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Schwere Vorwürfe gegen Heimleiter in Oberägeri

Mehrere Ex-Mitarbeiter des Kinder- und Jugendheims Lutisbach kritisieren ihren ehemaligen Chef Micha Portmann. Es geht um die Verwendung von Sachspenden und seinen Führungsstil. Der Stiftungsrat steht hinter ihm.
Rahel Hug
In den Jahren 2015 und 2016 gab es im Kinder- und Jugendheim Lutisbach in Oberägeri zahlreiche Personalwechsel. (Bild: Stefan Kaiser (14. November 2017))

In den Jahren 2015 und 2016 gab es im Kinder- und Jugendheim Lutisbach in Oberägeri zahlreiche Personalwechsel. (Bild: Stefan Kaiser (14. November 2017))

Das Kinderheim Lutisbach in Oberägeri steht am Hang etwas erhöht über dem Ägerisee – mit schöner Aussicht auf See und Berge: Idylle pur. Doch hinter den Türen der Institution brodelt es offenbar. Wie aus mehreren Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern hervorgeht, war die Unzufriedenheit in den letzten Jahren gross – und dies wegen einer bestimmten Personalie: Es geht um den Heimleiter Micha Portmann, ihm werden zahlreiche Verfehlungen vorgeworfen.

Der Einzige, der bereit ist, sich nicht anonym zu äussern, ist Roberto Gomez. Der Sinser mit argentinischen Wurzeln hat im Sommer 2014 im Hausdienst im Kinderheim angefangen. Knapp vier Jahre hat er im «Lutisbach» gearbeitet – im vergangenen Mai wurde ihm gekündigt. Gomez hat mehrere Fälle dokumentiert, in denen Micha Portmann, der das Heim seit Mitte 2015 leitet, Sachspenden von Privatpersonen statt zum Heim zu sich nach Hause geliefert haben wollte. «Ein Arbeitskollege und ich wurden von ihm beauftragt, unter anderem einen Grill und Gartenmöbel in seine eigene Wohnung zu bringen», erzählt Gomez.

«Ein Arbeitskollege und ich wurden von ihm beauftragt, unter anderem einen Grill und Gartenmöbel in seine eigene Wohnung zu bringen»
Roberto Gomez, Ex-Mitarbeiter

Auch Mitarbeiter haben Spenden für sich genommen

Auch ein Pingpong-Tisch habe Portmann, ohne die Spender zu informieren, zu sich nach Hause genommen. Gomez spielt zudem eine Aufnahme eines Telefongesprächs ab, bei dem der Heimleiter explizit sagt, ein abzuholendes Regal sei für seinen Sohn vorgesehen. Er habe auch einen Drucker, einen Weihnachtsbaum und Kartons mit Wein für sich selber verwendet. Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter, der anonym bleiben will, hat die erwähnten Fälle ebenfalls miterlebt, wie er sagt, und er berichtet von einem weiteren: Vor etwa zwei Jahren habe das Heim einen Kleinbus geschenkt bekommen. «Man hätte den alten Bus ersetzen können, doch Micha Portmann hat das Fahrzeug weiterverkauft. Ob das Geld auf dem Lutisbach-Konto landete oder in seiner privaten Tasche, das weiss ich nicht.» Beide Ex-Mitarbeiter sagen, dass auch die Angestellten Spenden nach Hause genommen haben. «Bei Portmann hat eine Kultur des ‹Sich-Bedienens› geherrscht und weil fast alle mitgemacht haben, hat sich wohl auch niemand dagegen geäussert.»

Die erwähnten Vorwürfe lassen sich in der Recherche nicht erhärten. Zwei angefragte Spender wissen von nichts.

Roberto Gomez hat in diesem Frühjahr bei der Polizei in Baar angeklopft: «Man sagte mir, die Spender müssten selber Anzeige erstatten, damit die Polizei aktiv werde.» Wie Gomez sagt, hat er auch beim Kanton nachgehakt – dort habe man ihm erklärt, er müsse alles schriftlich zusammenfassen, damit man den Vorwürfen nachgehen könne.

Gomez erhielt laut eigenen Angaben die Kündigung unter anderem wegen mangelhafter Pünktlichkeit. Seine Ausführungen legen die Vermutung nahe, er wolle sich nun bei seinem ehemaligen Arbeitgeber rächen. Dies verneint er vehement: «Meine Kündigung war manipulativ. Portmann hat Mitarbeitern gedroht, ihnen gekündigt oder sie sind von sich aus gegangen, aber es traut sich niemand, etwas zu sagen.»

Leere Versprechungen, Lügen, Schuldzuweisungen

Diese Aussage ist nicht aus der Luft gegriffen. Denn die Sache mit den Spenden ist das eine. Spricht man mit ehemaligen Angestellten im pädagogischen und sozialen Bereich, treten weitere Probleme ans Licht. «Es herrschte eine stetige Unzufriedenheit, die Arbeit war energieraubend und kräftezehrend», sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Micha Portmann habe die Leute nicht gefördert, sondern gestoppt, äussert sich ein weiterer. «Er hat starke Persönlichkeiten und solche, die ihm die Meinung gesagt haben, ausgeschaltet.» Autokratisch, kritikunfähig und respektlos sind weitere Worte, die in Bezug auf die Person des Heimleiters fallen. Lügen, leere Versprechungen und Schuldzuweisungen würden bei ihm an der Tagesordnung sein. Für die Klienten, die Kinder, sei diese Entwicklung sehr schlecht, sind sich die Befragten einig. «Wenn Kinder in der Stiftung Lutisbach innerhalb von zwei Jahren vier Bezugspersonen haben, ist das alles andere als der Aufbau einer stabilen Beziehung», so ein ehemaliger Mitarbeiter. «Am Ende sind die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden.»

Ein Beispiel, das mehrere Personen bestätigen: Portmann habe einen Mitarbeiter mit lediglich einer Fabe-Ausbildung (Fachperson Betreuung) ohne erforderliche Zusatzausbildung als Sozialpädagoge oder Führungsausbildung in der Position einer Teamleitung eingesetzt. «Da sollte man sich schon fragen, wie es möglich ist, gesetzlich vorgeschriebene Kompetenzanforderungen an solche Aufgaben zu umgehen.»

Er wisse von mindestens zehn Kündigungen, die alle wegen des Heimleiters erfolgt seien, erzählt einer der ehemaligen Angestellten. «Die Zahl der Abgänge war enorm hoch.» Der Blick in die letzten Jahresberichte zeigt, dass in den Jahren 2015 und 2016 tatsächlich überdurchschnittlich viele Mitarbeiter das «Lutisbach» verlassen haben. 2015 waren es 7 Austritte, 2016 10 Austritte. Bei einer Teamgrösse, die in den letzten Jahren zwischen 17 und 21 Personen lag, ist das eine sehr hohe Fluktuation. 2017 waren es nur noch 3 ausgetretene Mitarbeiter, Portmann selber spricht im Bericht von einer «erfreulich geringen Fluktuation».

Die ehemaligen Mitarbeiter nehmen bei ihrer Kritik auch den Stiftungsrat in die Pflicht. Dieser habe von den zahlreichen Kündigungen Kenntnis gehabt, jedoch nicht gehandelt. «Das Verhältnis ist zu kollegial», sagt eine der Auskunftspersonen. Und eine weitere vermutet, der Stiftungsrat wolle die «Fehlbesetzung» nicht einsehen, da der letzte Heimleiter erst 2015 wegen «unterschiedlicher Auffassungen» den Sessel habe räumen müssen.

Enge Begleitung durch den Stiftungsrat

Für das Kinder- und Jugendheim Lutisbach und auch für Micha Portmann nimmt Theo Desax, Präsident des Stiftungsrates, Stellung. Nach der Trennung vom damaligen Heimleiter habe man die Organisation neu strukturieren müssen. Diese erste Phase der Neuausrichtung habe Micha Portmann als stellvertretender Heimleiter begleitet. Auf den 1. Juli 2015 wurde er zum Heimleiter ernannt. «Da er sich in dieser Zeit noch in der Ausbildung zum Institutionsleiter befand, wurde er für diese anspruchsvolle Arbeit eng vom Stiftungsrat begleitet und unterstützt. Entsprechend hat der Stiftungsrat alle Personalentscheide in dieser Phase mitentschieden.» Dies habe auch mehrere Mitarbeitende betroffen, «welche die vorgenannte Neuausrichtung nicht mittragen konnten oder wollten». Die enge Zusammenarbeit halte bis heute an, so Theo Desax weiter.

Der Stiftungsrat sei der Überzeugung, dass der Führungsstil von Micha Portmann «hinsichtlich der notwendigen Neuausrichtung des Kinderheims angebracht und zielführend ist und unterstützt diesen vorbehaltlos». Bezüglich der geäusserten Vorwürfe betreffend Bereicherung lasse sich «aus unserer Sicht in keinem Falle ein Fehlverhalten feststellen», führt Desax aus.

Aufsichtsbehörde über das Kinderheim Lutisbach ist das Kantonale Sozialamt. Die Amtsleiterin Jris Bischof bestätigt, dass im Sommer ein ehemaliger Mitarbeiter Vorwürfe bezüglich private Verwendung von Spenden gemeldet habe. Er sei an den Stiftungsrat und an die kantonale Ombudsfrau verwiesen worden. «Wie vom Gesetz verlangt, erfolgte die Prüfung von Bilanz und Erfolgsrechnung der Stiftung Lutisbach durch eine anerkannte Revisionsstelle. Diese hatte nichts zu beanstanden. Auch im Rahmen des vom kantonalen Sozialamt durchgeführten Finanzcontrollings wurden keine Unregelmässigkeiten festgestellt.» Informiert war das Sozialamt auch, dass «gewisse seit 2015 vorgenommene konzeptionelle und organisatorische Veränderungen bei einigen Mitarbeitenden für Unzufriedenheit sorgten», wie Bischof mitteilt. Die Behörde sei informiert worden, dass es zu Personalwechseln gekommen sei. Auf die Frage, wie sie die grosse Fluktuation beurteile, sagt Bischof: «Im Sozialbereich herrscht allgemein eine hohe Fluktuationsrate.» Die Aufsichtsbehörde greife dann ein, wenn die für die Erfüllung der Aufgaben nötige Anzahl Mitarbeitende und/oder die Qualifikation des Personals nicht erfüllt sei.

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