Schockstarre beenden

Chefreporter Charly Keiser über die Verkehrsprobleme in der Stadt Zug.
Charly Keiser

Charly Keiser

Mit Tempo 30 auf der Grabenstrasse will der Zuger Regierungsrat dem dortigen Verkehrslärm begegnen. Klar ist: Solange der Grossteil der Fahrzeuge mit einem konventionellen Verbrennungsmotor ausgestattet ist, stinkt und lärmt es auf den Strassen. Auch in der Stadt Zug.

Doch was, wenn dereinst alle Autos, Töffs und Lastwagen lautlos durch die Grabenstrasse und die Neugasse fahren? Sind dann die Stadtzuger Verkehrsprobleme gelöst? Wohl nicht. Denn Zugs Problem heisst «Nadelöhr Neugasse» und dessen negativen Auswirkungen auf die Verkehrssituation in der Altstadt – namentlich die des Postplatzes und der Grabenstrasse. Das «Neugass-Problem» existiert seit Jahrzehnten und löst sich sicherlich nicht von selbst.

Was darum baldmöglichst passieren muss, ist, dass sich die Zuger Politiker aus ihrer Schockstarre lösen. Denn seit dem Nein zum Stadttunnel sind bald drei Jahre vergangen, und die Bevölkerung des Kantons wächst, und die Zahl der immatrikulierten Fahrzeuge steigt unaufhörlich. Den Kopf weiter im Sand stecken zu lassen oder auf das Wunder «Tangente» zu warten, ist falsch. Denn die Uhr tickt. Wenn in einigen Jahren eine Lösung existieren soll, muss jetzt gehandelt werden.

Warum nicht einen Tunnel vom Casino zur Gotthard- oder Gubelstrasse an die Hand nehmen? Weshalb nicht prüfen, ob die Vorstadt und die Neu­gasse bei der nächsten Sanierung untertunnelt werden könnten? Wäre es denn überhaupt möglich, den innerstädtischen Verkehr Strasse für Strasse einen Stock tiefer zu legen? Davon ausgenommen wären natürlich der öffentliche Verkehr und die Velos. Was würde eine Tieferlegung kosten? Wie wäre das Etappe für Etappe zu realisieren?

Gefragt sind Ideen und ein breiter Diskurs. Werte Stadtzuger Kantonsräte: Beendet Schockstarre und Denkpause des Stadt- und Regierungsrats. Denn am Anfang des Stadttunnels 2009 stand eine Motion des Kantonsrats. Mit dem Nein zum Stadttunnel wurde nur eine Schlacht, nicht aber der Krieg ums Nadelöhr verloren.

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