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SCHULANFANG: Der Stellenmarkt der Lehrer «ist ausgetrocknet»

Heute beginnt das neue Schuljahr. Auch für etliche Lehrerinnen und Lehrer gilt es damit nun ernst am neuen Arbeitsplatz. Doch nicht überall in der Schweiz konnten freie Lehrerstellen adäquat besetzt werden – im Kanton Zug meist schon.
Christopher Gilb
Die Schule geht wieder los. Laut Bildungsdirektor Stephan Schleiss bieten die Zuger Schulen nach wie vor ein attraktives Arbeitsumfeld. (Symbolbild: Werner Schelbert (Baar, 11. April 2017))

Die Schule geht wieder los. Laut Bildungsdirektor Stephan Schleiss bieten die Zuger Schulen nach wie vor ein attraktives Arbeitsumfeld. (Symbolbild: Werner Schelbert (Baar, 11. April 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Zwar würden schweizweit die Schulen melden, dass keine Klasse aufs neue Schuljahr ohne Lehrer dastehe, doch müssten dafür Kompromisse gemacht werden, so der «Tages-Anzeiger». Gemäss einer aktuellen repräsentativen Studie des Schulleiterverbands (VSLCH) sei jeder vierte Lehrer nicht für die Stufe ausgebildet, auf der er unterrichte. Mühe würde beispielsweise bei der Suche von Kindergartenlehrpersonen bekundet, da viele aufgrund der Arbeitsbedingungen und des Lohns eine Anstellung in der Unterstufe vorziehen. Ein Problemfeld sei auch die Heilpädagogik, wo nur 50 bis 60 Prozent der Lehrkräfte über ein entsprechendes Diplom verfügen würden. Engpässe würden zudem bei der Fachlehrersuche gerade fürs Fach Frühfranzösisch auf Primar- und Sekundarstufe bestehen. Als Konsequenz aus dem beschränkten Lehrerangebot unterrichten im Kanton Zürich zum Beispiel in der Primarschule aktuell 75 und auf Sekundarstufe 29 Quereinsteiger, die bereits in der sogenannten berufsintegrierenden Studienphase eine Anstellung als Lehrperson übernehmen.

Im Kanton Zug ist die Situation anscheinend besser: «Wir gehen davon aus, dass sich das Fazit dieser Studie nicht auf den Kanton Zug übertragen lässt», sagt Markus Kunz, Leiter der Abteilung Schulaufsicht im Amt für gemeindliche Schulen. «Den Anteil der ausreichend qualifizierten Lehrpersonen schätzen wir höher ein als in anderen Kantonen der Schweiz. Dies lässt sich anhand der befristeten Lehrbewilligungen verifizieren, die für Lehrpersonen ohne entsprechende Stufenberechtigung erteilt werden», so Kunz weiter. Die Arbeitsbedingungen im Kanton Zug könnten zudem nach wie vor – im Vergleich – als sehr attraktiv bezeichnet werden. Grund dafür seien mitunter die zeitgemässe Infrastruktur, die Besoldung und die verschiedenen Entlastungsmöglichkeiten.

Heilpädagogen auch in Zug ein Problem

Auch im Frühfranzösisch präsentiere sich die Situation befriedigend. Dies laut Kunz, weil viele altrechtlich ausgebildete Lehrpersonen im Kanton zwischenzeitlich die Nachqualifikation gemacht hätten. Einzig die Rekrutierung von Heilpädagogen sei auch in Zug nicht einfach. «Während früher Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf in separaten Kleinklassen beschult wurden, werden diese heute meistens in den Regelklassen integriert. Zudem werden auch Kinder mit verstärktem Bildungsbedarf aus Sonderschulen in den Regelstrukturen integriert.» Um die Lehrpersonen und die Schüler unterstützen zu können, seien deshalb Heilpädagogen sehr gefragt. «19 Prozent der Personen, die in den gemeindlichen Schulen im Bereich der schulischen Heilpädagogik für das Schuljahr 2017/18 angestellt sind, haben keine entsprechende Qualifikation», so Kunz. Weitere 9 Prozent würden sich noch in Ausbildung befinden.

Eine Lehrperson im Bereich Heilpädagogik wurde auf dieses Schuljahr in Menzingen gesucht. Insgesamt wurden dort fünf Lehrerstellen neu besetzt. «Ich bin positiv überrascht, dass sich je nach Stufe genügend oder auch viele Bewerber für die jeweiligen Stellen meldeten», sagt der Rektor der Menzinger Schulen, Richard Hänzi. Bei den neuen Lehrkräften handle es sich zur Hälfte um erfahrene Lehrpersonen und zur Hälfte um Berufseinsteiger. Eine Heilpädagogin fand er jedoch nicht. «Dieser Markt ist ausgetrocknet», so Hänzi. Diese Funktion übernimmt nun eine erfahrene Lehrperson, für die eine einjährige Lehrbewilligung eingeholt wurde. Eine solche kann auf höchstens sechs Jahre wieder verlängert werden. «Ich bin aber optimistisch, dass das nicht nötig ist.» Auch in der Stadt Zug ist die Suche von Heilpädagogen immer wieder ein Thema. «Aufs neue Schuljahr werden jeweils rund 30 Stellen neu besetzt», sagt Urs Landolt, Rektor der Zuger Stadtschulen. Diese seien allesamt besetzt worden. Im Bereich Heilpädagogik müsse man situationsbedingt auf Kompromisse setzen. «Wir stellen auch Personen an, die dann parallel zur Anstellung die entsprechende Ausbildung machen oder sich schon in dieser befinden. Solche Varianten fördern wir auch speziell.» Auch die Anstellung von Kindergartenlehrpersonen sei immer mal wieder schwierig. Er verweist aber auf das Engagement der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug).

Weniger Lektionen bei gleichem Pensum

Was Landolt meint, weiss der Prorektor der PH Zug, Clemens Diesbergen: «Auf das Herbstsemester 2016 wurde beim kombinierten Studiengang Kindergarten/Unterstufe einerseits der Bereich Kindergarten gestärkt und andererseits wurden die Möglichkeiten für eine Schwerpunktsetzung Kindergarten oder Unterstufe ausgebaut. So könnte schon früh ausreichend Praxiserfahrung gesammelt werden. Seitdem sei die Nachfrage für den Studiengang gestiegen. Ein Problem bleibe aber die Entlöhnung. So hätten die Kindergartenlehrpersonen zwar im Kanton Zug die gleiche Besoldung wie Primarlehrpersonen, da jedoch auf der Kindergartenstufe trotz voller Stelle kein 100-Prozent-Pensum erreicht werden könne, sei der Lohn tiefer.

In Cham ist von den 21 offenen Stellen auf dieses Schuljahr lediglich noch eine Stelle unbesetzt. Diese werde aber auch bald besetzt sein, so der geschäftsführende Rektor Philip Fuchs. In Cham arbeitet zudem derzeit ein Quersteiger, also eine Lehrperson, die sich noch in der Ausbildung befindet. Von den 27 Heilpädagogen in Cham sind 10 noch in Ausbildung. Wie eine Nachfrage zeigt, ist auch in der Gemeinde Baar aufs neue Schuljahr jede neue Stelle besetzt worden.

Grössere statt neue Klassen

Nun nimmt die Bevölkerungszahl im Kanton Zug stetig zu. Könnte also doch noch eine Situation wie in anderen Kantonen entstehen? Laut Bildungsdirektor Stephan Schleiss würden bei sinkenden Schülerzahlen keine Klassen geschlossen, sondern die Klassen würden einfach verkleinert werden, und umgekehrt würden eben steigende Schülerzahlen zunächst zu grösseren und erst verzögert zu mehr Klassen führen. Die demografische Rente bleibe also aus. «Dieses Phänomen werden wir jetzt schweizweit wieder beobachten. Auf einen Mangel an Lehrpersonen kann beispielsweise mit einer Erhöhung von Teilpensen rea­giert werden, indem ausgebildete Lehrpersonen ihr Arbeitspensum erhöhen», so Schleiss. Da sehr viele Lehrpersonen Teilzeit arbeiten würden, sei dies ein vielversprechender Ansatz.

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