Schulschliessung: Wie Zuger Lehrlinge sich auf den Abschluss vorbereiten

Infolge der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wurden auch die Berufsschulen geschlossen. Eine KV-Lernende aus Steinhausen erzählt, welchen Einfluss das auf ihr Lernverhalten im Abschlussjahr hat.

Vanessa Varisco
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Auch das kaufmännische Bildungszentrum in Zug ist seit längerem geschlossen.

Auch das kaufmännische Bildungszentrum in Zug ist seit längerem geschlossen.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 11. März 2019)

Kurz vor dem Abschluss und plötzlich kein Präsenzunterricht mehr: Die Coronakrise stellt viele Lehrlinge vor Herausforderungen. Die Steinhauserin Jasmina Sadikovic hätte im Sommer ihre Lehrabschlussprüfungen am kaufmännischen Bildungszentrum in Zug absolvieren sollen. Diese fallen gemäss einem Beschluss auf Bundesebene nun aber aus. Dass zunächst der Präsenzunterricht wegfiel, war für sie bereits eine grosse Veränderung. «Am Anfang habe ich nicht damit gerechnet, dass sich alles so schnell auf den Schulalltag auswirken würde», schildert die 19-Jährige.

Die Überraschung über die Schulschliessung sei in der ganzen Klasse spürbar gewesen und habe viele Fragen offengelassen. Besonders, was die Abschlussprüfungen betrifft. «Der Lernrhythmus hat sich damit völlig verändert», berichtet die Steinhauserin. Der Unterricht wurde vor allem in den digitalen Raum verlegt, neu trifft sich die ganze Klasse an den Schultagen per Videochat am Morgen früh. «Ein schönes Ritual, das hilft, dass man sich nicht so alleine fühlt im Lernalltag», sagt Sadikovic.

Hilfe von der grossen Schwester

Als Beispiel dafür, was sich verändert hat, nennt sie den Wegfall von Lerngruppen. Vor der Coronakrise hat sie sich mit einer Kollegin regelmässig zum Lernen getroffen. Mittlerweile stehen sie zwar noch schriftlich per Whatsapp in Kontakt, doch das sei nicht das Gleiche. Die 19-Jährige gesteht:

«In meinem Fall ist es so, dass ich zudem Nachhilfeunterricht besucht habe, um mich auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Auch dieser ist nun weggefallen. Ich hatte etwas Angst.»

Neue Methoden mussten entwickelt werden. Jasmina Sadikovic erhielt schnell Hilfe von ihrer Schwester, die ein Jahr zuvor den Abschluss absolviert hatte. «Sie ist eine wichtige Hilfe. Ich wüsste nicht, an wen ich mich sonst wenden könnte», sagt die KV-Lernende. Denn es sei zwar so, dass die Lehrer zuvorkommend und gut erreichbar seien, «sogar an Wochenenden».

Doch sie empfindet es in gewissen Situationen einfacher, den Stoff von Schulkollegen oder eben beinahe Gleichaltrigen vermittelt zu bekommen. «Überhaupt unterstützt mich meine Familie, wo es geht. Das ist sehr wertvoll, weil ich von Mitschülern weiss, die es nicht so leicht haben», resümiert Jasmina Sadikovic.

Der schulische Aufwand sei nicht unbedingt grösser geworden – nach wie vor findet der Unterricht einmal pro Woche statt. An den anderen Tagen repetiere sie nach der Arbeit den Stoff. «Aber es ist deutlich mehr Eigenverantwortung nötig», beschreibt Jasmina Sadikovic die Situation. Probeprüfungen und Lösungen würden beispielsweise online hochgeladen, jeder Schüler hat es selbst in der Hand, ob er die Prüfung löst. «Das erfordert zwar Disziplin. Aber da mir mein Abschluss wichtig ist, habe ich keine Probleme damit», sagt die Steinhauserin. Allerdings gebe es zurzeit keine Kontrolle mehr darüber, wie gut man vorbereitet ist, da keine Prüfungen durchgeführt werden.

Gespräche auf eine andere Sprache fallen weg

Den Unterricht alleine zu Hause zu bestreiten und sich auf den Abschluss vorzubereiten, sei nicht in jedem Fach gleich schwer. «In Fremdsprachen ist es eine grössere Herausforderung, da es beispielsweise kaum mehr Gespräche auf Französisch gibt», findet Sadikovic. Zwar sei kommuniziert worden, dass die schulischen Prüfungen im Rahmen des Qualifikationsverfahrens nicht stattfinden würden, doch die Unsicherheit bei den Schülern sei gross.

«Ich habe entschieden, dass ich den Stoff mit oder ohne Prüfung repetieren möchte, um à jour zu bleiben.»

Da der Nachhilfeunterricht wegfällt, hat sie ausserdem zusätzliche Bücher gekauft, um gewisse Themen im Selbststudium zu vertiefen.

Jasmina Sadikovic absolviert ihre Lehre in einem grossen, internationalen Betrieb. Dort fühlt sie sich unterstützt. «Lehrlinge arbeiten derzeit weniger, was mir zugutekommt, weil ich dann lernen kann», berichtet die 19-Jährige. Aber auch dort spürt sie die Auswirkungen der Coronakrise. So kann sie nicht mehr mit einer anderen Lernenden den Stoff aufarbeiten. «Aber ansonsten erlebe ich meine Arbeit auch in dieser Zeit als sehr bereichernd. Die Berufsbildnerin steht uns zur Seite und sucht bewusst das Gespräch», freut sie sich.

Obwohl die Schulschliessung sie vor viele Herausforderungen stellt und sie zwar keine Angst, aber noch immer eine gewisse Verunsicherung verspüre, kann Jasmina Sadikovic der Situation etwas Positives abgewinnen:

«Man lernt die Schule sehr zu schätzen. Ausserdem sind Lehrer und Schüler näher zusammengerückt.»