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«Schweizerinnen sind ökonomisch weniger abhängig»

Nachgefragt

Die Sozialarbeiterin Esther Käch berät bei der Eff-Zett Opferberatung, einer Fachstelle der Frauenzentrale Zug, seit zehn Jahren Opfer von häuslicher Gewalt. Sie kennt Gründe, warum sich ausländische Opfer seltener trennen.

Esther Käch, letztes Jahr rückte die Zuger Polizei mehr als einmal täglich wegen häuslicher Gewalt aus. Spüren Sie diese Entwicklung?

Käch: Wir erhalten pro Jahr durchschnittlich 120 bis 140 Neuanmeldungen von Gewaltopfern, ein Grossteil davon ist von häuslicher Gewalt betroffen. Etwa ein Drittel der Neuanmeldungen basiert auf einer Polizeimeldung, die anderen Betroffenen werden von anderen Beratungsstellen an uns weiterverwiesen, wir stossen durch Eigenrecherche auf den Fall, oder wir werden von Bekannten des Opfers darüber informiert. Das hat sich letztes Jahr nicht geändert.

Wie können Sie den Opfern helfen?

Käch: In einem ersten Schritt hören wir der gewaltbetroffenen Person einfach nur zu. Oft ist es ja das erste Mal, dass diese über die erlebte physische und/oder psychische Gewalt mit jemandem spricht. Dann versuchen wir der Person Wege aufzuzeigen, was sie unternehmen kann. Dabei geht es darum, sie zu informieren, dass sie beispielsweise eine Anzeige erstatten und sich auch ohne Einverständnis des Ehemannes von ihm trennen kann. Wir fragen dann auch nach den weiteren Familienverhältnissen, um zu erkennen, ob sie Unterstützung in diesem Prozess erwarten kann. Auch sind die Kinder immer ein Thema. Oftmals denken Frauen, dass es für die Kinder wichtig sei, dass sie bei beiden Elternteilen leben, und sie haben deswegen Hemmungen, sich zu trennen. Dabei ist es für die Kinder sehr belastend, wenn sie in einem Umfeld aufwachsen müssen, wo häusliche Gewalt stattfindet.

Fällt es Schweizerinnen einfacher, sich von ihrem Mann zu lösen?

Schweizerinnen sind oft ökonomisch weniger abhängig von ihrem Ehepartner und trennen sich schneller. Bei Ausländerinnen ist das schwieriger. Durch eine Trennung können sie ihre Aufenthaltsbewilligung verlieren, die sie erhalten, wenn sie mit einem Schweizer oder einem Ausländer mit Niederlassungsbewilligung verheiratet sind, dies hemmt sie, die nötigen Schritte zu unternehmen. Auch sind gerade die Ausländerinnen, die über den Familiennachzug gekommen sind, teils ökonomisch vollständig von ihrem Ehemann abhängig, was ein weiterer Hinderungsgrund ist. Des Weiteren haben bei ihnen auch traditionelle Vorstellungen über die Rolle von Mann und Frau in der Ehe einen Einfluss. Auch wissen Ausländerinnen, die aus Kulturen stammen, wo häusliche Gewalt nicht bestraft wird, nicht, dass bei uns körperliche Gewalt und Drohungen an Leib und Leben auch in der Ehe verboten sind.

Können Sie auch präventiv wirken?

Das Opferhilfegesetz sieht vor, dass die Kantone Beratungsstellen einrichten, bei welchen von Gewalt Betroffene Beratung und Soforthilfe erhalten, wenn sie Schutz benötigen sowie auch für juristische oder psychologische Unterstützung. Prävention ist im Gesetz leider nicht explizit vorgesehen und wird darum vom Kanton auch nicht finanziert. Häusliche Gewalt beziehungsweise Beziehungsgewalt ist zudem nach wie vor ein Thema, das stark von den gesellschaftlichen Rollenbildern abhängt. Dem Mann wird einerseits eher Macht und Dominanz zugesprochen, andererseits ist der Umgang mit steigenden Anforderungen und Stress, denen er ausgesetzt ist, kaum ein Thema. Auswirkungen können sich dann in Form von Gewalt in der Familie zeigen.

Was können Betroffene von der Justiz erwarten?

Häusliche Gewalt ist im Fall einer einfachen Tätlichkeit ein Antragsdelikt. Bei mehrmaliger Tätlichkeit, Körperverletzung und/oder Drohungen ist es ein Offizialdelikt, und der Staat muss die Tat von Amtes wegen verfolgen. Oftmals kommt es aber zur Einstellung des Verfahrens, weil in der Familie Zeugen fehlen. Oftmals wird der gewaltausübende Teil auch mit einer Geldstrafe gebüsst. Dies kann dem Opfer insofern zusätzlich schaden, dass es dann vom Täter auch noch für die Kosten der Strafe verantwortlich gemacht wird. (cg)

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