Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schuldspruch des Zuger Strafgerichts gegen den Oberägerer Meth-Koch und seine «Laborassistentin»

Es ist ein Sieg für die Staatsanwaltschaft: Carl Vevle, der Investmentbanker aus Oberägeri, bei dem die Polizei im Keller ein «Drogenlabor» entdeckt hatte, wurde für schuldig befunden. Ebenso seine Gehilfin. Vevle selbst meldete sofort Berufung an.
Christopher Gilb

Schmunzelnd schüttelte er immer wieder den Kopf, so als wolle er es nicht fassen, was die Richterin gerade erzählt. Diese eröffnete gestern Carl Vevle und seiner Mitangeklagten, dass sie zu einer bedingten Freiheitsstrafe mit Landesverweisung verurteilt werden. «Verstanden habe ich es schon, aber ich bin nicht einverstanden», so die Reaktion des Investmentbankers aus Norwegen. Für die Zuger Strafrichterin bestätigte er indes ihren bisherigen Eindruck von ihm: «Sie waren nicht einsichtig, nicht reuig und schüttelten jetzt noch den Kopf.»

Der 42-Jährige ist der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzt schuldig gesprochen worden. Und dies nicht, weil er ein Dealer sei, sondern weil er alle Anstalten getroffen habe, einer zu werden. Deshalb sei es nicht entscheidend, ob er die Produktion, wie er sagte, doch noch gestoppt habe, wohl um sich um die Probleme mit seiner Wohnung zu kümmern. Habe er doch in seiner Wohnung in Oberägeri ein für die kommerzielle Drogenproduktion taugliches Labor besessen, was er selbst entsprechend ausgeführt habe. Des Weiteren habe er bereits einmal 40 Gramm Metamphetamin zu Testzwecken hergestellt, was die Polizei sogar erst durch ihn erfahren habe. Und auf einer Party habe er bereits einmal selbsthergestelltes Crystal Meth zum Verkauf angeboten. Und dann sei da noch die grosse Menge vom Vorläuferstoff 2CB, den Ermittler bei ihm sicherstellen konnten. Sowie seine eigenen Worte, dass er den Verkauf als letzten Ausweg aus seiner finanziell misslichen Lage gesehen habe.

Das Vergehen «runtergerechnet»

Zwar – so ging die Richterin auf die Argumentation der Verteidigung ein – habe der 42-Jährige mit der Zeit versucht, die 40 Gramm Metamphetamin runterzurechnen und vor allem die Produktion auf einen früheren Zeitpunkt anzusetzen, dies aber wohl, weil er versucht habe, das Strafmass zu reduzieren und vor allem einem Landesverweis zu entgehen. «Und Ihre Aussage, dass 10 Gramm Eigenbesitz erlaubt sind, stimmt so auch nicht, das ist nur bei Cannabis der Fall», sagte sie in Richtung Vevle.

Wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerhandlung gegen das Ausländergesetz wurde die ebenfalls angeklagte 41-jährige Thailänderin, seine «Laborassistentin», verurteilt. Sie hatte jahrelang in ihrem früheren Leben als Mann eine Scheinehe mit einer Schweizerin geführt. Die Thailänderin habe Vevle in Kenntnis seiner Absicht beim Aufbau des Labors geholfen und ihn zudem mit verschiedenen Drogen versorgt, zeigte sich das Gericht überzeugt. Beide Angeklagten wurden zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, dies unter Anrechnung bereits vollzogener Haft. Die Thailänderin kommt somit auf freien Fuss, Vevle wurde bereits Ende 2018 entlassen. Freudig lächelte die Frau, die bis dahin alles regungslos verfolgt hatte, als sie darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Die Freiheit dürfte aber nicht von langer Dauer sein. Beide werden für sieben Jahre des Landes verwiesen. Bei der Thailänderin wird von keinem Härtefall ausgegangen, aber auch nicht bei Vevle, dies, obwohl sein Kind aus erster Ehe fest im Land verwurzelt ist. Ein Problem wäre aber nur, wenn dieses so aus seinen Lebensverhältnissen gerissen würde, führte die Richterin aus, es lebe aber bei der Mutter. Vevle habe es schon ein Jahr nicht mehr besucht.

Vevle selbst, der – wie er sagt – immer noch in der Wohnung in Oberägeri, die zwangsversteigert werden soll, lebt, meldete Berufung an. Die nächste Folge von «Breaking Bad in Oberägeri» kommt also bestimmt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.