Glosse

Schutzkonzepte und Eishockey: Ein Flickenteppich der Vorgaben

Wie die kommende Eishockeysaison aussehen könnte, darüber hat sich Redaktor Marco Morosoli in einer Glosse Gedanken gemacht.

Marco Morosoli
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Das Coronavirus krempelt auch die Sportwelt um. Seit Donnerstag und noch bis Freitagabend strecken die Entscheidungsträger der Schweizer Profi-Eishockeyclubs irgendwo im Emmental – mit gebotenem Abstand – die Köpfe zusammen. Ihre Aufgabe: Die nächste Saison unter Coronavorgaben organisieren, ohne reihum den Konkursrichter zu bemühen.

Marco Morosoli, Redaktor Zuger Zeitung

Marco Morosoli, Redaktor Zuger Zeitung

Bild: Stefan Kaiser

Es droht – dem Föderalismus sei Dank – ein Flickenteppich der Coronavorgaben. Die Schweizer Profiteams verteilen sich auf 14 Kantone. Jeder kocht ein eigenes Süppchen für ihre Verordnungen. Einen Vorgeschmack auf einen möglichen Spielbetrieb bieten die Schutzkonzepte für die Ligen. Es sind jedoch nur Leitlinien.

Die Schutzkonzepte sind für alle Spieler Pflichtlektüre. Die engeren Kontakte der jeweils vergangenen 14 Tagen vor den Spielen sind offenzulegen. Wer fremd geht, muss lügen. Wer all diese Datensätze archiviert, ist unklar.

Die gebotenen regelmässigen Handreinigungen mit Alkohol haben immerhin den Effekt, dass die Hände von Eishockeyanern besser riechen als sonst. Allerdings müssen die Spieler inskünftig in nasse Handschuhe greifen, denn der beliebte Trockner für dieses Utensil ist neu auf der Verbotsliste. Dort zu finden ist auch der Föhn. Wie bekommt nun der EVZ-Lockenkopf Dominik Schlumpf seine Haare trocken? Mit nassem Haar in die kalte Dezembernacht zu treten, wäre ein Schlaraffenland für Viren jeglicher Art.

Gewöhnungsbedürftig ist der Einsatz der Masken im Spielbetrieb. Sitzt ein Akteur eine Zehn-Minuten-Strafe ab, so gilt: Maske auf. Ebenso, wenn mehr als zwei Spieler gleichzeitig auf der Strafbank sitzen. Der Aufenthalt in der Garderobe ist auf ein Minimum zu beschränken. Nur jeder zweite Platz ist wegen der Abstandsregeln nutzbar. Eine Bestimmung im Schutzkonzept organisiert selbst das Duschen nach einem Fahrplan.

Tröstlich ist: Für den Coach und seine Helfer besteht keine Maskenpflicht. Die Verfasser der Schutzkonzepte verzichten auch darauf, den Puck und die Stöcke der Spieler zu desinfizieren. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Wichtig ist einfach: Das Virus macht den Nachbarn wie auch den Freund zum Feind. Im Elend zum Untergang.