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Schweizer Sporttalente sollen in Cham zur Schule

Im Leistungszentrum OYM können Athleten aller Sportarten dereinst die Matura oder den kaufmännischen Abschluss erlangen. Entscheidende Fragen sind aber noch ungeklärt.
Raphael Biermayr
Das OYM-Zentrum in Cham ist derzeit im Bau. (Bild: Stefan Kaiser, 7. November 2018)

Das OYM-Zentrum in Cham ist derzeit im Bau. (Bild: Stefan Kaiser, 7. November 2018)

Ob und wann die Kanti Ennetsee in Cham gebaut wird, steht gegenwärtig in den Sternen. Ab dem Schuljahr 2020/21 wird es dennoch möglich sein, die Matura in Cham zu machen – am OYM College. Dieses steht allerdings nur einem kleinen Kreis offen: Sporttalenten mit der Mindestaussicht auf einen Platz an der Schweizer Spitze. Die neue Schule wird von einer eigenen Aktiengesellschaft getragen und in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Sportmittelschule Engelberg (SSE) betrieben, die am Aktienkapital beteiligt ist. Diese hat seit 1995 Erfahrung im Spannungsfeld zwischen Training und Hausaufgaben.

Das OYM College mit voraussichtlich 90 Schülern wird im aktuell im Bau befindlichen Sportzentrum «On your marks» (OYM) ansässig sein. Dieses soll nach Eigenwerbung schweizweit einzigartig in Bezug auf Training und Forschung werden. Wie der Schweizerische Handball-Verband kürzlich mitteilte, wird er seine Frauen-Akademie im Zentrum ansiedeln. Nun soll es also auch um schulische Komponenten erweitert werden. In wahlweise vier oder fünf Jahren können Athleten dort dereinst die Matura erlangen. Wie in Engelberg wird auch in Cham die Alternative geboten, einen kaufmännischen Abschluss zu machen. Einige der KV-Schüler stehen bereits fest. Denn der Zuger Verein Vinto, der Sportlerlehrer anbietet, wird im OYM College aufgehen (siehe Box).

Nachwuchsförderung und Bildung

Die Idee zu dieser Sportlerschule sei im vergangenen Jahr entstanden, sagt Peter Urs Naef, Verwaltungsratspräsident der SSE. Der Hintergrund: Seit dem Frühjahr 2017 arbeiten der EV Zug und die Engelberger Schule bezüglich Ausbildung von Eishockeyspielern zusammen. Und da dem EVZ-Vereinspräsidenten Hans-Peter Strebel, der das rund 100 Millionen Franken teure Sportzentrum als Privatmann bauen lässt, die Nachwuchsförderung auch in Bezug auf die Bildung wichtig ist, liegt die Umsetzung einer Schule im OYM nahe. Vom Kanton Zug habe man Naef zufolge bereits grünes Licht erhalten. Dass das so schnell ging, liege an den bereits vorhandenen Zertifikaten der SSE.

Das künftige College richtet sich nicht nur an Eishockeyspieler, sondern an Talente aus allen Sportarten. Details, etwa in Bezug auf die Kosten pro Schuljahr oder mögliche Unterbringung von auswärtigen Sportlern, sind gegenwärtig nicht verfügbar. Naef zufolge würde die nächste Strategiesitzung, an der auch diese Fragen behandelt würden, erst bevorstehen. Denkbar sei aber, dass das Schulgeld einerseits von den Eltern und andererseits vom jeweiligen Herkunftskanton der Athleten stamme. Denn die Kantone bezahlen in der Regel für von Swiss Olympic, der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände, anerkannte Talente Schulgelder gemäss interkantonalen Vereinbarungen. Auswärtige Talente können so von ihren Heimatkantonen unterstützt werden.

Es zählt der Wille der Sportler

Am OYM College solle – wie das auch in Engelberg der Fall sei – indes nicht die Devise gelten: Wer das Geld aufbringen kann, erhält automatisch einen Platz. Das wichtigste Selektionskriterium sei der Wille der Sportler zur umfassenden Leistung, erklärt Peter Urs Naef. «Talent allein reicht nicht für eine Karriere auf Weltklasseniveau. Nur wer zehn Jahre lang 1000 Stunden jährlich trainiert, schafft es an die Spitze», sagt der ehemalige Weltmeister im Rock-’n’-Roll-Tanz. Wer diesen Ehrgeiz für den Sport aufbringe, schaffe es auch, parallel dazu eine Ausbildung abzuschliessen. Einen Missstand wird allerdings auch das OYM College nicht beheben: Handwerklich interessierte Leistungssportler können keinen Abschluss machen. «Dadurch gehen dem Schweizer Sport einige Talente verloren», weiss Naef. Er lässt durchblicken, dass dieser Umstand Gegenstand von künftigen Gesprächen ist.

Vinto wird eingegliedert

Die Gründung des OYM College hat auch Auswirkungen auf die seit 2001 in Zug bestehende Vinto-Sportlerlehre. Diese ermöglicht talentierten Athleten eine kaufmännische Ausbildung. Infolge der Sparbemühungen des Kantons, die Beitragskürzungen zur Folge hätten, habe man sich nach Optionen umgesehen, um aussichtsreichen Sportlern weiterhin Ausbildungsmöglichkeiten zu geben. Dies geht aus einer unserer Zeitung vorliegenden Mitteilung des Trägervereins Vinto vom Mai 2018 hervor. Die Lösung ist die Eingliederung in das OYM College. Nach Angaben des Vinto-Geschäftsführers Benno Sidler haben diesen Sommer aller Voraussicht nach die letzten Lehrlinge das bestehende Programm begonnen. Dieses wird 2022 enden. Die Klassenzüge ab dem kommenden Jahr werden unter dem Namen OYM College die neue Ausbildungsform beginnen: Die ersten drei Jahre gehen sie nur zur Schule und schliessen diese ab, bevor sie entweder ein einjähriges Praktikum absolvieren oder aber auf den Sport setzen. Dieses Praktikumsjahr können sie gegebenenfalls nachholen. Der KV-Unterricht findet bis zur Fertigstellung des Sportzentrums OYM im Jahr 2020 wie bis anhin in Zug und anschliessend in Cham statt. (bier)

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