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Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: Wie aus Widerwillen Liebe wurde

Unser Autor verrät, weshalb ein Rundweg auf dem Zugerberg ein Spaziergang ist, den er im Gegensatz zu seiner Jugendzeit heute sehr gerne macht.

Harry Ziegler
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Ausruhen vor dem Einkehren. Das Paar schaut auf den Hintergeissboden im Hintergrund (rechts).

Ausruhen vor dem Einkehren. Das Paar schaut auf den Hintergeissboden im Hintergrund (rechts).

Bild: Matthias Jurt (Zugerberg, 5.August 2020)

«So, Familie, heute gehen wir etwas in die Natur», pflegten meine Eltern jeweils anzukündigen. Wobei Natur fast immer gleichzusetzen war mit einem Spaziergang auf dem Zugerberg. Als Kind habe ich diesen Rundweg auf dem Zugerberg so etwas von unlustig gefunden – denn meistens mussten wir in den schönen Sonntagskleidern mitmarschieren, was dem Ausleben meiner Lust am Dreck ziemlich hinderlich war. Also nichts mit Spielplatz oder Pfützenspringen. Dröge.

Dass ich später mit der Pfadi auf diesem Rundweg an Vordergeiss- und Hintergeissboden vorbei, verschiedene Abenteuer erlebte, hat meine negative Grundeinstellung zu diesem Weg kaum verändert. Entsprechend bin ich ihn jahrzehntelang nicht mehr gegangen. Bis zu dem Augenblick, an dem meine Familie, mein Hund und ich, sämtliche Grashalme und Unebenheiten auf unseren üblichen Spaziergängen kannten und sich das Gefühl nach wanderbarer Veränderung mehr und mehr ausbreitete.

Ideal, um den Kopf zu lüften

Was mich allerdings dazu brachte, ausgerechnet diesen Rundwanderweg auf dem Zugerberg als Spazieralternative vorzuschlagen – ich weiss es nicht. Aber, je öfter wir diesen Weg gingen, desto grösser wurde die Begeisterung. Was ich so nicht mehr auf dem Radar hatte, war die landschaftliche Schönheit, wenn man einmal die Bergstation und den Vordergeissboden hinter sich gelassen hat. Wenn man dann am Wald vorbei in Richtung grüner Wiesen blickt – echt, man könnte zum Hurra-Schweizer werden. Was aber unter Garantie geschieht, wenn man mehrmals tief ein- und ausatmet: Man entspannt sich, der Kopf wird gelüftet, negative Gedanken werden, nun nicht gerade verdrängt, aber sie rücken in den Hintergrund. Und alles, während man die rund eindreiviertel Stunden dauernde Wanderung (bei gemächlichem Tempo) geniesst.

Heute heisst dieser Rundwanderweg «Hase». Und er ist auch für Menschen, die keine Hardcore-Wanderer sind, bewältigbar. Kinderwagengängig ist er auch. Nur im Abschnitt Räbrüti-Hintergeissboden muss mit dem Kinderwagen einem Drehkreuz ausgewichen werden, was dank der nahen Strasse problemlos möglich ist.

Was diesen Spaziergang für Eltern recht entspannend macht ist einerseits der grosse Spielplatz Schattwäldli sowie die Möglichkeit zur Verpflegung, sollte der Nachwuchs erste Anzeichen von Rumpelsurrigkeit wegen fehlendes Nahrungsmittelangebots zeigen. Hilfe zur Beseitigung desselben bieten die Restaurants zu Beginn und entlang der Strecke: Zugerberg, Vordergeissboden und Hintergeissboden. Und natürlich bieten die Gastronomen auch etwas für die Eltern.

Mir und meinem Hund gefällt die Strecke von Mal zu Mal immer besser. Sie ist ein Beispiel dafür, wie aus ursprünglichem Widerwillen durchaus Liebe werden kann.

Hinweis: In dieser Serie stellen Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.

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