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Ein Baarer Schuhmacher wagt den Neustart

Der Inhaber des Schuh- und Schlüsselservices Yakob schliesst sein Geschäft im Bahnhofgebäude. Obwohl er in einem schwierigen Umfeld tätig ist, will Joseph Yakoub seinem Beruf treu bleiben – und zügelt nach Zug.
Rahel Hug
Der Schuhmacher in seinem Reich: An den Maschinen fühlt sich Joseph Yakoub wohl. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Oktober 2018))

Der Schuhmacher in seinem Reich: An den Maschinen fühlt sich Joseph Yakoub wohl. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Oktober 2018))

Wer bei Schuhmacher Joseph Yakoub im Baarer Bahnhofsgebäude noch ein paar hochwertige Damen- oder Herrenschuhe ergattern will, muss sich beeilen. Bald ist hier nämlich Schluss. Yakoub hat sich entschieden, das Geschäft in Baar aufzugeben und nach Zug zu zügeln. Anfang Dezember wird er den Schuh- und Schlüsselservice Yakob am neuen Standort in Zug, an der Poststrasse 11, eröffnen.

Das Geschäft vis-à-vis des Altersheims Martinspark wird von Tag zu Tag leerer, der Inhaber gewährt Rabatte bis zu 70 Prozent. «Die Damenschuhe will ich alle loswerden», sagt Joseph Yakoub. Am neuen Standort werde er das Angebot stark reduzieren und nur noch eine kleine Auswahl von Herrenschuhen verkaufen. Doch wieso hat sich der gebürtige Syrer entschieden, den Standort zu wechseln? Er erhoffe sich in der Stadt Zug mehr Kundschaft, erzählt er. «Hier bin ich etwas versteckt, trotz der zentralen Lage am Bahnhof.» Die Miete sei nicht der Grund für den Wechsel, ergänzt er. «Die Bedingungen im Bahnhofgebäude sind fair.»

Wegwerfmentalität – auch beim Schuhwerk

Joseph Yakoub, der seit zehn Jahren den Schuh- und Schlüsselservice in Baar führt und zuvor bereits in der Stadt Luzern ein Geschäft hatte, spürt die starken Veränderungen in der Branche. «Der Beruf ist nicht mehr wie früher», erzählt der 55-Jährige. «Heute kaufen die Leute billige Schuhe im Internet, und anstatt sie reparieren zu lassen, kaufen sie lieber gleich ein neues Paar.» Auch klassische Schlüssel seien heute weniger gefragt. «Es kommen vermehrt Karten statt Schlüssel zum Einsatz», erklärt Yakoub.

Noch vor drei Jahren sei das Geschäft in Baar rund gelaufen, blickt er zurück. Danach sei es langsam bachab gegangen. «Vielleicht liegt es auch an der Konkurrenz», sagt Yakoub. In unmittelbarer Nähe befindet sich nämlich das Orthopädiegeschäft Orthorama, das vom Stadtrand ins Zentrum von Baar umgezogen ist. Trotz allem glaubt Joseph Yakoub an eine Zukunft: «Das exakte und sorgfältige Handwerk wird weiter wichtig sein, es gibt nach wie vor viele Leute, denen gute Qualität wichtig ist», sagt er und zeigt teure Lederschuhe, die er für einen Kunden «winterfest» gemacht hat, indem er sie mit einem robusteren Absatz versehen hat. Viele Kunden fragen ihn in diesen Tagen, wie es weitergehe, erzählt Yakoub. Er hoffe natürlich, einige seiner Kunden auch in Zug weiter bedienen zu können.

«Das exakte und sorgfältige Handwerk wird weiter wichtig sein», Joseph Yakoub, Schuhmacher

«Reich wird man als Schuhmacher nicht»

Joseph Yakoub kam im Jahr 1989 aus Syrien in die Schweiz. Der gelernte Metallbauschlosser hat vor seiner Zeit als Schuhmacher in einer chemischen Reinigung und in der Gastronomie gearbeitet. Im Beruf des Schuhmachers hat der fünffache Vater dann seine Leidenschaft gefunden. Zwischen seiner Nähmaschine, der Presse und der Schleifmaschine, inmitten von Schlüsselanhängern, Gürteln, Schuhlöffeln und Lederpflegemitteln, fühlt sich Yakoub wohl. «Reich wird man als Schuhmacher nicht, doch ich kann gut davon leben. Ich möchte nichts anderes machen.»

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