Schulen dürfen Lernziele in Ausnahmefällen anpassen

Der Zuger Regierungsrat beantwortete einen Vorstoss zum Thema Lernziele von Schulkindern mit ADHS.

Fabian Gubser
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Symbolbild: Sandra Ardizzone / LTA

Zwei Kantonsrätinnen der CVP reichten im Frühling 2019 eine Interpellation bezüglich Lernziele von Schulkindern mit ASS, ADS oder ADHS ein. Anna Bieri (Hünenberg) und Manuela Leemann (Zug) wollten vom Regierungsrat wissen, wieso die betroffenen Kinder von der Beurteilung nicht «zumindest teilweise befreit» sind.

Denn diese Schülerinnen und Schüler seien bei gewissen Lernzielen benachteiligt (siehe Box). Konkret geht es um die sogenannten überfachlichen Kompetenzen. Ein Beispiel: Der Schüler oder die Schülerin soll zielorientiert mit anderen zusammenarbeiten. Nun hat der Regierungsrat die Interpellation «betreffend Umgang mit Beurteilungen von überfachlichen Kompetenzen bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und mit Aufmerksamkeitsdefizit-Störungen (ADS/ADHS)» beantwortet. Darin stellt er fest, dass die betroffenen Kinder seit 2013 von der Beurteilung überfachlicher Kompetenzen befreit werden können. Der Entscheid darüber liege jeweils bei der Rektorin oder dem Rektor.

Kinder mit Behinderung erhalten Hilfsmittel

Zudem erkundigten sich die Interpellantinnen danach, wie sichergestellt wird, dass betroffene Kinder nicht an unrealistischen Massstäben gemessen werden. Der Regierungsrat schreibt in seiner Antwort: Jene Lernziele werden «in einem gemeinsamen Prozess der Beteiligten und involvierten Fachpersonen in der individuellen Förderplanung festgelegt und von der Rektorin oder dem Rektor beschlossen». Zuletzt interessierten sich die beiden CVP-Politikerinnen dafür, wie Kinder mit einer Behinderung eine faire Beurteilung von den eingangs erwähnten Lernzielen erhalten. Gemäss Regierungsrat werden in solchen Fällen die Lernziele nicht angepasst. Jedoch erhalten betroffene Kinder sogenannte Nachteilsausgleichsmassnahmen: Das sind zum Beispiel Hilfsmittel oder mehr Zeit für eine Aufgabe. Nachteilsausgleichsmassnahmen würden im Gegensatz zu Lernzielanpassungen nicht im Zeugnis vermerkt.

Die Kenntnisnahme der Interpellation ist für die Kantonsratssitzung vom 30. Januar traktandiert.

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