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Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: In Risch auf dem Friedhof Kraft tanken

Unsere Autorin verrät, warum sie oft bei der Pfarreikirche St.Verena in Risch anzutreffen ist.

Tijana Nikolic
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Diesen schönen, ruhigen Spazierweg kenne ich gut von Autofahrten über die Rischerstrasse in Richtung Bowling Center in Meierskappel. Das ist allerdings erst der Teil des Wegs, der über die Autostrasse führt. Die ganze Route, die am See in Buonas startet, entdeckte ich diesen Sommer als gemütlichen Weg, den ich auch zu Fuss bezwingen kann. Denn zugegeben, ich bin nicht wirklich eine grosse Spaziergängerin.

Der Weg entlang der Seepromenade hat viele Bänke, die zum Verweilen einladen.

Der Weg entlang der Seepromenade hat viele Bänke, die zum Verweilen einladen.

Bild: Stefan Kaiser (Buonas, 16. Juli 2020)

Ich starte also an einem sonnigen, späteren Samstagnachmittag an der Seepromenade in Buonas an der Fahrmatten. Obwohl die Promenade sehr klein ist, bietet sie nebst vielen Bänken zum Verweilen, auch eine kleine Grillstelle und sogar ein Seebad. Im Freibad hat es einen kleinen Kiosk mit rund fünf Tischen und ein kleines Holzhaus, das wohl als Umkleidekabine dienen könnte. Genau weiss ich es nicht, denn ich laufe nur daran vorbei und werde von einer jungen Frau zum Reinkommen animiert. Da mir die Mini-Badi etwas zu kuschelig erscheint und sich auf der kleinen Rasenfläche doch einigen Besucher befinden, lehne ich dankend ab und laufe weiter.

Zutritt zum Schloss ist leider verboten

Vorbei am Schiffsteg Buonas, an dem Schiffe aus Cham halten und dann weiter nach Risch oder Oberwil fahren, gehe ich an der Promenade entlang, sehe steinige Ufer und sogar einen Nudisten, der sich hinter dem Schilf halbwegs versteckt. Zu meiner Rechten sehe ich das Schloss Buonas. Dann geht es das einzige Mal auf diesem Weg steil hinauf. Ich laufe etwas ausser Atem neben einem Privatgrundstück vorbei und erhasche einen Blick auf schöne Autos und eine Familie beim üppigen Dinner. Überhaupt ist auf dieser Strecke vieles im Privatbesitz und umzäunt.

Ich komme oben auf der Rischerstrasse an und begebe mich in Richtung Schloss Buonas. Na ja, nicht direkt zum Schloss, das geht ja nicht, aber am Eingangstor zum Anwesen laufe ich vorbei unter den schattenspendenden Bäumen des Wäldchens.

Das Schloss ist heute in Privatbesitz und wurde 1997 vom Chemiekonzern Roche für die Errichtung eines Tagungszentrums erworben. Es ist nicht öffentlich zugänglich. Die zwei Häuser beim Eingang zum Schloss sind ebenfalls schön und schätzungsweise neugotisch. Wie gerne würde ich einen Spaziergang über das Privatanwesen machen. Das denke ich mir an dieser Stelle jedes Mal. Weiter geht es die Rischerstrasse runter, bis das Dorf Risch beginnt. Hier wird man von weitem schon lautstark von zwei kleinen Geissen begrüsst. Ich schätze, es handelt sich um eine Art Zwergziegen, da beide süsse, kleine Stummelbeine haben, mit denen sie das niedrige Gehege nicht überspringen können.

Ausblick von der Pfarreikirche St. Verena aus

Der Ausblick vom Friedhof bei der Pfarreikirche St.Verena.

Der Ausblick vom Friedhof bei der Pfarreikirche St.Verena.

Bild: Stefan Kaiser (Risch, 16. Juli 2020)

Nach der schönen Begrüssung kommt meine Lieblingsstelle dieser Route: Die Pfarreikirche St.Verena. Nicht, dass ich sehr religiös wäre, nein. Es geht mir vor allem um den schönen Friedhof, der sich um die Kirche herum befindet sowie die Aussicht, die sich einem von hier aus bietet. Es dämmert mittlerweile schon. Um diese Zeit bin ich am liebsten hier. Ich schaue runter auf grüne Hügel, grasende Schafe und Boote, die sich im Rhythmus des Zugersees bewegen. Es weht ein leichter Wind und es ist still. Kein Mensch ist zu sehen und ich geniesse die Stille, während ich mich auf den Steinsims des Aussichtspunktes der Kirche lege. Von der heutigen Sonne ist er noch ganz warm. Stundenlang kann ich hier verweilen und meine Batterien aufladen. Nebst dem wunderschönen Ausblick auf den Zugersee und die Berge, erfreue ich mich am Anblick der Blumen, die um und auf den Gräbern wachsen. Jedes einzelne Grab ist so liebevoll hergerichtet und erzählt eine eigene Geschichte. Immer wieder lese ich die Grabinschriften, obwohl ich sie schon so oft gelesen habe. Ich stelle mir vor, wer diese Personen wohl gewesen sind und was sie in ihrem Leben gemacht haben. Da sie jetzt an so einem schönen Ort liegen, denke ich, dass sie ihren Frieden gefunden haben.

Jedes Mal gehe ich nur schweren Herzens von hier weiter. Aber es ist schon langsam dunkel und kühl. Ich laufe eine Runde durch das Dorf und schaue mir die schönen und teilweise beeindruckenden Häuser und Villen auf beiden Strassenseiten an. Auch das macht mir Freude. Diesen friedlichen Spaziergang kann ich jedem empfehlen, der einfach seine Seele baumeln lassen will und Kraft tanken möchte.

In dieser Serie stellen die Autoren der «Zuger Zeitung» ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.

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