Dem Umstand des «Nichtsehens» tragen manche Konzerte Rechnung, indem der Organist mittels Beamer und Leinwand in den vorderen Teil des Kirchenschiffs projiziert wird, allerdings ist auch diese Lösung aufgrund der Statik des Bildes unbefriedigend. Wer sich am Konzert also irgendwie ablenken wollte oder musste, hatte das hervorragend gemachte Programmheft zur Hand. Sämtliche Informationen rund um die Komponisten, die Musiker und die Stücke sind in diesem enthalten. Ein Riesenaufwand, wie der künstlerische Leiter Oliver Eisenmann bei der kurzen Einleitung zum Konzert erklärte. Für alle diejenigen, welche sich nicht ablenken lassen wollten, war – und hier wurde man dann etwas konventioneller – Dieterich Buxtehude ein weiteres Highlight des Konzertabends, gilt dieser doch als sicherer Wert. Die Passacaglia in d-Moll ist aber durchaus anspruchsvoll, denn die entsprechenden Abschnitte der Komposition sind durch kurze modulatorische Durchgänge verknüpft. Vier Abschnitte in verschiedenen Tonarten, verbunden durch kurze Übergänge in der Darbietung von Tamás Kosóczki sorgten in dieser Intensität für akustischen Hochgenuss.

Würdiger Abschluss

Mit Johann Sebastian Bach und seiner Fantasie in G-Dur stand ein weiteres Œuvre auf dem Konzertplan – es durfte natürlich nicht fehlen, denn diese Orgelkomposition gilt als eine der meist gespielten weltweit. Spannend wurde dann die «Partitia über das Altarsakramentslied ‹Ich bete zum Grossen Gott›» von Szilárd Kovács. Der zeitgenössische Komponist und Landsmann von Tamás Kosóczki überraschte mit neuer Musik, die doch vertraut klang – in Kombination mit aufregenden, ungewohnten und spannenden Elementen.

Wolfgang Amadeus Mozart mit «Für eine Walze in eine kleine Orgel», gefolgt von der Fantasie in f-Moll, bildete schliesslich den würdigen und krönenden Abschluss der 37. Internationalen Zuger Orgeltage. Und Liebhaber sorgfältig selektionierter Orgelmusik und Klassik dürfen sich freuen: Oliver Eisenmann verkündete am Mittwochabend, dass die Konzertreihe auch nächstes Jahr wieder stattfinden werde.

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