SCHWIMMEN: Im Wasser fühlt sie sich am wohlsten

Cristina Matheson geht regelmässig für den SV Baar an den Start. Die 18-Jährige hat gelernt zu kämpfen – und das nicht nur im nassen Element.

Marco Morosoli
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Cristina Matheson ist beim Schwimmverein Baar engagiert und hat am Wochenende einmal mehr persönliche Rekorde gebrochen. (Bild: Stefan Kaiser)

Cristina Matheson ist beim Schwimmverein Baar engagiert und hat am Wochenende einmal mehr persönliche Rekorde gebrochen. (Bild: Stefan Kaiser)

Ihre Herkunft aus dem angelsächsischen Raum kann Cristina Matheson nicht verbergen. Sie ist vor achtzehn Jahren in Aylesbury geboren worden. Die Stadt liegt nordwestlich von London in der Grafschaft Buckinghamshire und hat rund 60 000 Einwohner. In der Schweiz ist sie mit ihren Eltern – Vater Schotte, Mutter Peruanerin – seit vier Jahren. Für diese kurze Aufenthaltsdauer beherrscht sie Schweizerdeutsch aber schon sehr gut. Und auch in Deutsch weiss sie sich zu verständigen. Die schnelle sprachliche Integration erklärt die talentierte Schwimmerin so: «Ich musste in die Schule. Da blieb mir gar keine andere Wahl, als so schnell wie möglich die gebräuchliche Sprache zu lernen.» Im Gegensatz zu vielen Landsleuten wählte dabei Matheson den schwierigeren Weg: Sie trat in eine öffentliche Schule ein.

Und sie hat es gepackt. Die Matura hat sie mit einem Notendurchschnitt von 4,8 abgeschlossen. Sie sagt: «Im Deutsch war ich nicht so gut. Ich habe dies glücklicherweise mit besseren Noten in anderen Fächern ausgleichen können.»

Ins kalte Wasser geworfen

Die Zeit der Integration war aber für Cristina Matheson nicht einfach: «Bevor ich aus England wegzog, war ich nahe dran, die Limite für die englische Nationalmannschaft zu schaffen.» Doch sie konnte ihr Leistungslevel nicht halten, da sie mehr für das schulische Fortkommen machen musste: «In England habe ich in der Woche acht Mal trainiert. In der Schweiz reichte es nur noch für vier Einheiten.» Das schlug sich natürlich in den Leistungen der in Baar wohnhaften Britin nieder: «Ich bin zwar nicht unbedingt langsamer geworden, aber die Konkurrenz, die mehr trainiert hat, überholte mich», sagt Matheson.

Doch dadurch liess sich die Studentin, sie studiert seit September Bio-Chemie in Zürich, nicht von ihrem Weg abbringen. «Ein Leben ohne Schwimmen könnte ich mir nicht vorstellen», sagt Matheson und fügt an: «Das Wasser ist meine Materie.» Dass Wassermann auch noch ihr Sternzeichen ist, passe da ja auch gerade perfekt. Und zudem: «Schwimmen beruhigt, hilft Emotionen abzubauen und ist so ein guter Ausgleich zum Alltag.»

Trainingsintensität gesteigert

Mittlerweile erreicht die Trainingsdauer auch wieder den Level, den sie einst auf der Insel hatte: «Ich gehe sechs Mal in der Woche ins Wasser. Zweimal trainiere ich noch Kraft.» Das mache sie nicht nur schneller, sondern würde ihrem ganzen Körper guttun. Doch wichtig zu erwähnen ist Matheson, dass Kraft alleine für gute Resultate nicht ausreicht: «Du musst nicht nur physisch stark sein, sondern auch diszipliniert deinen Weg gehen.»

So stehe sie denn manchmal auch vor einem Dilemma: «Ich würde gerne mit meinen Kollegen in den Ausgang gehen, aber ich muss mit mir selber hart sein und manchmal auch die Kraft haben, um Nein zu sagen.» Die Zeit für Freizeitaktivitäten ist so oder so knapp bemessen. Da ist einerseits der Stundenplan an der Hochschule, der einschränkt, und andererseits stehen noch fast täglich Trainings auf dem Programm. Sie geht dabei nicht nur mit ihren Kollegen und Kolleginnen des SV Baar ins Wasser. Einmal in der Woche reist sie nach Uster. Der Klub aus dem Zürcher Oberland gilt als die beste Ausbildungsstätte fürs Fortkommen im Wasser: «Ich bin froh, dass ich mich dort habe anschliessen können. Diese Einheit hilft mir, mich laufend zu verbessern.»

«Schwimmen ist nicht eintönig»

Auf die Frage, ob es ihr denn im Wasser nie langweilig werde, sagt sie wie eine Werbefachfrau für ein Produkt, das Kunden unbedingt kaufen sollen: «Schwimmen ist doch nicht eintönig. Es ist vielmehr sehr abwechslungsreich.»

Das mag auch daran liegen, dass Cristina Matheson sich bis jetzt nicht auf eine Disziplin konzentriert hat, sondern alle Lagen trainiert. Im Schwimmsport sind dies Crawl, Delfin, Brust und Rücken. Mit dieser Vielfalt will sie über 200-Meter-Lagen für Furore sorgen. Dabei lägen ihre Stärken beim Crawl und beim Delfin. «Beim Brustschwimmen habe ich noch Verbesserungspotenzial», sagt die angehende Biochemikerin.
Sportliche Wettkämpfe sind für sie wie Trainings: «Ich will dabei das Gelernte so perfekt wie möglich umsetzen.» An der Konkurrenz orientiere sie sich dabei nicht: «Ich habe gelernt, nur auf mich zu schauen. Auf die Bahnen neben mir schaue ich nicht.» Und was sie drauf hat, zeigte die Studentin am vergangenen Wochenende (siehe Box).

Eltern haben wichtigen Part

Aber eines weiss Cristina Matheson: «Ohne meine Eltern wäre ich heute nicht dort, wo ich nun bin.» Ihre Mutter sei für sie ein Idol: «Sie ist eine Kämpferin. Sie gibt nie auf.» Da hat die 18-Jährige wohl ein paar Gene von ihrem Vorbild geerbt. Vater und Mutter seien aber noch in einer anderen Hinsicht prägend: «Sie helfen mir, dass ich meinen Fokus nicht verliere und Prioritäten setze.» Sie helfen Cristina Matheson aber nicht nur finanziell über die Runden zu kommen, sondern geben ihr auch gute Ratschläge.

Klubmeisterschaften in Baar

Am kommenden Wochenende kann die 18-jährige Studentin wieder einmal zu Hause zeigen, was sie kann. Am 29. November finden im Lättich die Klubmeisterschaften des SV Baar statt. Als eines der besten Pferde im Stall, das sagt Matheson von sich selber, werden von ihr natürlich gute Resultate erwartet. Doch der Anlass ist auch eine Gelegenheit, um untereinander zu sozialisieren. Der Schwimmverein ist für Matheson sozusagen der Kollegenkreis.

Für die kommende Saison hat sich die talentierte Baarer Schwimmerin ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: «Ich will meine Rekordzeiten von diesem Jahr unterbieten. Zudem will ich es an der Schweizer Meisterschaft des Jahres 2015 in die Top Ten der Schwimmerinnen schaffen.» Eine Herausforderung, doch eine, welche Matheson gerne annimmt. Dass sie gegenüber den Spitzenschwimmerinnen weiter aufholen kann, sieht Matheson als realistisch an. Was später sein wird, weiss sie noch nicht: «Es kann sein, dass ich mich einmal zwischen Schwimmen und Studium entscheiden muss.» Doch sicher nicht heute.

Cristina Matheson

Geboren: 2. Februar 1996
Wohnort: Baar
Grösse: 1,61 Meter
Gewicht: 55 Kilogramm
Grösster Erfolg: 8. Platz über 50 Meter Crawl an einer Schweizer Meisterschaft
Club: Schwimmclub Baar
Lieblingsessen: Chinesisch/Sushi
Lieblingsgetränk: Wasser/Inka Cola

Die Baarer wissen in Uster zu überzeugen

Meisterschaft tbr. Mit fünf Schwimmerinnen und Schwimmern ist der SV Baar zum Saisonhöhepunkt an den Schweizer Kurzbahnmeisterschaften (25-Meter-Bahn) in Uster angetreten und überzeugte mit vielen persönlichen Bestzeiten. Die Meisterschaften bilden im Kurzbahnzyklus von September bis Dezember den Saisonhöhepunkt und werden als Vorläufe (Vormittag) und Finalläufe (Nachmittag) ausgetragen. Um sich Chancen auf eine Finalqualifikation ausrechnen zu können, sind Leistungen im Bereich der persönlichen Bestzeiten nötig.

Bestzeiten verbessert

Den ersten Teil dieses Vorhabens konnten alle Baarer Schwimmer sehr gut umsetzen. In vier von fünf Rennen erzielten die Schwimmer persönliche Bestzeiten, was einer sehr guten Bestzeitenquote unter den speziellen Bedingungen an Titelkämpfen entspricht.

Allen voran überzeugte Cristina Matheson, welche in all ihren Rennen persönliche Bestzeiten erreichen konnte. Am deutlichsten gelang ihr dies über 100 Meter Lagen, wo sie ihre persönliche Bestmarke um rund 1,5 Sekunden unterbot. Über 100 Meter Freistil verblüffte sie mit einer starken Zeit und verpasste mit 1:00,01 die Schallgrenze von einer Minute äusserst knapp. Mit einer ebenfalls starken Staffelzeit über 50 Meter Delfin von 29,19 Sekunden schloss Cristina Matheson eine starke Meisterschaft ab. Erstmals gelang es ihr, am wichtigsten Wettkampf der Saison ihre beste Leistung abzurufen.

Herren deuten Potenzial an

Bei den Herren überzeugte Marco Deix mit starken Zeiten über 50 Meter Delfin (26,78) und 200 Meter Lagen (2:14,27). Angesichts des aus beruflichen Gründen reduzierten Trainingsumfangs konnten diese Leistungen nicht unbedingt erwartet werden. Dasselbe gilt für Jan Matter, welcher seit Sommer in der Berufsausbildung ist und sein Trainingspensum reduzieren musste. Mit Bestzeiten über 100 Meter Rücken (1:01,72) und 50 Meter Delfin (27,17) deutete er einmal mehr sein grosses Potenzial über die Sprintstrecken an. Moritz Röthlisberger und Xavier Kelly konnten an ihren ersten nationalen Titelkämpfen auf der Kurzbahn ebenfalls an die Leistungen ihrer Teamkollegen anknüpfen. Beide erreichten neue Bestzeiten über 100 Meter Lagen und 100 Meter Delfin (Moritz Röthlisberger) sowie 100 Meter und 200 Meter Rücken (Xavier Kelly).

Baars Cheftrainer Fabian Wihler zeigte sich zufrieden: «Erstmals ist es uns gelungen, am Saisonhöhepunkt über alle Schwimmer hinweg auf dem höchsten persönlichen Leistungsstand zu sein. Von den Zeiten her betrachtet, haben wir uns den Finalplätzen genähert; bei der hohen Leistungsdichte hätte es aber einen absoluten Exploit gebraucht, um uns für einen Final zu qualifizieren. Wir wollen nun diesen nächsten Schritt machen.»

Noch ein Wettkampf

Mitte Dezember beschliesst die 1. und 2. Mannschaft des SV Baar in Singen (Deutschland) das Wettkampfjahr. Nach einer kurzen Weihnachtspause stehen danach bereits die Vorbereitungen für die Langbahnsaison (50 Meter) an.