SCHULEN: Rektor wollte Kesb auf den Plan rufen

Streit zwischen Eltern, Schülern und Lehrern kommt vor. In Cham aber eskalierte ein solcher Konflikt – mit drastischen Folgen.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Symbolbild Keystone / Georgios Kefalas

Symbolbild Keystone / Georgios Kefalas

Wolfgang Holz

Weil dem Sohn von René Baumgartner ein «Liftkurs» in Französisch letztes Jahr verweigert wurde, protestierte der Vater bei der Chamer Schulleitung. Schüler, die dank besserer Noten in der Sekundar- und Realschule in einen höheren Niveaukurs wechseln, werden bekanntlich in solchen Zusatzkursen unterstützt, damit sie verpassten Lehrstoff aufholen können. So ist es auf der Website der Bildungsdirektion zu lesen. «Dieser Liftkurs wurde zwar vom Schulleiter zuerst angekündigt, später aber grundlos verweigert», erzählt der 47-jährige Elektroingenieur. Folge: Sein Sohn habe den Stoff selber aufarbeiten und gleichzeitig alle Prüfungen des Niveaus A nachholen müssen. Zudem seien alle Noten des Niveaus B gestrichen worden. Weil dies nicht klappte, sei sein Sohn ins Niveau B zurückgestuft worden. Baumgartner: «Er verlor die Motivation an Französisch.» Sein Vorschlag, auf den Liftkurs zu verzichten und nur die Noten zu zählen, sei grundlos vom Chamer Rektor Philip Fuchs abgewiesen worden. «Mein Sohn und ich wurden im Gespräch angeschrien.»

Vater beschwert sich bei Gemeinde

Der Vater reichte eine Aufsichtsbeschwerde beim Gemeinderat ein. Dieser wies diese im Herbst zurück: «Wesentliche Verfahrensfehler sind auszuschliessen. Das Angebot des Liftkurses wurde zwar verspätet, aber aufgrund des Entscheids des Rektors gesprochen», hiess es. Doch diese Offerte sei erst erfolgt, so Baumgartner, nachdem er die Beschwerde eingereicht habe. Und nachdem sein Sohn längst bei anderen Lehrern in einem anderen Schulhaus gewesen sei. Also viel zu spät. Er gibt zu, dass er ein Jahr lang mit der Gemeinde herumgestritten und dabei auch provozierende E-Mails verfasst habe. «Ich bin aber kein Querulant.»

Die Gemeinde schliesslich schlägt ein Gespräch mit der Ombudsfrau vor. Offenbar ohne eine Einigung zu erzielen. «Es gelang nicht», sagt Baumgartner, «den Chamer Schulvorsteher Beat Schilter zu einer Aussage zu bewegen, warum der Kurs nicht stattgefunden hat.»

Zuvor suchte indes Chams Rektor Philip Fuchs sein Heil in Sachen Konfliktbewältigung, indem er Anfang Januar eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Zug (Kesb) verfasste. «Die Zusammenarbeit zwischen Herrn Baumgartner und den Schulen Cham ist seit Eintritt seines Sohns in die Oberstufe sehr stark belastet und zur Zeit nicht mehr möglich», heisst es in der Gefährdungsmeldung von Philip Fuchs. Und weiter: «Der Konflikt eskaliert. Nach einem Gespräch mit dem Rektor und dem Schulpräsidenten wurden alle Versuche zu Gesprächen abgelehnt, weil sie nicht genau in der gewünschten Zusammensetzung stattfinden konnten.»

Kesb dafür gar nicht zuständig

Die Kesb schaute sich die Sache an, kam aber zum Schluss, dass es sich um keine Gefährdung des Kindswohls handelte. Wie Gabriella Zlauwinen, Amtsleiterin der Kesb Zug, auf Anfrage mitteilt, «war uns schnell klar, dass wir dafür nicht zuständig sind, sondern dass es sich um einen Konflikt zwischen Eltern und Schule handelt». Zuvor hatte der Chamer Rektor in einem Mail an einen Kesb-Mitarbeiter, das der Redaktion vorliegt, über besagten Sohn geschrieben: «Er wirkt ängstlich – in Mundart ‹verknittert› –, er scheint sich nicht richtig entwickeln zu können, er lügt sehr viel.»

Rektor Philip Fuchs nimmt zu den Geschehnissen keine Stellung. «Da sich die Kommunikation zwischen der Gemeinde beziehungsweise zwischen den Schulen Cham und Herrn Baumgartner seit längerem als sehr schwierig erwiesen hatte, hat die Gemeinde die Ombudsstelle des Kantons Zug eingeschaltet», erklärt Gemeindeschreiber Martin Mengis. In Anwesenheit der Ombudsfrau Katharina Landolf habe eine Aussprache zwischen René Baumgartner und der Gemeinde stattgefunden, wobei das weitere Vorgehen gemeinsam festgelegt worden sei. «Zu weiteren Fragen nehmen der Gemeinderat und die Schulen Cham aufgrund des Persönlichkeitsschutzes und laufender Verfahren keine Stellung.»

Apropos: Der Konflikt zwischen Vater und Rektor geht weiter – bald treffen sich beide zur Vergleichsverhandlung bei der Staatsanwaltschaft. Es geht um Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, üble Nachrede, Verleumdung und Beschimpfung.