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«Seitenblick»: Schreiberling auf Abwegen

Mitarbeiterin Vanessa Varisco wirft einen «Seitenblick» auf ein in Vergessenheit geratenes Hobby.
Vanessa Varisco
Vanessa Varisco

Vanessa Varisco

Nie – wirklich niemals in meinem ganzen Leben – wollte ich einen Beruf ergreifen, bei dem den ganzen Tag lang geschrieben wird. Nie. Jetzt stehe ich vier Tage die Woche in der Redaktion und schreibe Artikel um Artikel. Meine Pläne, beruflich nicht zu schreiben, haben sich damit in Luft aufgelöst.

Die deterministische Aussage, ich wolle meine Brötchen niemals mit dem Schreiben verdienen, machte ich nicht, weil ich eine Aversion gegen Buchstaben entwickelt habe. Nein, ganz und gar nicht. In jüngeren Jahren habe ich gar zwei Bücher geschrieben. Eines davon unter einem Pseudonym auf den Buchmarkt gebracht und überraschenderweise einige Exemplare verkauft. Ich liebe das Schreiben. Solange ich nicht muss. Und wer beruflich schreibt, der darf nicht immer nur, der muss auch mal.

Und tatsächlich, kurz nachdem ich angefangen habe, in der Redaktion zu schreiben, hörte ich auf, Bücher zu schreiben. Überhaupt einen Stift nach der Arbeit anzusehen, kam mir nicht in den Sinn. Die Trennung kam schleichend und die immer gleichen Ausreden mussten dafür herhalten: Keine Zeit. Keine Kraft. Kein Papier mehr. Der Stift ist alle. Denn geschrieben habe ich die Bücher immer von Hand. Doch der eigentliche Grund, weshalb ich meine Liebelei mit dem Bleistift nicht mehr pflege, besteht wohl darin, dass ich es mir nicht mehr zutraue. Zu lange habe ich es nicht mehr getan. Denn Schreiben ist anstrengend. Kann sogar schmerzen. In den Wahnsinn treiben. Aber doch erfüllen. Ich erinnere mich an die Nächte, in denen mein Bleistift geglüht hat. Ich vergessen habe, wo ich bin und wieso ich bin, weil der Rest der Welt sich aufgelöst zu haben schien.

In wenigen Tagen verreise ich zum allerersten Mal ganz alleine. Das schreit förmlich danach, sich wieder an das Schreiben zu wagen. Wo die spanische Hitze, die verwinkelten Gassen, von denen jede eine Geschichte zu erzählen scheint, die rollenden Wellen und vibrierenden Nächte doch so poetisch wirken können. Und die Ferne so inspirierend.

Der Bleistift ist gespitzt, das Notizbüchlein liegt im Koffer. Nur eins fehlt noch: Mein Mut eine alte Leidenschaft neu zu entfachen.

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