Schwerstarbeit in Menzingen - nicht nur für die Pferde

Auf dem Hof Ebnet in Menzingen fand die 15. Holzrückeprüfung und zweite Haflinger-Schweizer-Meisterschaft statt. Der Parcours erfordert gut ausgebildete Pferde, die auf Stimmkommandos reagieren.

Nadine Wyss
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Nervenstärke und Geschick sind gefragt. Im Bild sind Jeannine Grau und der Wallach Nino. (Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 23. Juni 2019))

Nervenstärke und Geschick sind gefragt. Im Bild sind Jeannine Grau und der Wallach Nino. (Bild: Christian H. Hildebrand (Menzingen, 23. Juni 2019))

Bei besten Wetterbedingungen und an schönster Aussichtslage starteten am Sonntag, 23. Juni 2019 rund 50 Pferde und Ponys, aufgeteilt in die Kategorien L und M, beim traditionellen Holzrücken. Die Pferde, vorwiegend der Rassen Freiberger und Haflinger, blieben auch bei schwierigen Aufgaben meistens ruhig. Mit gespitzten Ohren meisterten sie die verschiedenen Aufgaben wie das Rückwärtstreten oder das Poltern, welche als Pflichthindernisse gelten. Die Pferde tragen in der Regel dabei ein Geschirr namens «Kummet» und ziehen einen Holzstamm hinter sich her. Das Ruckeln und die Berührungen müssen sie dabei aushalten können. Während in der schwierigeren Kategorie M die Pferde mittels Fahrleine gelenkt werden, darf die Fuhrperson in der Kategorie L das Pferd auch vorne beim Kopf führen.

Holzrückeprüfung auf dem Hof Ebnet in Menzingen; mit Haflinger Schweizermeisterschaft. Jeannine Grau achtet genau, dass ja kein Ball vom Pilonen fällt. (Bilder: Christian H. Hildebrand, Menzingen, 23. Juni 2019)

Holzrückeprüfung auf dem Hof Ebnet in Menzingen; mit Haflinger Schweizermeisterschaft. Jeannine Grau achtet genau, dass ja kein Ball vom Pilonen fällt. (Bilder: Christian H. Hildebrand, Menzingen, 23. Juni 2019)

Klaus Enz aus Zell mit dem Freiberger Wallach Rinaldo beim Durchgang durch das Tannendickicht.

Klaus Enz aus Zell mit dem Freiberger Wallach Rinaldo beim Durchgang durch das Tannendickicht.

Alois Roellin konzentriert bei einem schwierigen Hindernis.

Alois Roellin konzentriert bei einem schwierigen Hindernis.

Frieda Reinhard aus Rengg mit der Freibergerstute Natascha beim Aufziehen des Stammes auf zwei grosse Tremel.

Frieda Reinhard aus Rengg mit der Freibergerstute Natascha beim Aufziehen des Stammes auf zwei grosse Tremel.

Ein Blick zurück auf die Pilonen mit den Bällen.

Ein Blick zurück auf die Pilonen mit den Bällen.

Nicht nur die Zuschauer hatten Durst.

Nicht nur die Zuschauer hatten Durst.

Im Gegensatz zu anderen Pferdesportarten wird das Holzrücken im Alltag effektiv praktiziert. Bei der Holzgewinnung, dort wo Maschinen nicht mehr eingesetzt werden können, setzt man auf die bewährte Pferdestärke. Bei einem zu meisternden Parcours sind dann auch die Aufgaben der Arbeit im Wald nachempfunden. «Das Pferd muss dem Menschen zu 100 Prozent vertrauen. Es muss wissen, dass der Mensch es nirgends hinführt, wo es gefährlich ist. Andererseits muss der Mensch dem Pferd vertrauen, denn er steht ja direkt hinter ihm», erklärte Jasmine Zehnder, die zusammen mit ihrem Mann dem Organisationskomitee angehörte.

Übung macht den Meister

Die Pferde machten ihre Sache gut, absolute Nervenstärke war gefragt. Die ist der Grund, warum beim Holzrücken in erster Linie Kaltblutrassen eingesetzt werden, obschon die Sportart sämtlichen Rassen offen steht und auch Maultiere und Esel gerne gesehen wären. Von den Ponys starteten nur deren drei. Wallach «Don-Jo vom Shethof» reklamierte den Sieg in der Kategorie «L – Pony» mit 242,6 von 300 Punkten für sich. Wallach «Wulcan» von Peter Moos aus Anglikon startete als einziger Warmblüter und machte seine Sache sehr gut. Mit einer Selbstverständlichkeit und Gelassenheit absolvierte der 17-jährige Wallach den Parcours. Peter Moos war dann auch zufrieden mit seinem Pferd. «Wulcan startete früher in Dressur- und Springprüfungen.» Eine tolle Leistung erbrachte auch der Freiberger-Wallach «Norin» von Patrick Spadin aus Schiers. Weniger gelassen war die erst achtjährige Freiberger-Stute «Elaine». Sie und ihre Stallkollegin «Natascha» führen zu Hause je ein Fohlen bei Fuss.

Das Erfolgsrezept gemäss Jasmine Zehnder ist: «Üben, üben, üben.» Der Rest ist auch Glücksache, sind die Bedingungen auf dem Wettkampfplatz doch anders als zu Hause. Neueinsteigern empfiehlt sie, einen Kenner zu kontaktieren. «Wichtig dabei ist, es einfach mal zu versuchen, auch wenn es allenfalls nicht auf Anhieb klappt.»

Ein Volksfest der traditionellen Art

Rund 500 bis 600 Gäste werden gemäss Cyrill Weber, der 10 Jahre als OK-Präsident amtete, jeweils erwartet. «Seit zwei Jahren führen wir die Haflinger- Schweizer-Meisterschaft durch. Alois Röllin wird versuchen, seinen Titel zu verteidigen.» OK-Präsident und Lokalmatador Alois Röllin war am Nachmittag mit Haflingerstute «Amanda» und Haflingerwallach «Aldino» angemeldet. Das grosse Festzelt war zur Mittagszeit bis zum letzten Platz besetzt, die Stimmung auf dem grössten Wettkampfplatz der Schweiz friedlich und ausgelassen.

Gut besucht war auch der Apéro mit den Sponsoren, Gönnern sowie mit Vertretern aus Behörde und Politik. Eine Tendenz zurück zum Traditionellen wie beim Schwingsport lässt sich erahnen oder wie es Cyrill Weber bezeichnete: «Back to the roots.»