Betreibungsamt setzt auf Prävention: Schuldenfrei ins Erwachsenenleben

Im Rahmen eines Schuldenprävention-Projekts informierte das Betreibungsamt Schüler im Loreto rund um das Thema Geld und Schulden. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv.

Nils Rogenmoser
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Der stellvertretende Leiter des Betreibungsamtes Zug, Daniel Brügger, spricht vor einer Klasse im Schulhaus Loreto zum Thema Geld und Schulden. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug, 28. Juni 2019)

Der stellvertretende Leiter des Betreibungsamtes Zug, Daniel Brügger, spricht vor einer Klasse im Schulhaus Loreto zum Thema Geld und Schulden. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug, 28. Juni 2019)

In einer perfekten Welt werden Geldschulden unaufgefordert und fristgerecht beglichen. Dass dies in vielen Fällen nichts weiter als eine Utopie ist, bestätigen folgende Fakten: 2018 führte das Betreibungsamt Zug rund 10000 Betreibungen und zirka 2500 Pfändungen durch.

Die Aufgaben des Betreibungsamts sind vielseitig und richten sich nach dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG). Die hohen Zahlen sind alarmierend – darum hat das Betreibungsamt Zug ein Schulprojekt zum Thema Schuldenprävention lanciert.

Junge Erwachsene brauchen Aufklärung

Cornelia Löhri, Leiterin Betreibungsamt Zug, erklärt den Gedanken hinter dem Projekt: «Wir machen leider die Erfahrung, dass junge Erwachsene oftmals zu wenig über das Thema Geld und Schulden informiert sind. Darum ist es uns ein Anliegen, sie für die Gefahren zu sensibilisieren und ihnen dadurch einen reibungslosen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen.»

Im Rahmen des Projekts besuchten am 28. Juni Daniel Brügger, Stellvertretender Leiter, und Sarah Riesch, Sachbearbeiterin Sekretariat, vom Betreibungsamt Zug eine Schulklasse im Loreto. Nach einer kurzen Begrüssung erklärte Daniel Brügger: «Wenn der Schuldner dem Gläubiger Geld schuldet und die Forderung fällig geworden ist, kann der Gläubiger mit einem Betreibungsbegehren die staatliche Zwangsvollstreckung durch uns fordern.» Leicht sarkastisch fügte Brügger an, dass man sich in seinem Beruf nicht so viele Freunde mache. Historisch gesehen, habe es schon vor 200 Jahren Betreibungen gegeben, die jedoch längst nicht so strukturiert wie heute gewesen seien und eher Plünderungen gleichgekommen seien.

Sarah Riesch ermutigte die Schüler, über Geld zu sprechen: «Wegen der Anreize des Internets und des Online-Markts ist es für junge Erwachsene unerlässlich darüber zu sprechen, um ihre Ausgaben im Griff behalten zu können. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nicht so gern darüber spricht.» Bewusst gestaltete sie den Unterricht interaktiv und mit Gruppenarbeiten. So erzählten die Schüler, dass sie wegen des Geldes schon öfters Streit mit ihren Eltern gehabt hätten.

Eine der Aufgaben der Schüler war es, in der Gruppe anhand eines Arbeitsblatts ihr eigenes monatliches Budget zu erstellen. So mussten sich die Schüler Gedanken machen, wie viel Geld sie monatlich für Ausgang, Coiffeur oder ihr Mobiltelefon ausgeben.

Projekt könnte ausgeweitet werden

Ein Werbefilm thematisierte, wie schnell ein junger Erwachsener, der auf zu grossem Fuss lebt, beim Existenzminimum von 3264 Franken angekommen ist. Der Film machte auf die Schüler ganz offensichtlich Eindruck. Weiter behandelte Brügger mit der Klasse die Frage, ob man sich mit Geld langfristig Anerkennung kaufen könne und zeigte die Problematiken von suggestiver Werbung auf. Gespannt wurde zugehört und eifrig mitdiskutiert.

Der 16-jährigen Alissa Semeraro hat die Doppellektion gefallen: «Obwohl ich in meiner Familie über mein Budget spreche, fand ich es sehr spannend, mir mit den Klassenkollegen Gedanken über unsere Ausgaben zu machen. Ich finde, dass mehr junge Erwachsene über die Gefahren im Umgang mit dem Geld informiert werden sollten.»

Dieser Meinung ist auch Löhri, erfreut von den positiven Rückmeldungen: «Wir können uns durchaus vorstellen, das Projekt zukünftig auszuweiten.»