Leserbrief

Schneeballsystem oder Wachstumszwang?

«Arbeitgeberpräsident warnt: 2030 fehlen 700000 Fachkräfte», Ausgabe vom 20. Januar

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Am 31. Januar 2020 wird die EU-Mitgliedschaft für Grossbritannien endgültig Geschichte sein. Der Anlass, warum dieses Referendum überhaupt stattfand, war der Unmut in der Bevölkerung über die von der EU erzwungene Personenfreizügigkeit und in der Folge die Masseneinwanderung Hunderttausender Unqualifizierter und Sozialabhängiger. Die offenen Grenzen werden in den anstehenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen GB/EU bis zum 31. Dezember erneut im Fokus stehen. Die Voraussetzungen lassen ein Veto Boris Johnsons als wahrscheinlich erscheinen, sodass die Verhandlungen vermutlich mit einem «No-Deal-Brexit» scheitern werden. Die EU ist diesbezüglich am kürzeren Hebel. Die Schweiz wird gut daran tun, diese Verhandlungen hautnah zu verfolgen und wann immer möglich von den geschickten Schachzügen eines Boris Johnson zu lernen. In diese entscheidende Phase platzt nun ausgerechnet eine völlig unfundierte Behauptung des Arbeitgeberpräsidenten. Wie kommt er dazu, eine Zahl von 700000 Fachkräften auf 10 Jahre hinaus zu prognostizieren? Geht es um vorauseilende Angstmacherei? Weiss er, dass Deutschland heute schon händeringend Hunderttausende von Fachkräften sucht, die es in Ostländern wie Rumänien und Bulgarien zu rekrutieren hofft, «Braindrain» hin oder her? Ist er sich bewusst, was jährlich 60000 neu zu Integrierende bedeuten (2018)? Sie brauchen 26000 Wohnungen, 54 Schulhäuser, 31500 Autos und vieles mehr. Von diesen Neuzugezogenen arbeiten nicht einmal die Hälfte (47,7 Prozent). Der Rest kommt als Familiennachzug (42000) und hauptsächlich aus dem Asylbereich.

Hat Herr Vogt je von einem Schneeballsystem gehört? Schneeballsysteme (in den meisten Ländern verboten) sind auf unendliches Wachstum unter endlichen Rahmenbedingungen angewiesen. Exponentielles Wachstum in einer Welt begrenzter Ressourcen ist auf Dauer unmöglich und führt zwangsläufig immer zum Zusammenbruch. Beispiele dafür sind das famose Ponzi-System, des European Kings Club (EKC) oder Bernard Madoffs Anlagebetrügereien. Vor diesem Hintergrund würde man es kaum für möglich halten, dass die Eliten unseres Landes wie der Arbeitgeberverband, Economiesuisse, Swissmem, Mitte-links-Parteien und fast der ganze links inspirierte Medienkuchen für den Erhalt unseres «grandiosen» Schneeballsystems mit Namen Personenfreizügigkeit kämpfen.

Diese Oberschicht weiss genau, dass Zwangswachstum nicht jedes Mittel rechtfertigt und früher oder später zum Totalkollaps führt. Was helfen dann ein paar zusätzlich verkaufte Pillen oder medizinische Geräte, wenn die Schweiz bevölkerungsmässig explodiert, völlig zubetoniert und der Verkehr blockiert ist und jeder über 45-jährige inländische Arbeitnehmer im RAV dahinvegetieren muss? Es geht hier nicht um einen Kettenbrief, sondern um unsere Schweiz, unsere Heimat, die kollabieren wird. Solange der Bonus stimmt, ist dies den meist ausländischen Firmenbossen egal, ob aus Eigennutz, Moralismus oder aus Hass gegen den Absender einer Volksinitiative, die SVP. Wie kann man nur so skrupellos sein, die von unserer Bevölkerung über Jahrhunderte verteidigte Demokratie und unsern hart erarbeiteten Wohlstand unter dem Zwang von selbst ernannten, machtgierigen Brüsseler Bürokraten preiszugeben?

Robert Nieth, Walchwil