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Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: Stufe um Stufe zum Glück in der Stadt

Unser Autor geht mit wachem Blick einen alles andere als alltäglichen Weg vom Zuger Bahnhof in Richtung Altstadt.

Raphael Biermayr
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Die – je nach Tagesform schier unbezwingbar scheinende – Treppe beim «Centro Italiano» ist das Herzstück des Spaziergangs.

Die – je nach Tagesform schier unbezwingbar scheinende – Treppe beim «Centro Italiano» ist das Herzstück des Spaziergangs.

Bild: Maria Schmid (Zug, 6. Juli 2020)

Wie viele Stufen es sind? Manchmal mehr, manchmal weniger – je nach Verfassung. So oder so ist die Treppe neben dem Centro Italiano die Pièce de Résistance des Spaziergangs vom Bahnhof Zug in die Altstadt. In aller Regel wählt der geneigte Flaneur dafür den Weg dem See entlang. Dadurch entgehen ihm aber besondere Flecken der Stadt. Wie eben die genannte Treppe beziehungsweise ihre Umgebung.

Denn nirgends sonst liegen zwei Welten so nah beieinander. Hier die schneidigen Geschäftsleute, die angemessen zügig unter der im Sonnenlicht gleissenden Fassade des City Garden Hotel ein- und ausgehen. Dort die gemütlichen Italiener, die im «Centro» den Fussballkommentator übertönen, oder die sich nach draussen auf billige Stühle bequemen, um zu rauchen. Einst waren sie die Könige dieses toten Winkels der Stadt Zug, als sie in einer überwindschiefen Halle noch dem Boccia frönen konnten.

Aber genug geschwelgt. Die erwähnte Treppe führt ins Guggiwäldli. Auf dem folgenden Plateau herrscht die Wahl der Qual: Unterschiedlich steile Pfade führen entweder in Richtung Loreto, zum Rothusweg oder zu den Terrassenhäusern.

Wer etwas auf sich hält, wählt den Zweitgenannten und geht dafür hinter der Rutschbahn vorbei. Und wer besonders viel auf sich hält, tut dies bei Neumond und ohne künstliche Lichtunterstützung. Denn auf den folgenden knapp 100 Metern ist der Stabreim «Stock und Stein» buchstäblich zu verstehen.

Davon hat auch schon eine Brille gezeugt, die einem – offensichtlich gestolperten Fussgänger – abhandengekommen ist und einen von Zaun her mit glasigem Blick angeschaut hat.

Sensation zur Belohnung auf halber Strecke

Wer die Strecke gemeistert hat, wird mit dem Anblick einer vom Aussterben bedrohten Art belohnt: Eine riesige freie Fläche, die in der Wohnzone liegt! Millionen Grashalme statt Millionen Kilogramm Beton auf der Erde! Mit dem Erreichen dieser Sensation ist fast die Hälfte des Wegs geschafft.

Hier erschöpfen sich die Sehenswürdigkeiten.

Wer aber die Augen offenhält und den Durchgang vom Guggiweg zum Grünring findet, der geht anschliessend immerhin am ersten nur für den Kindergarten genutzten Haus der Stadt Zug vorbei. Jener wurde im Jahr 1939 eingeweiht und ist noch heute in Betrieb.

Nach dem Grünring steht der Spaziergänger wieder am Scheideweg. Zur Fortsetzung bietet sich der Klassiker über das Guggi an, wo der berühmte Aussichtspunkt lockt. In diesem Beitrag soll aber die Schanz zum Zuge kommen. Auf dem Weg dorthin passiert man an der Löberenstrasse ein sehenswertes Herrschaftshaus mit einem nicht weniger eindrucksvollen Nebengebäude. Die nächste Strasse auf der rechten Seite ist die Schanz, die um den Kapuzinerturm führt. Dank des Fahrverbots und wohl auch der gutschweizerischen sozialen Kontrolle ist es hier zu jeder Tageszeit angenehm ruhig, ehe der Trubel um den Postplatz herum einen wieder aus der Versonnenheit reisst.

Abzweigen ins Kapuzinergässli

Schnell weiter also links in die Zeughausgasse, wo nur Einbahnverkehr herrscht. Kurz bevor die nächste Kreuzung erreicht ist, rückt linker Hand eine überdachte Treppe ins Blickfeld. Diese ist frei zugänglich und gehört zum Kapuzinergässli, das zur – ebenfalls öffentlichen – Kirche des Klosters führt. Am Ende des Gässlis befindet sich die Ecke Ägeristrasse/Löberenstrasse und damit das Ziel.

Hier böte sich die Chance, auszutreten – wenigstens als Mann. Denn in die Klostermauer eingelassen ist ein geradezu legendäres Pissoir. Einst wie heute erleichtert es nicht zuletzt die Nachtschwärmer vor dem steilen Weg in die höher gelegenen Quartiere immerhin um einige Gramm Ballast. Doch leider droht auch das bald nur noch eine Erinnerung zu sein. Denn seit der Einführung der Coronaschutzmassnahmen ist das Pissoir unzugänglich, weil die Abstandsvorschriften nicht eingehalten werden könnten, wie die Stadt Zug auf Nachfrage mitteilt. Die Wiedereröffnung sei nicht nur von der Coronasituation, sondern auch von «baulichen und technischen» Aspekten abhängig.

Man kann nur hoffen, dass dieser Spaziergang nicht bald schon ziellos sein wird.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.

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